Hinter den Kulissen von "Aktenzeichen XY" in Obermenzing

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München - Sämtliche Einspieler von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" werden in München und Umgebung gedreht. Die tz durfte in Obermenzing mit dabei sein.

Der „Reschisör“ gibt seine Anweisungen, das „Chefaug’“ schaut durch seine Kamera, der vierte „Vasuach“ wird aufgenommen. Die Dreharbeiten zu Aktenzeichen XY ... ungelöst finden auf Bairisch statt! In einem Einfamilienhaus in Pasing-Obermenzing wird in diesen Tagen ein Einspieler für die beliebte ZDF-Fernsehsendung gedreht. Die Bewohner haben für die Zeit des Drehs ihr Heim verlassen und es der Filmcrew zur Verfügung gestellt. „Die Hausbesitzer erkennen ihre Wohnungen während der Dreharbeiten kaum wieder“, lacht Schauspielerin Marianne Schubart-Vibach. Tische werden umhergeschoben, die Teppiche mit Schutzfolien bedeckt und überall stehen Kabel, Kameras und Scheinwerfer herum. Nach den Dreharbeiten wird natürlich ordentlich sauber gemacht.

Was nur wenige wissen: Sämtliche Einspieler von Aktenzeichen XY ... ungelöst werden in München und Umgebung gedreht – unabhängig davon, wo sich der reale Tatort befindet. „Zum einen geschieht dies natürlich aus Kostengründen, zum anderen wäre es in manchen Fällen pietätlos, am Ort des Geschehens zu drehen“, erklärt Regisseur Tom Tenker. Er steht im Garten des Einfamilienhauses, das als Drehort dient, und wärmt während einer kurzen Pause seine Hände an einem Haferl Kaffee.

Filmcrew bei der Arbeit für Aktenzeichen XY: Regisseur Tom Tenker, Kameraassistent Norbert Ulrichs und Kameramann Ivan Minov (von links nach rechts)

Einige Szenen werden im Freien gedreht, was zwar zu kalten Fingern führt, der guten Laune der Crew jedoch keinen Abbruch tut. Es wird gescherzt, gelacht – und viel gewartet. Mal läuft die Kamera nicht, wie sie soll, ein anderes Mal stört schallendes Sirenengeheul die Szene. Das passt natürlich überhaupt nicht. Hier soll ja die Tat nachgestellt werden, nicht die Ankunft der Polizei oder gar die Aufklärung des Falles. Bei diesem Fall bittet die Polizei schließlich um Unterstützung durch die Bevölkerung. Die ist groß: Etwa fünf Millionen Zuschauer schalten jeden Monat ein und helfen bei der Verbrecherjagd.

Die Aufklärungsquote der in der Sendung behandelten Fälle liegt bei stattlichen 43 Prozent. Auch ungeklärte Verbrechen, die in München und Umgebung begangen wurden, schafften es in die Sendung. Wer sich den in Pasing-Obermenzing gedrehten Einspieler anschauen möchte, muss sich noch bis voraussichtlich 23. Februar 2011 gedulden, dann soll der Fall der 81-jährigen Witwe (siehe unten) ausgestrahlt werden. Wer nicht bis dahin warten möchte, kann sich schon heute Abend eine Folge Aktenzeichen XY ... ungelöst ansehen. Moderator Rudi Cerne stellt ab 20.15 Uhr im ZDF wieder ungelöste Fälle vor. Unter anderem einen Mord aus dem Jahr 1993. In Furth im Wald (Kreis Cham) wurde vor fast 18 Jahren der damals 41-jährige Karl Perlinger in seinem Schuhgeschäft umgebracht. Ein Unbekannter schnitt ihm die Kehle durch. Der Mörder wurde nie gefunden.

Petra Markovic

Bayerns unheimliche Phantome

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Das "Opfer" spricht: Die 89-jährige Marianne Schubart-Vibach über den Dreh

Im chaotischen Durcheinander des Filmsets für die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ sitzt in stoischer Ruhe eine ältere Dame. Während der Regisseur seine Anweisungen in den Raum brüllt, Beleuchter und Tontechniker hektisch um sie herum laufen, bewahrt Marianne Schubart-Vibach Ruhe und wartet auf ihren Einsatz. Sie spielt in einem zehnminütigen Einspieler der Sendung eine 81-jährige Rentnerin, die von zwei Männern überfallen wird (siehe unten).
Mit „Verbrechern“ kennt sich Schubart-Vibach aus: In ihrer langen Laufbahn hat sie bereits in TV-Krimi-Produktionen an der Seite von Horst Tappert oder Erik Ode gespielt. Sie war auch in „Notruf Hafenkante“ im Zweiten zu sehen. Ihr letztes Engagement hatte sie bei der ARD: Für die TV-Serie „Großstadtrevier“. Schubart-Vibach kann also mit reichlich Erfahrung im „kriminalistischen“ Bereich aufwarten.

