Hirntumor: Die Zeitbombe im Kopf

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In einer mehrstündigen komplizierten Operation an der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena wird am einem Patienten ein Hirntumor entfernt (Archivfoto).

München - Nach dem Tod von Wirtesohn Markus ­Roiderer, der an einem Hirntumor starb, spricht ein Experte. Die Patienten trifft es meist aus heiterem Himmel: Mit der Diagnose Hirntumor beginnt fast immer ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Ärzte kämpfen um ihre Patienten, um jedes Jahr, manche Kranke besiegen diesen Krebs sogar. Markus Roiderer (33) hat den Wettlauf verloren. Der Sohn des Wiesn-Wirts Toni Roiderer (66) und Juniorchef erlag am Samstag einem Hirntumor. Zwei Operationen und die Behandlung im Klinikum Großhadern konnten ihm nicht helfen.

In der tz erklärt einer der führenden Spezialisten die Krankheit. Prof. Bernhard Meyer leitet die Klinik für Neurochirurgie am Klinikum rechts der Isar und hat 6800 Menschen am Gehirn und am Rückenmark operiert.

Wie oft kommen Hirntumore überhaupt vor? Rund zehn bis 15 von 100 000 Menschen erkranken pro Jahr an einem Hirntumor – Mediziner nennen die Wucherung „Gliom“. Hochgerechnet auf die Stadt trifft die Diagnose im Jahr demnach 200 Münchner. Die Krankheit ist selten, bedeutet aber oft ein Todesurteil. Hirntumore gehören zu den zehn häufigsten Krebs-Todesursachen, Krebs wiederum stellt in der Altersgruppe zwischen 30 und 75 Jahren die häufigste Todesursache dar. Aber: So wie die Ärzte im Kampf gegen den Krebs immer mehr Boden gutmachen, so schaffen sie es auch immer häufiger, die Zeitbombe im Gehirn aufzuhalten oder gar ganz zu entschärfen.

Gibt es Risikofaktoren? Nein – weder im Verhalten noch in den Genen noch in der Umwelt. „Eine einzige Zelle spielt verrückt“, erklärt Prof. Meyer. So eine winzige Störung kann sich fortsetzen. Der Tumor wuchert.

Welche Symptome gibt es? Eines ist sicher: „Kopfschmerzen treten fast nie auf“, sagt der Tumor-Spezialist. Auch Schwindel sei sehr selten. „Es kommt viel häufiger vor, dass Menschen wegen einer anderen Ursache an Schwindel leiden, zum Arzt gehen und dann ein Hirntumor entdeckt wird.“ Das häufigste Symptom seien dagegen epileptische Anfälle aus heiterem Himmel. Auch könne es je nach Ort der Wucherung zu halbseitigen Lähmungen oder Sprachstörungen kommen. Möglich sind auch Veränderungen der Persönlichkeit: Gutmütige werden aggressiv, Lebensfrohe ziehen sich zurück – oder umgekehrt.

Wen treffen Hirntumore? Die Mediziner unterscheiden verschiedene Varianten nach der Art der befallenen Zelle und der Schwere der Erkrankung. Am häufigsten sind Astrozytome, die nach dem Stützgewebe der Hirnzellen benannt sind. Die gutartige Variante trifft vor allem Kinder, die auch noch eine Chance auf Heilung haben. Häufiger treten allerdings die bösartigen Hirntumore auf, an denen die meisten Patienten im Alter von etwa 60 Jahren erkranken. Es kommt nicht selten vor, dass Betroffene in jüngeren Jahren an gutartigeren Wucherungen leiden, die trotz Behandlung im Alter als bösartigere Tumore wiederkehren.

Wie sieht die Behandlung aus? Ist die Krankheit erst einmal per Kernspin, Positronen-Emissions-Tomographie oder einer Untersuchung des Gewebes per Biopsie diagnostiziert, kommen Operation, Chemotherapie und Bestrahlung in Betracht, meist eine Kombination daraus. Im Klinikum rechts der Isar trifft sich regelmäßig eine eigene Spezialisten-Runde – aus Neuro-Chirurgen, Onkologen, Neurologen, Neuro-Radiologen und Pathologen: Sie besprechen jeden einzelnen Fall.

David Costanzo

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