Seniorin schreibt Buch mit Familiengeschichte

Mit 84 ab in die Multimedia-Welt

+
Fit mit Laptop und Drucker: Seniorin Hildegard Pflügler (84) an ihrem Arbeitsplatz im Esszimmer

München - Mit 84, hat Hildegard Pflügler die Geschichte ­ihrer Familie niedergeschrieben. Dabei wusste die Münchnerin vor ein paar Jahren nicht mal, wie man einen PC einschaltet!

Wenn ihre Mutter von einst erzählte, lauschte die kleine Hildegard mit großen Ohren. Was waren das für spannende Geschichten: wie die Großmutter Tannenzapfen verkaufte, um ihre Kinder durchzufüttern. Über den Winter 1928/29, der so kalt war, dass ihre Eltern das Eis von den Wänden bügelten. Jetzt, mit 84, hat Hildegard Pflügler die Geschichte ­ihrer Familie niedergeschrieben. Dabei wusste die Münchnerin vor ein paar Jahren nicht mal, wie man einen PC einschaltet!

Hildegard Pflügler als Baby mit ihrer Mutter im Jahr 1928

Vor drei Jahren legt die ehemalige Lehrerin mit dem Buch los – handschriftlich. „Es ging zackzack. Ich hatte alles schon im Kopf.“ Sie schreibt und schreibt. Vom harten Leben der Großmutter, die 16 Kinder bekommt, von denen nur vier überleben. Von ihrem Onkel, der 1917 als 18-Jähriger in den Ersten Weltkrieg einrückt. Wie nach der Wirtschaftskrise 1923 ein Laib Brot 260 Milliarden Mark kostet. Die Ereignisse hat die Autorin aus Erzählungen rekonstruiert. „Früher hat man nicht ferngesehen. Da saß man zusammen.“ Auch ihre Erinnerungen hat sie festgehalten. Wie sie im Zweiten Weltkrieg als Schülerin Bauern gegen Essen beim Hopfenzupfen half. Wie ein Bombenangriff in München Hildegard und ihre Mutter am Hauptbahnhof überraschte. „Wir rannten in den U-Bahnschacht, der gebaut wurde. Jeder schrie.“ Nach dem Krieg gab es gekochte Brennnesseln und Löwenzahnsalat, aus Bettwäsche wurde Kleidung genäht. „Wer keine Quelle für Lebensmittel hatte, verhungerte.“

Ihre Aufzeichnungen hat die Seniorin selbst in den Computer getippt – beigebracht hat es ihr eine alte Freundin, bei Problemen half ein Student. „Erst hatte ich Angst vor dem Gerät. Aber das war ganz einfach. Man muss sich nur trauen!“ Zum 84. bekam sie von ihrem Sohn ein Laptop. Jetzt hat ein Verlag Gar nicht so lange her (181 Seiten) als Buch auf Bestellung veröffentlicht.

„Man merkt erst beim Vergleich von früher und heute, wie gut wir es haben“, sagt die Autorin. Ein Nachfolge-Buch wird es aber nicht geben: „Meine Augen lassen nach. Jetzt schreibe ich nur noch Kurzgeschichten und Gedichte!“

C. Schmelzer

So schreiben Sie Ihr eigenes Buch

Viele Menschen träumen davon, ein Buch zu schreiben. Wer das in die Tat umsetzen will, braucht vor allem eins: Geduld. Denn nach dem Schreiben fängt die Suche nach einem Verlag an – und das ist meist der schwierigste Punkt. Wer sein Buch einem Verlag anbieten will, sollte zunächst telefonisch Kontakt aufnehmen und nachfragen, an wen das Manuskript geschickt werden soll. Schicken Sie jedoch nicht das ganze Buch, sondern wählen Sie zwei oder drei aussagefähige Kapitel aus und schicken Sie die mit einer Zusammenfassung Ihres Werks.

Einen geeigneten Verlag zu finden, ist oft schwierig – nicht selten kassieren Erstautoren eine Absage nach der anderen. Eine Alternative ist es, das Buch im Eigenverlag als sogenanntes Book on Demand (deutsch: Buch auf Bedarf) herauszubringen. Sobald eine Bestellung eintrifft – sei es vom Autor, von einer Buchhandlung oder einem Onlineshop – wird es produziert und ausgeliefert. Dabei kümmert sich der Autor selbst um Marketing und Verlag, wird nach Wunsch aber von Profis unterstützt. Gedruckt wird nur, was nachgefragt wird. Je nach Anbieter zahlt der Autor für eine Auflage von 50 bis 100 Stück etwa 400 bis 1500 Euro, das Honorar liegt bei etwa 20 Prozent.

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
FCB-Meisterfeier: Sperrungen, Kontrollen und keine U-Bahn 
FCB-Meisterfeier: Sperrungen, Kontrollen und keine U-Bahn 

Kommentare