Allein deswegen wurde die 89-Jährige jedoch nicht engagiert. „Ich komme aus Lübeck. Für diese Produktion brauchten sie jemanden, der nicht bayerlt“, sagt sie schmunzelnd. Der wahre Fall spielte sich in Ostfriesland ab. Deswegen hält die Schauspielerin auch die Emder Zeitung statt der tz in die Kamera. Es soll eben alles so nah wie möglich am realen Fall geschildert werden.

Übermäßig einarbeiten musste sie sich in ihre Rolle übrigens nicht. „Leider“, sagt Schauspielerin Schubart-Vibach, „habe ich auch privat bereits Kontakt mit Verbrechern gehabt“. Ganze vier Mal schon wurde in ihr Haus eingebrochen – trotz technischer Hilfen wie einer Alarmanlage und Bewegungsmeldern. „Mittlerweile wacht eine Sicherheitsfirma über mein Haus, wenn ich verreist bin. Die rufe ich an, wenn ich fahre und sie passen dann auf, dass nichts passiert“, erkärt Schubart-Vibach. Sie befasst sich lieber beruflich mit Einbrechern.

MAR

Das ist der wahre Fall zum Dreh

In der Nacht zum 26. Oktober 2009 wurde eine 81-jährige Witwe aus Moormerland (Ostfriesland) von zwei Räubern im Schlaf überrascht. Die Männer fesselten die Seniorin mit Klebeband und versuchten sie einzuschüchtern. Die Täter forderten Bargeld und Schmuck – doch die Dame ließ sich nicht verschrecken und weigerte sich, den Einbrechern etwas zu geben. Ein Versuch, die ältere Dame zu betäuben, schlug fehl. Sie weigerte sich das Schlafmittel zu schlucken, das die Täter für diesen Fall mitgebracht hatten. Was sie nicht wussten war, dass die gewitzte Rentnerin zuvor heimlich ihren Ehering vom Finger gezogen und in ihrem Mund versteckt hatte. Die Täter durchsuchten das Schlafzimmer nach Wertgegenständen und wurden fündig: Sie fanden 1000 Euro Bargeld und einen versteckten Tresor, der in einer Wand eingemauert war. Als die Räuber versuchten, der Witwe die Zahlenkombination für den Tresor herauszulocken, blieb die Dame ebenfalls standhaft und verriet nichts. Somit mussten ihn die Männer in mühevoller Handarbeit mit Hammer und Meißel aus der Wand schlagen und nahmen ihn mit. Nach zwei Stunden – gegen 4 Uhr – flüchteten die Täter mit ihrer Beute. Der eigentliche Schatz steckte im Tresor: Schmuck im Wert von rund 100 000 Euro.

mar

Die Münchner Fälle bei XY

Fall Ursula Herrmann: Ursula Herrmann aus Eching wurde im September 1981 verschleppt und in einer Kiste im Wald vergraben. Wenig später ist die Zehnjährige tot. Laub war auf die Lüftung der Kiste gefallen, die Schülerin erstickte. Bei den Eltern gingen indes Erpresseranrufe ein. Fast drei Jahrzehnte später wird der Verdächtige Werner M. in Kappeln in Norddeutschland festgenommen. Er hatte ein Tonbandgerät in seinem Besitz, von dem die Anrufe abgespielt worden sein sollen. Werner M. wurde im März 2010 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall Brauneck: Am 25. November 2006 wurde eine Münchnerin (67) am Brauneck in eine Falle gelockt und anschließend vergewaltigt. Der Täter ließ das Opfer halbnackt an einen Baum gefesselt und geknebelt zurück. Dass die Frau damals überlebte und nicht erfror, hatte sie einem Zufall zu verdanken. Einem Jäger fiel bei einem Blick durch sein Fernglas ein roter Fleck im Unterholz auf – das Klebeband, mit dem die Bestie vom Brauneck die 67-jährige mundtot gemacht hatte. Der etwa 40- bis 45-jährige Mann konnte bislang noch nicht gefasst werden.

Fall Zimmermann: Die Münchnerin Luise Zimmermann war am 7. Juni 2009 von ihrer Wohnung in Neuperlach mit der S-Bahn nach Aying gefahren. Dort wollte sie an einem Volkswandertag teilnehmen. Sie konnte den Weg jedoch nicht zu Ende gehen. Irgendwo im Kaltenbrunner Schlag muss die 73-jährige Rentnerin ihrem Mörder begegnet sein. Er missbrauchte sie sexuell, zog ihr die Kleider aus und zündete sie an. Die Leiche ließ er mehrere hundert Meter abseits des Weges in einer Mulde liegen. Luise Zimmermanns Mörder ist bis heute nicht gefunden.

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