100 Jahre Frauenwahlrecht

Hildegard Kronawitter: „Man muss sich einmischen!“

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Hildegard Kronawitter ist in zahlreichen Organisationen ehrenamtlich tätig.

Es ist eine bewegende Botschaft. Das Wort „Freiheit“ steht gleich zwei Mal auf der Rückseite eines Schreibens, das der NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl am 21. Februar 1943 vom Volksgerichtshof zugestellt wurde.

Einen Tag später wurde sie im Gefängnis München-Stadelheim mit ihrem Studienkollegen Christoph Probst hingerichtet. Der Kampf für die Freiheit, den sich Sophie Scholl im verbrecherischen NS-Regime zur Lebensaufgabe gemacht hatte und für den sie schließlich mit ihrem Leben bezahlte – er erfüllte sie noch bis in ihre letzten Stunden.

Hildegard Kronawitter, Erste Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung, freut sich gerade über dieses Dokument – eine Rarität, die zentraler Bestandteil der Dauerausstellung „DenkStätte Weiße Rose“ im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität ist. Ihr symbolischer Wert könne nicht hoch genug geschätzt werden, schildert die 72-Jährige ergriffen. „Freiheit ist nichts Selbstverständliches, das vergessen wir leider immer wieder. Unzählige Menschen mussten im Dritten Reich für dieses Ideal ihr Leben lassen.“

Von Freiheitsdrang und Kampfgeist ist auch bei ihr viel zu spüren – ihre hellen, blauen Augen, die so klar und freundlich in die Weite blicken und sich ganz dem Gegenüber widmen, strahlen Tatkraft, Hoffnung und Zuversicht aus. Man spürt sofort, dass Begriffe wie „Arbeit“, „Disziplin“ oder eben auch „Freiheit“ bei ihr keine leeren Worthülsen, sondern mit Leben gefüllt sind – und das schon von Kindesbeinen an: Auf einem bäuerlichen Hof im niederbayerischen Sumpering unmittelbar nach Kriegsende geboren, hat sie die Not des Lebens schon früh kennengelernt und sich auf dem zweiten Bildungsweg beruflich hochgearbeitet. Hartnäckiger Einsatz begleitete ihren ganzen Lebensweg.

Hildegard Kronawitter, die Ehefrau des vor zwei Jahren verstorbenen, langjährigen Münchner Oberbürgermeisters Georg Kronawitter, ist eine starke Frau – eine, die sich den Zielen, die sie sich gesteckt hat, voll verschreibt und keine Halbherzigkeiten duldet. Politisch hat sie das vor allem in den Jahren von 1998 bis 2008 unter Beweis gestellt, als sie als SPD-Abgeordnete im bayerischen Landtag saß, wo sie unter anderem für den Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, zeitweilig auch für Bundes- und Europaangelegenheiten tätig war und hier zahlreiche Anstöße gab. Bis heute ist sie in zahlreichen Organisationen ehrenamtlich tätig – nicht nur als Vorsitzende der Stiftung Weiße Rose, sondern unter anderem auch als Leitungsmitglied der Katholischen Akademie. Im Vorstand des Kreisverbandes München des Bayerischen Roten Kreuzes saß Kronawitter von 1973 bis 2013. Daneben ist Kronawitter Mitglied im Kuratorium der LMU und dem Institut für Bayerische Geschichte.

Für die Gesellschaft tätig zu sein, bedeutet für Hildegard Kronawitter vor allem, sich einzusetzen, den Lauf der Dinge nicht dem Zufall zu überlassen. „Man muss sich einmischen, aktiv sein. Das bedeutet, dass man sich trauen muss – die Dinge ändern sich nicht von alleine.“ Eine Botschaft, die man in unruhigen Zeiten wie diesen nur allzu gerne gehört. Hildegard Kronawitter ist aber vor allem eines: dankbar. Dankbar darüber, dass sie gesund ist und gebraucht wird. Dass sie vernetzt ist und immer wieder die Möglichkeit hat, neue Menschen kennenzulernen. Dazu hat sie vor allem auf der gut besuchten Dauerausstellung „DenkStätte Weiße Rose“ Gelegenheit, die in der Lundwig-Maximilians-Universität zu sehen ist.

DenkStätte Weiße Rose

Die DenkStätte Weiße Rose am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München ist ein zentraler Erinnerungsort zur Geschichte des studentischen Widerstands der Weißen Rose. Die neue Dauerausstellung bietet einen umfassenden Blick auf die Geschichte der Weißen Rose und stellt ihren Widerstand in den Kontext von NS-Terrorherrschaft und verbrecherischem Krieg.

Schwerpunkte der Ausstellung liegen unter anderem auf den Motiven des Widerstands, den einzelnen Aktionen der Gruppe, den Inhalten der Flugblätter und der Ausweitung des Widerstands über München hinaus nach Ulm, Saarbrücken, Hamburg und in weitere Städte.

Ein besonderes Kapitel ist der Erinnerungsgeschichte der Weißen Rose von 1943 bis heute gewidmet. In neun interaktiven Medienstationen werden die Biografien der ProtagonistInnen der Weißen Rose vermittelt. In Filmsequenzen sprechen Zeitzeugen zur Ausweitung des Widerstands sowie zu Verfolgung, Haft und Prozessen. Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 11.30 bis 16.30 Uhr.

Starke Frauen - 100 Jahre Frauenwahlrecht 

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