Rentner kann Beiträge nicht zahlen

Hilfe, ich habe keine Krankenversicherung!

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Wolfgang Paul (71) zeigt die Kündigung der Kasse

München - Rentner Wolfgang Paul aus Dietramszell wendet sich an tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser. Er ist seit fünf Jahre ohne Krankenversicherungsschutz.

Dietmar Gaiser: Das Forum

Ihr Arzt verschreibt Ihnen alternative Heilmittel, aber die Krankenkasse bezahlt sie nicht. Bei Medikamenten bekommen Sie nicht das Original- sondern nur das Nachahmerprodukt ersetzt. Oder Ihre Krankenkasse schickt Ihnen hohe Rechnungen über Nachzahlungen. Das Team des Bürgeranwaltes weiß aus vielen Briefen, dass diese Beschwerden Alltag sind. Deswegen haben wir unser nächstes Bürgeranwalts-Forum unter das Motto „Ärger mit Krankenkassen“ gestellt. Es werden hochrangige Vertreter der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherungen da sein. Außerdem kommen Ansprechpartner von Patientenorganisationen und natürlich werden auch Praktiker, also Ärzte, für Ihre Fragen zur Verfügung stehen. Außerdem werden Infostände aufgebaut, unter anderem von der Verbraucherzentrale, an denen Sie weitere Ansprechpartner finden. Das Forum findet am Mittwoch, den 6. März, im Pressehaus Bayerstraße statt. Kostenlose Eintrittskarten werden vergeben, bis der Saal voll ist. Deswegen sollten Sie sich möglichst bald anmelden. Wie das geht, erfahren Sie auf dieser Seite. Mit den Eintrittskarten schicken wir Ihnen auch Informationen darüber, wie Sie das Pressehaus (nahe des Hauptbahnhofs) erreichen. Natürlich wird unsere Zeitung ausführlich über die Veranstaltung und Ihre Wortmeldungen berichten. Meine Aufgabe als Moderator wird es sein, dafür zu sorgen, dass Sie mit Ihren Anliegen auch zu Wort kommen. Ich freue mich also auf Sie. Wir sehen uns am 6. März.

Ihr Dietmar Gaiser

Hilfe, ich habe keine Krankenversicherung!

Ich bin Wolfgang Paul, 71 Jahre alt und ein aktiver Rentner. Mein Problem: Im Jahre 1993 machte ich mich selbstständig, was zur Folge hatte, dass ich mich privat krankenversichern musste und zwar bei der DKV. Der Beitrag betrug im Schnitt 650 Euro im Monat. Im Jahr 2002/2003 wurden meine Aufträge immer weniger und somit auch der Umsatz. 2006 ging ich in Rente und ich konnte meinen Beitrag nicht mehr bezahlen. Das hatte zur Folge, dass mir die DKV den Vertrag kündigte. Trotz aller Bemühungen, einen Ersatz mit einem bezahlbaren Beitrag zu finden, ob gesetzlich oder privat, hatte ich keinen Erfolg. Nun bin ich seit zirka fünf Jahren ohne Versicherungsschutz, Gott sei Dank bin ich gesund und hoffe, dass ich es noch lange bleibe. Aber das ist keine Garantie, so wende ich mich in meiner Verzweiflung an Sie.

