Hier reißen sie Münchens größten Bunker nieder

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Der Bunker in der Steinerstraße in Sendling wird abgerissen

München - Im Jahr 1943 wurde er errichtet – 67 Jahre später geht’s ihm an den Kragen: In der Steinerstraße in Sendling wird seit Mitte März Münchner größter Hochbunker abgerissen.

Er soll einem Erweiterungsbau der benachbarten Sana Klinik weichen. Als die Nationalsozialisten 1943 die ganze Stadt mit einem Netz aus Tief- und Hochbunkern überzogen, wussten sie offenbar schon, dass der Stadt ein brutaler Luftkrieg bevorsteht. In Sendling entstand der größte Hochbunker mit 800 Plätzen. Errichtet wurde er im Stil der Neo-Renaissance in Terracotta-Farbe, mit der Leo von Klenze unter König Ludwig I. vor allem in der Ludwigstraße das Stadtbild nach italienischen Vorbildern prägte.

Die Weltkriegs-Bomben konnten den 1,5 Meter dicken Stahlbetonwänden nichts anhaben, nach dem Krieg diente der Schutzraum zunächst als Lager für Lederwaren und Filmmaterial. In den 80er Jahren wurden die Fensterschlitze zugemauert und der Bunker nochmals wegen des Kalten Krieges wieder als Schutzraum renoviert. Anfang der 90er Jahre wollte man den Bunkerturm nochmals als Auffanglager für Asylbewerber nutzen, die bereits aufgestellten Feldbetten blieben aber leer.

Da der Kalte Krieg vorbei ist und man keine Bunker mehr braucht, hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe das Bauwerk an die Sana-Kliniken verkauft, die auf der anderen Seite der Steinerstraße bereits ein Krankenhaus betreiben. Sie wollen auf dem Bunkergrundstück einen Erweiterungsbau hochziehen. Seit 22. März kommt schweres Gerät zum Einsatz. „Die Sprengung des Hochbunkers ist nicht möglich, da dieser aufgrund seiner stabilen Bauweise so nicht zum Einsturz gebracht werden kann,“ erklärt Elmar Simon, Geschäftsführer der Sana Kliniken Solln Sendling GmbH. „Die Bauarbeiter tragen den Bunker deshalb in mühevoller Kleinarbeit ab. Dies ist natürlich mit Lärm und Schmutz verbunden, aber wir versuchen die Unannehmlichkeiten für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.“

Die Sana Kliniken bauen ein neues Gesundheitszentrum, einen Teil davon auf dem Bunkergrundstück. Er soll mit der Klinik auf der anderen Seite der Steinerstraße durch einem Tunnel verbunden werden. Der neue „Gesundheitscampus“ soll auf die Behandlung von Orthopädie-Patienten ausgerichtet sein, von der ambulanten und stationären Versorgung bis hin zu Reha.

Johannes Welte

Hier stehen fünf weitere Bunker

Claude-Lorrain-Straße, Giesing

Der ehemalige Luftschutz-Turm an der Claude-Lorrain-Straße ist heute als Kunstbunker bekannt. Anders als andere Bunker steht dieser nicht unter Denkmalschutz und so konnte der ehemals fensterlose Bau in Wohnungen und ein Veranstaltungszentrum umgebaut werden.

Ungererstraße, Schwabing

Nicht mehr im Besitz der ­Zivilschutzes befindet sich der Bunker in der Ungererstraße 158. 1943, während des Zweiten Weltkrieges ­errichtet, sollte dort die Zivilbevölkerung bei Luftangriffen Schutz suchen. Insgesamt konnten dort 657 ­Personen untergebracht werden.

Blumenstraße, Innenstadt

Der Hochbunker in der Blumenstraße wird immer noch aktiv für den Zivilschutz genutzt. Zwischen 24 und 48 Stunden können dort bis zu 750 Personen untergebracht werden. Eine längerfristige Versorgung ist in der Blumenstraße nicht geplant: Es gibt keine Betten.

Albert-Bayerle-Platz, Obersendling

Der Hochbunker am Albert-Bayerle-Platz, Ecke Boschetsrieder Straße, gehört der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten und wird nicht mehr für den aktiven Zivilschutz genutzt. Im 1942 fertiggestellten Gebäude konnten im Krisenfall 437 Personen Schutz suchen.

Schleißheimer Straße

Sichere Unterbringung für 514 Personen bietet der Bunker in der Schleißheimer Straße 281. Im Zweiten Weltkrieg erbaut, wurde er in der Nachkriegszeit wieder nutzbar gemacht. Die Münchner Hochbunker verfügen über Lüftunganlagen sowie Toiletten und Wasseranschlüsse.

DM

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