Münchner Wohnungsmarkt

Familie in Not: "Wir finden keine Wohnung!"

München - Hart, härter, Münchner Wohnungsmarkt! Und wie immer: Am meisten leiden diejenigen, die’s eh schon schwer haben. Die tz zeigt zwei Fälle, die leider eher Normalität als Ausnahme sind.

Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München sagt: „Die Vermieter in München und Umland haben so viele Bewerber, dass sie Mieter mit einem vermeintlichen Makel von vornherein aussortieren – sie wollen meist nur gut verdienende Singles oder Doppelverdiener-Pärchen.“ Familien mit kleinen Kindern oder Senioren fallen oft durchs Raster – auch wenn sie an sich genug Geld hätten, die Miete zu bezahlen. „Trotzdem bleiben sie oft draußen vor der Tür. Nehmen muss sie kein Vermieter, es herrscht Vertragsfreiheit“, so Anja Franz.

Fall I: Chancenlos mit Kleinkind

Wie verhext! Endlich haben sie einen Krippenplatz für ihre kleine Lilly (17 Monate) gefunden, jetzt verlieren sie die Wohnung! Katrin (38) und Michael (42) Brandt aus Ottobrunn müssen raus: Der Vermieter hat der jungen Familie wegen Eigen­bedarfs gekündigt, weil sein 25-jähriger Sohn im Januar einziehen will.

Familie Brandt will nicht weit weg, eben wegen der Tochter. „Einen neuen Krippenplatz finden, und noch dazu mitten im Jahr? Das ist unmöglich“, sagt die besorgte Mutter. Außerdem hat sich die kleine Lilly in der Krippe gut eingelebt. „Ich würde sie da ganz ungern wieder rausreißen.“ Michael Brandt arbeitet Schicht, und Katrin Brandt ist seit zwei Jahren selbstständig – das Paar ist auf den Krippenplatz angewiesen.

Sich gegen die Kündigung wegen Eigenbedarfs zu wehren: Das halten die Brandts für aussichtslos. Mietrechtsspezialistin Anja Franz vom Mieterverein München gibt ihnen recht: „Die Richter in München urteilen meist sehr eigentümerfreundlich, und wer sich nicht auf besondere Umstände berufen kann, kann so eine Kündigung meist nur hinauszögern.“

Also suchen die Brandts jetzt einen Vermieter mit Herz. „Es ist sehr schwierig. Wir haben nur noch wenig Zeit für die Suche und sind regional eingeschränkt, müssen in Ottobrunn, Haidgraben oder der näheren Umgebung bleiben“, sagt Katrin Brandt. Klar: Sie haben sich schon umgesehen, jede Menge Inserate durchstöbert – aber bisher ohne Erfolg. Katrin Brandt sagt: „Viele Wohnungsangebote richten sich nur an Paare ohne Kinder oder Familien mit älteren Kindern. Oder die Wohnungen sind einfach so teuer, dass wir sie uns – obwohl wir beide arbeiten – nicht leisten kön­nen. Wir sind verzweifelt.“

Fall II: 550 Euro reichen nicht

Inka H. muss wohl bald raus aus ihrer Wohnung.

Die Zweizimmerwohnung in Sauerlach, in der Inka H. (71) derzeit wohnt, wird es wohl nicht mehr lange geben. Das Haus ist alt, der Eigentümer ist gestorben, die Erben wollen neu bauen. „Dafür habe ich großes Verständnis“, sagt Inka H. Wegen Problemen mit Feuchtigkeit und Schimmel möchte sie ja eigentlich eh ausziehen. Das funktioniert aber nicht – weil die Seniorin keine neue Wohnung bekommt.

Inka H. sucht schon seit drei Jahren! Sie kann nur bis zu 550 Euro Miete bezahlen, mehr gibt ihre Rente nicht her. Für diesen Preis eine Zweizimmerwohnung in Taufkirchen, Unterhaching, Ottobrunn oder der Umgebung zu finden: schwierig bis unmöglich. „Ich habe Zettel ausgehängt, Annoncen geschaltet, drei Makler beauftragt, war bei der Gemeinde Taufkirchen und bei der Gewofag – überall heißt es: Wir haben momentan leider nichts für Sie“, sagt die Rentnerin verzweifelt.

Die ehemalige Bankangestellte kann nur noch den Kopf schütteln über den irren Münchner Wohnungsmarkt. Sie sagt: „550 Euro sind doch nicht wenig Geld. Ich bin eine zuverlässige, ordentliche Frau ohne überzogene Ansprüche. Das gibt es doch nicht, dass in einer Weltstadt wie München ganz normale Leute keine Chance bekommen und hinten runterfallen.“ Leider scheint es genau das doch zu geben.

svs

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