Wolfgang Paul (71), Rentner aus Dietramszell

„Ein schwieriger Fall“, sagen Peter Friemelt, Geschäftsführer der Patientenberatung Der Gesundsheitsladen München und Bastian Landorf, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Nürnberg. Sofort könnte sich Wolfgang Paul zwar zum Basistarif bei der GKV wieder versichern, doch beträgt der Beitrag dafür rund 600 Euro pro Monat. Der Beitrag darf nicht höher sein als der jeweils aktuelle Höchstsatz der gesetzlichen Krankenversicherung. Zudem müsste er die Beiträge ab 1. Januar 2009 nachzahlen, da zu diesem Zeitpunkt die gesetzliche Versicherungspflicht eingeführt wurde. „Die ersten fünf Monate muss er voll nachzahlen, ab dann ein Sechstel des monatlichen Beitrags“, sagt Landorf. Allerdings könne hier Ratenzahlung herausgehandelt werden. Doch hat Wolfgang Paul Anspruch auf einen reduzierten Basistarif, wenn ihm von seiner Rente abzüglich der Warmmiete und der 600 Euro für den Basistarif nur 400 Euro pro Monat bleiben. Der reduzierte Basistarif beträgt rund 300 Euro pro Monat. Fällt er auch nach der Zahlung dieses reduzierten Basistarifs unter Sozialhilfeniveau, beteiligt sich der nach dem Sozialgesetzbuch zuständige Träger (Bundesagentur für Arbeit oder Sozialamt) an dem Beitrag. „Ich rate Herrn Paul, zur Sozialberatung zu gehen, dort muss er seine Vermögensverhältnisse offenlegen“, sagt Peter Friemelt. Der Gesundheitsladen ist gerne bereit, für Wolfgang Paul eine Lösung zu suchen (Telefonnummer 089/18 91 37 22, zuständig für das Münchner Umland). „Herr Paul ist kein Einzelfall, obwohl es inzwischen eine Versicherungspflicht gibt! Das zeigt, wie wichtig das Thema ist“, sagt Friemelt.

Susanne Sasse

Ärger mit Krankenkassen

Wie viele Themenbereiche im Forum am 6. März zur Sprache kommen können, zeigt ein Blick in die Post des Bürgeranwalt-Teams. Hier häufen sich Briefe, bei denen es um Ärger mit Krankenkassen geht. Nachfolgend lesen Sie eine Auswahl. Wenn Sie ähnliche Sorgen bedrücken, kommen Sie zu unserer Veranstaltung. Dort sind die richtigen Ansprechpartner.

Ausland

Ich musste im Urlaub in der Türkei zu einer Blutentnahme. Dafür wurden mir 245 Euro berechnet. Zurück in Deutschland reichte ich die Rechnung bei meiner Kasse ein, aber niemand fühlt sich zuständig.

Kurt Menth (80), Rentner, Karlsfeld

Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Behandlungen nur in EU-Ländern. Da die Türkei nicht dazugehört, übernimmt sie die Kosten von Herrn Menth nicht. Nach der Intervention des Bürgeranwaltes wurde der Betrag aber ersetzt.

Zähne

Obwohl Ärztepfusch durch Gutachter belegt ist, schickt mich die Kasse wieder zum gleichen Zahnarzt, um den Pfusch nachzubessern. Aber ich habe kein Vertrauen mehr in diesen Zahnarzt.

Christa D. (40), Angestellte, München

Krankenkassen verlangen oft, dass Nachbesserungen vom gleichen Zahnarzt erledigt werden, der den Schaden angerichtet hat. Man kann sich dagegen aber wehren.

Rollstuhl

Ich brauche einen elektrischen Rollstuhl. Für den handbetriebenen bin ich zu schwach. Aber die Versicherung weigert sich, die Kosten zu übernehmen.

Karin S. (70), Rentnerin, München

Versicherungen argumentieren in solchen Fällen oft damit, dass handbetriebene Rollstühle die Kraft und Beweglichkeit des Behinderten besser erhalten.

Zuzahlung zu Medikamenten

Ich vertrage nur ein bestimmtes Originalmedikament, bei den Nachahmerprodukten treten Nebenwirkungen auf.

Kurt B. (40), Angestellter, Erding

Wenn der Arzt ein „medizinisch notwendiges“ Originalmedikament verschreibt, weil der Patient ein Nachahmerprodukt nicht verträgt, bezahlt die Krankenkasse. Wenn der Arzt nur den Wirkstoff aufschreibt, muss der Versicherte meist das billigere Nachahmerprodukt nehmen.

Kuren

Ich bin gesetzlich versichert und liege seit Monaten mit meiner Krankenkasse im Streit, weil sie mir eine Kur, die der Arzt für wünschenswert hält, nicht bezahlt.

Wendland M. (35), Feldafing

In vielen Fällen kann nur der Arzt helfen, indem er der Krankenkasse klarmacht, dass die Kur nicht nur „wünschenswert“, sondern wirklich auch „notwendig“ ist.

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