Hilfsbereite Daniela K.: Für sie selbst kam jede Hilfe zu spät 

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Grenzenlos glücklich: Daniela war stolz darauf, was ihr Chor aus gehandicpaten und nicht gehandicapten Mitgliedern gemeinsam geschafft hat

München - Angehörige und Freunde trauern um Daniela K. (51), die ihr Leben in den Dienst von gehandicapten Menschen gestellt hat. Für die hilfsbereite Frau selbst konnte niemand mehr etwas tun.

Die Frage nach dem Warum – sie stellt sich immer, wenn man einen lieben Menschen verloren hat. Aber in diesem Fall muss sie Angehörigen und Freunden allen Glauben an die Gerechtigkeit rauben. Sie trauern um eine hilfsbereite Frau, die ihr Leben in den Dienst von gehandicapten Menschen gestellt hat: Für Daniela K. (51) selbst konnte niemand mehr etwas tun, als ihr auf der Landstraße bei Hallbergmoos plötzlich ein Auto entgegenkam. Auf ihrer Fahrbahnseite. Viel zu schnell. Es rammte den Wagen der zweifachen Mama frontal, sie hatte nicht den Hauch einer Chance.

Das Unfalldrama geschah, als Daniela K. gerade mit ihrem Chor durch München und Umgebung tourte. Monatelang hatten die Schützlinge des Vereins „grenzenlos“, der sich für die Integration gehandicapter Menschen starkmacht – leidenschaftlich geprobt. Das große gemeinsame Ziel: acht Aufführungen von Ludwig Thomas Weihnachtsgeschichte Heilige Nacht.

Umso stolzer war die Chorleiterin, als am ersten Advent die Premiere gelang – noch dazu in ihrer Heimatgemeinde Neufahrn bei Freising. „Daniela wollte unbedingt einmal dort auftreten“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Andreas Held. „Sie war so glücklich, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist.“ Zumal Danielas Tochter – sie ist wie ihr Bruder körperlich beeinträchtigt – im katholischen Gemeindesaal von Neufahrn ein herzergreifendes Solo sang. Andreas Held: „Das war ein ganz besonderes Highlight für die Daniela.“

Zwei weitere Auftritte folgten, insgesamt waren acht geplant. Doch am Vorabend des vierten Gastspiels in einer Münchner Kirche klingelte beim „grenzenlos“-Chef das Telefon: „Ihr Mann hat mir erzählt, was passiert ist. Wir alle konnten es nicht fassen.“

Online kondolieren auf trauer.de

So wurde dieser 9. Dezember für die gesamte Vereinsfamilie zu einem schwarzen Adventsfreitag. Am vergangenen Samstag haben sie ihre Daniela zu Grabe getragen. Im Kondolenzbuch, das „grenzenlos“ im Internet aufgelegt hat, spiegelt sich die kollektive Ohnmacht wider. So schreibt eine Frau tief betroffen: „Ausgerechnet Daniela, die immer Mut, Kraft und Stärke vermittelt hat!“

Was die zweifache Mama so liebenswert machte, beschreibt ein anderer Nachruf ihrer Freunde: „In Danielas Wortschatz existierte das Wort Nein nicht. Nicht nur, dass sie sich persönlich um jeden Einzelnen im Chor kümmerte, mit den Mitgliedern geduldig stundenlang persönliche Gespräche führte und diese zu den Proben abholte und heimfuhr. Auch hatten sich im Lauf der Zeit alle daran gewöhnt, dass Daniela bei jeder Probe Getränke und Süßigkeiten dabei hatte.“

Der Schock über ihren Verlust saß so tief, dass die Mitglieder lange über einen Abbruch der Auftrittsserie diskutierten. Am Ende beschlossen sie gemeinsam, die Heilige Nacht weiterhin aufzuführen. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aber es war die richtige“, sagt Vorsitzender Held. „Denn nach der Tragödie ist unser Zusammenhalt noch weiter gewachsen. Stärke aus der Gemeinschaft – dieses Miteinander ist Danielas trauriges Vermächtnis.“

Andreas Beez

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