Der schwere Abschied von meiner Schwester

Hippie-Ikone Jutta Winkelmann ist todkrank

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Gisela Getty (l.) und ihre Schwester Jutta.

Drei Monate ist her – da machte Jutta Winkelmann ihren Krebs-Kampf öffentlich. Schonungslos schrie sie ihre Wut in einem Comic-Buch heraus, ihre Angst vor dem Tod. „Nein, ich will nicht sterben.“

München - Mittlerweile geht es der Schwabingerin so schlecht, dass sie nicht einmal mehr ihr Bett verlassen kann. „Meine Schwester nimmt Abschied. Sie ist jetzt in einer tiefen Meditation“, erklärt Gisela Getty im tz-Gespräch.

Fotografin Winkelmann: Ihr Krebs-Kampf in einem Comic

Der Kampf einer tapferen Frau geht zu Ende: Liebevoll kümmern sich die Angehörigen und Freunde um die Sterbende in deren Schwabinger Wohnung. „Ich bin hier sogar eingezogen“, sagt Schwester Gisela. „Das ist für Jutta besser als ein Palliativheim.“ Auch der langjährige Freund Rainer Langhans kommt täglich vorbei, um mit der 67-Jährigen zu meditieren. „Sie spricht nicht mehr viel, ihr Körper ist einfach zu schwach.“ Und dennoch hat sie noch wichtige Botschaften für ihre Liebsten. Sie habe so lange Angst gehabt, „über einen großen Graben zu springen“– nun habe sie dies getan. Und beim Blick zurück habe die Kranke bemerkt, dass es gar keinen Graben gab. „Sie legt ihre Angst vor dem Tod ab“, erklärt Gisela Getty. Ihr Körper verschwinde langsam, aber ihr Geist sei weiterhin wach.

Vor drei Jahren diagnostizierten die Ärzte Knochenkrebs bei der Schwabingerin. Eine Welt brach für die ganze Familie zusammen. „Ich dachte immer, das muss irgendwie ein großer Irrtum sein“, erzählte die Hippie-Ikone der tz noch vor wenigen Monaten. In den 60er-Jahren erlangte die Münchnerin mit ihrer Zwillingsschwester große Bekanntheit als Sex-Symbol. Berühmt wurde sie dann spätestens 1976, als sie mit Rainer Langhans den „Harem“ in München gründete.

Im November sorgte Jutta Winkelmann mit ihrem Krebs-Comic für Aufsehen. In dem Buch („Mein Leben ohne mich“, weissbooks-Verlag) berschreibt sie gnadenlos ihren körperlichen und geistigen Zustand: Wie sie auf allen Vieren zum Klo kriecht, wie sie Morphinpflaster benutzt, um die Schmerzen irgendwie aushalten zu können – und wie sie mit Gott hadert. „Mir war wichtig, ganz ehrlich zu sein. Nichts zu beschönigen“, erklärte sie – und fügte an: „Es ist ein Schrei, dass ich leben will.“ 

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