Hells Angels überfielen Bandidos

Hier sitzen die Rocker-Schläger aus der Table-Dance-Bar

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Vier Hells Angels auf der Anklagebank. Ganz rechts ihr Boss Michael M.

München - In der Schillerstraße kam es zum Clash zwischen den Rockern der Hells Angels und der Bandidos: Jetzt müssen sich vier Rocker vor Gericht verantworten.

Es war das bislang schwerste Aufeinandertreffen der beiden Rockerclubs Hells Angels und der Bandidos in München: Sie gerieten im vergangenen April in einem Strip-Lokal in der Schillerstraße brutal aneinander. Seit Montag müssen sich vier Hells Angels vor Gericht verantworten, weil sie ein Schäferstündchen von „Bandido“ Helmut P. (44) rabiat beendet haben.

Tatort: Die Bar „Bad Angel“ in der Schillerstraße

Dieser ließ es sich im Separee der Tabledance-Bar „Bad Angel“ gut gehen. Er war mit mehreren Kumpels in dem Laden. Davon bekamen die konkurrierenden Hells Angels Wind. Zwischen 5.34 und 5.40 Uhr rückten mehrere Mitglieder mit ihrem Präsidenten Michael M. (43) persönlich an. Dieser riss den Vorhang des Separees auf, eine Nackt-Tänzerin reichte ihm die Hand. Doch Michael M. hatte alles andere als Lust auf Nettigkeiten. Die Dame wurde brutal aus dem Nebenraum gezogen. Für Helmut P. kam es noch schlimmer: Michael M. und seine Spießgesellen traktierten ihn mit Nieten besetzten Handschuhen. Medizinisches Schockergebnis nach fünf Minuten wüster Prügelei: Gehirnerschütterung, gebrochenes Nasenbein, Platzwunden, angerissenes Ohr, Riss in der Unterlippe, drei Zähne locker. Zwei weitere Bandidos wurden ebenfalls übel zugerichtet.

Von den vier Angeklagten gesteht nur Michael M. die Tat. „Eine private Auseinandersetzung“, ließ er Anwalt Peter Federau erklären. Um was es ging, verrät er nicht. Seit der Tat sitzt er in U-Haft. Die anderen hüllen sich in Schweigen. Ralf M. (50), der wegen eines anderen Delikts im Knast sitzt, will gar nicht dabei gewesen sein.

Opfer Helmut P., der auch Nebenkläger ist, sollte gestern als Zeuge auftreten. Der Chef einer Reinigungsfirma ließ den Termin sausen. Er habe keine Ladung bekommen, so sein Anwalt Franz Xaver Wittl. Richterin Rosi Datzmann: „Wenn er nicht kommt, wird er von der Polizei abgeholt.“ Es wird also zu einem Wiedersehen der Rockerfeinde kommen – diesmal aber im Gerichtssaal.

„Ein ungewöhnlicher Fall“

Andreas Gollwitzer.

Fünf Rocker-Gruppierungen mit knapp 200 Mitgliedern: Andreas Gollwitzer (52), Chef des Kommissariats 33 für Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität, hat die Münchner Szene genau im Blick. Das tz-Interview:

Herr Gollwitzer, herrscht jetzt auch in München ein Rocker-Krieg?

Andreas Gollwitzer (52): „Nein, dieser Fall ist für München ungewöhnlich. Wir haben hier eine gewachsene Rockerszene und keine erbitterten Feindschaften wie im Norden Deutschlands. Viele saßen schon gemeinsam auf der Schulbank und sind daher wohl etwas friedlicher.“

Wie gehen Sie gegen die Szene vor?

Gollwitzer: „Wir haben drei Rocker-Sachbearbeiter, die ständig in der Szene tätig sind. Wenn irgendwo etwas verrutscht, reden wir sofort miteinander. Wir haben die wichtigsten Telefonnummern parat.“

Was lief bei dem Vorfall in der Schillerstraße dann schief?

Gollwitzer: „Das wissen wir leider bis heute nicht. Vielleicht bringt da der Prozess Licht ins Dunkel.“

Das Verhältnis zwischen Bandidos und Hells Angels ist demnach sehr angespannt!

Gollwitzer: „Sie haben uns versichert, dass es zu keinen Racheaktionen kommt. Bis heute ist auch nicht passiert. Offenbar hatten aber beide Angst, dass ihre Vereine nach dem Prozess verboten werden. Sie haben sich vorsorglich selbst aufgelöst. Aber da wird wieder was kommen.“

Wie bewerten Sie den neuen Ableger der Streetgang Black Jackets in München?

Gollwitzer: „Der bereitet mir Bauchschmerzen. Die etwa 50 Mitglieder haben ein hohes Gewaltpotenzial und verbreiten Unruhe. Wir werden sie sehr genau beobachten.“

Sebastian Arbinger, E. Unfried

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