Um Himmels Willen! Stadt lässt diese Kirche verfallen

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Stadtrat Dr. Georg Kronawitter kämpft gegen den Verfall städtischer Denkmäler wie hier der Seniorenheimkirche St. Martin (Giesing)

München - Die altehrwürdige St.-Martinskirche im ehemaligen St. Martin-Spital verfällt. Wie konnte es nur dazu kommen? Die tz ist dem Frevel auf die Spur gegangen.

Der Putz rieselt von der Decke, in den Stuckfeldern in der Kuppel bilden sich hässliche Flecken, Kruzifixe liegen achtlos auf Wäschekörben, und die handgeschnitzte Weihnachtskrippe verstaubt in einer Ecke – von Adventsstimmung ist hier nicht viel zu spüren. Die altehrwürdige St.-Martinskirche im ehemaligen St. Martin-Spital verfällt. Wie konnte es nur dazu kommen?

München - auferstanden aus Ruinen

München - auferstanden aus Ruinen

CSU-Stadtrat Dr. Georg Kronawitter ist entsetzt: „Diese Kirche ist ein herausragendes Beispiel der neobarocken Bauweise, die Ende des 19. Jahrhunderts in München in Mode kam.“ Architekt des 1894 als „Armenversorgungshaus“ eröffneten Komplexes war Carl Hocheder d. Ä., der auch das Müllersche Volksbad entwarf.

Dr. Kronawitter: „Dass der schleichende Zerfall dieses Kleinods St. Martin der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieb, lag ausschließlich daran, dass es wegen dieser Bau­schäden geschlossen blieb.“ Der CSU-Mann kritisiert, dass die Stadt als Eigentümerin ihren denkmalschützerischen Pflichten nicht nachkommt. „Nach herrschender Verwaltungspraxis können die verantwortlichen städtischen Dienst­stellen die Baudenkmäler vernachlässigen, ohne Sanktionen seitens der städtischen Denkmalbehörde fürchten zu müssen.“

Der Verfall der Kirche begann, als das Seniorenheim 1988 in einen westlich angrenzenden Neubau umzog, das alte Heim dient seither als Kinderhort, ­Verwaltungsbau für Sozialreferat und die städtische Münchenstift, als Lager, Werkswohnung und Volkshochschule. Die Kirche selbst wird seitdem nicht mehr genutzt.

Das Sozialreferat selbst sprich von einem „Problemfall“, denn für diejenigen, die nun im Neubau wohnen, sei der Weg zu weit. Außerdem fehlen Strom- und Heizung. Das erzbischöfliche Ordinariat hat kein Interesse an einer Nutzung. Bleibt die griechisch-orthodoxe Gemeinde „Heiliger Georg“, die nicht mehr in der katholischen Kirche „Vom guten Hirten“ (Haidhausen) ihre Messen zelebrieren kann.

Doch vorher muss die Stadt die Kirche sanieren. Die Außenfassade wird schon gerichtet. Bei der Innensanierung spricht das Sozialreferat von einer „mittel- bis langfristigen“ Dringlichkeit. Bis es soweit ist, wird also noch mehr Stuck von der Decke bröckeln…

J. Welte

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