Die tz hat Familien in den Slums von Addis Abeba besucht

Hier wohnt die Armut

Die Geschwister Metadel (9) und Ayele (10) vor der Hütte ihres Vaters. Die Mutter ist an Aids gestorben
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Die Geschwister Metadel (9) und Ayele (10) vor der Hütte ihres Vaters. Die Mutter ist an Aids gestorben

München/Addis Abeba - Straßen ohne Namen, Häuser ohne Fenster, Kinder ohne Zukunft.

In den Slums von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba ist die Armut zuhause. Sie wohnt in jeder Ritze, besetzt jeden Quadratzentimeter der staubigen Gassen, breitet sich in jeder noch so kleinen Hütte aus. Wer hier nicht leben muss, verirrt sich normalerweise nicht in diese Gegend, in der es an allem fehlt. Kein Strom, kein fließendes Wasser, keine Kanalisation. Nicht einmal die Straßen haben Namen.

Der Unicef-Jeep holpert über buckeligen Straßen, fährt spritzend durch knöcheltiefe Pfützen. Kinder waten mit bloßen Füßen durch die Kloake, rennen dem weißen Geländewagen mit dem himmelblauen Logo der Vereinten Nationen hinterher. Vielleicht gibt es Bonbons oder ein paar Kugelschreiber? Kostbare Geschenke für die Buben und Mädchen, denen es an allem fehlt. Die Räder drehen durch, der Wagen hält. Zu Fuß geht’s weiter, tiefer hinein in das Elend. Die Kinder schließen auf, hüpfen aufgeregt um uns herum. Wir können ihnen nichts geben, unsere Bonbons und Stifte würden nicht für alle reichen. Schade, nicht einmal eine kleine Freude können wir ihnen machen. Aber Streit und Tränen wären vorprogrammiert. Das Wenige, was sie haben zu teilen, ist ihre Sache nicht. Wer könnte es den Kindern verdenken?

Die Gässchen werden enger, die Hütten noch schäbiger. Hier wohnt Familie Bekele: Mama Shashe (35), Papa Sheyaw (35), ihr großer Sohn Birham (10) und seine Schwestern Bethelehem (6) und Edi (2). Wir müssen den Kopf einziehen, als wir durch die schmale Wellblechtür eintreten. Die ganze Familie sitzt auf dem Deckenlager, das ihnen gleichermaßen als Bett, Sitzgelegenheit, Tisch und Spielfläche dient. Ungefähr zwei Mal zwei Meter groß, beherrscht die Konstruktion aus Holz und Lehm das ganze Zimmer. Insgesamt ist die Hütte nicht größer als 15, vielleicht 18 Quadratmeter. Shashe, eine resolute Frau, versucht Ordnung zu halten. Schier unmöglich mit drei Kindern auf so engem Raum.

Familie Bekele lebt auf 18 Quadratmetern: Mama Shashe (35) ihr Mann Sheyaw (35), Sohn Birham (10) und seine Schwestern Bethelehem (6) und Edi (2). Ihr einziger Luxus: ein Radio mit Batteriebetrieb aus den 1970er Jahren

Birham hat Schulbücher vor sich ausgebreitet, aber er kann sich nicht konzentrieren. Seine Schwestern spielen direkt neben ihm. Genervt herrscht er sie an, sie sollen ruhig sein. Da fängt Bethelehem (6) an zu weinen. „Wenn ich auch in die Schule gehen dürfte, würde ich jetzt nicht spielen, sondern Hausaufgaben machen! Dann wäre ich ganz leise.“ Aber für den Schulbesuch des Mädchens reicht das Geld nicht. „Vielleicht, wenn Birham fertig ist mit der Schule“, tröstet Mama Shashe. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, dass es ihre Tochter ohne Schulbildung einmal schwer haben wird. „Was sollen wir tun? Wenn wir beide Kinder in die Schule schicken, reichen die fünf Dollar, die mein Mann als Pförtner in der Woche verdient, nicht mehr fürs Essen.“

Metadel (9) und Ayele (10), die zwei Hütten weiter leben, haben mehr Glück. Sie gehen beide zur Schule. „Nur mit Bildung schaffen wir es später mal raus aus dem Slum“, sagt Ayele altklug. Der Bub hat Recht. Bildung ist ein großes Privileg und oft das einzige Mittel im Kampf gegen die Armut. Aber auch die Familie der Geschwister überschattet ein schweres Schicksal. „Unsere Mama ist gestorben. An Aids“, sagt Metadel. „Und wir glauben, dass unser Papa auch krank ist.“ Noch kann der Vater die zwei versorgen. Er betreibt ein kleines Geschäft am Straßenrand und verdient damit genug Geld für Schuluniform und Gebühr. „Aber was machen wir, wenn auch unser Papa stirbt?“ Immerhin: Metadel und Ayele werden leben. Sie sind beide nicht infiziert.

So sieht die Küche von Familie Bekele aus: eine offene Feuerstelle mit ein paar verrußten Töpfen in einem Verschlag vor der Hütte

Auf dem Weg zurück zum Auto: Die Horde Kinder hat sich aufgelöst. Nur Tasfey (5) steht noch unschlüssig am Straßenrand. Dem Bub ist furchtbar langweilig. Er ist den ganzen Tag allein, seine Eltern müssen beide auf dem Markt arbeiten, um über die Runden zu kommen. „Wo sind die ganzen Kinder hin? Will denn keiner mit mir spielen?“ fragt er. Zum Trost schenken wir ihm zwei Bonbons und einen Stift. Tasfeys Strahlen werden wir nie vergessen.

So können Sie helfen

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie Hilfe für Äthiopien, die tz-Weihnachtsaktion für Unicef. Zwei tz-Reporter haben die Hilfsprojekte in Äthiopien besucht und sich ein Bild von der geplanten Verwendung der Spenden gemacht. Eine Vereinbarung mit Unicef garantiert, dass wirklich jeder Cent bei den Kindern ankommt. Der Verwaltungsaufwand wird aus anderen Töpfen bezahlt.

Die Spendenkonten

Stadtsparkasse München

Kto.-Nr. 263 525

BLZ 701 500 00

Dresdner Bank

Kto.-Nr. 326 900 000

BLZ 700 800 00

Empfänger ist Unicef. Ein Stichwort ist nicht notwendig, da auf die Konten nur tz-Gelder eingehen. Sie können Ihre Spende steuerlich geltend machen. Bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Spendenquittung. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von Unicef automatisch eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie deshalb im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an.

Ein Traumwagen für 10 Euro

Mit nur zehn Euro sind Sie dabei – bei der großen Weihnachtsaktion von tz und Unicef – und können einen Audi A 3 TDIe im Wert von 23 350 Euro gewinnen! Und so machen Sie mit: Alle tz-Leser, die mindestens zehn Euro für unsere Unicef-Aktion spenden, nehmen automatisch an der Verlosung teil.

Also, liebe tz-Leser: Mit Ihrer Spende für die Kinder in Äthiopien könnten Sie bald selbst beschenkt werden. Der Gewinner wird nach Abschluss unserer Weihnachtsaktion im Februar 2009 ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die tz und Audi wünschen viel Glück!

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen? Oder möchten Sie selbst eine Spendenaktion oder Tombola für Unicef organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail.

Redakteurin Simone Herzner betreut in der tz-Redaktion alle Aktionen rund um Unicef. Zu erreichen ist sie unter Tel. 089/ 53 06 214 oder per E-Mail: simone.herzner@tz.de

Quelle: tz

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