Hier stecken die Unis die Millionen rein

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Die Studenten zahlen 182 Millionen Euro

München - Was passiert, wenn Studenten und Bürger die Studiengebühr kippen? 182 Millionen Euro hat der Freistaat 2011 kassiert und wieder an die Unis verteilt.

Jeder dritte Euro ging nach München: 34 Millionen an die Ludwig-Maximilians-Uni, 21 Millionen an die Technische Uni, 8 Millionen an die Hochschule für angewandte Wissenschaften, insgesamt eine Million Euro an die drei Kunsthochschulen.

Bei der Verteilung dürfen die Studenten mitreden – schließlich soll das Geld nur in die Verbesserung der Lernbedingungen fließen. Das letzte Wort hat aber die Uni-Leitung. „Die Verteilung ist zum größten Teil sehr gut gelaufen“, sagt Veronika Dorn (24), Studenten-Sprecherin an der LMU. Die Germanistik-Studentin sitzt in der Zentralen Studiengebührenkommission. Dort haben sich die Vertreter selbst Regeln gegeben: Sie stimmen nur Projekten zu, die Hochschüler zusätzlich unterstützen. Sie verweigern aber Investitionen in die Grundausstattung, weil diese der Freistaat aus dem Haushalt sicherstellen müsse. Neuer Hörsaal aus Studiengebühren? Nein! Mehr Tutorien für die Orientierung der unteren Semester? Ja!

Es gibt aber auch Unis, die gar nicht wissen, wohin mit dem vielen Geld. Manche Fakultäten zahlten bei Exkursionen gar die Getränke der Studenten! Wissenschaftsministerium und Universitäten dokumentieren, wofür sie das Geld der Studenten ausgeben. Beispiele aus dem Bericht der LMU von 2010:

Die Juristen steckten 110 000 Euro in mehr Aufsichtskräfte der Bibliothek, um die Öffnungszeit zu verlängern.

In der katholischen Orthodoxe Theologie gab es für vier zusätzliche Wochenstunden in der Studienberatung insgesamt 6958,67 Euro.

Fast eine halbe Million Euro floss bei den Medizinern etwa in den Lohn von Patienten-Schauspielern, an denen die Studenten Untersuchungen üben.

Bei den Betriebswirtschaftlern gingen fast 1,5 Millionen Euro an Lehrassistenten für zusätzliche und kleinere Kurse sowie Hilfskräfte.

Die Tiermediziner begrüßten ihre Erstsemester mit einem Überraschungspaket aus zwei weißen Kitteln sowie einer Packung Einmalhandschuhe. Kostenpunkt: 9462,82 Euro.

Das alles soll nicht gestrichen werden, wenn die Studiengebühr wegfällt. Die Opposition fordert einen vollständigen Ersatz der 182 Millionen Euro aus dem Haushalt des Freistaats. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der die Gebühr mittlerweile kippen will, sagte: Einst habe es gute Gründe dafür gegeben. Heute aber habe man „eine andere Finanzlage.“ Der Freistaat könnte das also stemmen …

Die Studenten allerdings könnten dann ihre Mitsprache verlieren. Das wollen sie aber verhindern. „Wir müssen beteiligt bleiben“, sagt Sprecherin Veronika Dorn. „Schließlich ist die Uni unser Lebensmittelpunkt.“

DAC

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