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Klimawandel auch in München: Wetter-Expertin zeigt das noch „beste Szenario“

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Von: Lucas Sauter-Orengo

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Das Klima verändert sich dramatisch. Überall auf der Welt kommt es zu Extrem-Ereignissen. Auch das München-Klima verändert sich. Ein Ausblick auf das, was der Landeshauptstadt bevorstehen könnte.

München - Südosteuropa, Südwesteuropa, die französische Mittelmeerküste - gerade im Sommer bringt man damit Urlaub und Erholung in Verbindung. Immerhin sehnt man sich in unseren Breiten nach Sonne, hohen Temperaturen und im besten Fall keinen Tropfen Regen. Doch noch in diesem Jahrhundert könnten die klimatischen Bedingungen dieser Regionen in München zur Normalität werden, und das hat einen Grund: Die Klimaerwärmung. Gudrun Mühlbacher, Leiterin des Regionalen Klimabüros München vom Deutschen Wetterdienst, macht es konkret: Alles, was vierhundert bis fünfhundert Kilometer südwestlich/südöstlich von München liegt, sei ein Beispiel dafür, wie sich das Klima in der Stadt noch in diesem Jahrhundert entwickeln könne.

Hitzewelle in München.
In der Zukunft soll es in München auf Grund des Klimawandels deutlich wärmer werden. © IMAGO / Heinz Gebhardt

Klimaerwärmung: Wetter-Expertin verrät, was München bevorstehen könnte

Das Wort „Klimakatastrophe“ vermeidet Mühlbacher bewusst, wenn es um die Veränderungen etwa in der bayerischen Landeshauptstadt geht. Katastrophen würden beispielsweise in Afrika oder jüngst Indien, wo massive Dürre unzählige Existenzen bedrohe, aktuell geschehen. Davon sei man hier noch nicht betroffen. Für die Meteorologin ist Kommunikation im Umgang mit der Erwärmung des Planeten von großer Bedeutung, Emotionalitäten und Übertreibungen seien da fehl am Platz - auch wenn die Fakten dramatisch seien. „Wichtig ist es, mit Fakten und Analysen Politik und Menschen zum Handeln zu bewegen, denn klar ist: Das Klima verändert sich in rasendem Tempo, so wie man es noch nie gesehen hat.“ Die Veränderungen zeigen sich auch in München - schon jetzt. Bis zum Jahr 2100 könnte die bayerische Landeshauptstadt gänzlich andere Bedingungen aufweisen; in vielerlei Hinsicht, wie deutlich mehr Hitzetage, Dürreperioden oder schneearme Winter.

Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst.
Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst. © Gudrun Mühlbacher

Klima und Wetter in München: „Berechnungen zeigen, dass Temperaturen weiter steigen werden“

„Unsere Berechnungen zeigen eindeutig, dass die Temperaturen in Zukunft weiter steigen werden,“ so Mühlbacher weiter. „Wir gehen davon aus, dass die Sommertage (ab Temperaturen von 25 Grad) bis 2041 um 30 bis 40 Prozent steigen werden.“ Und das ist noch das „beste Szenario“. Im schlimmsten Fall könne diese Zahl auf bis zu 70 Prozent ansteigen. Gegen Ende des Jahrhunderts seien die Zahlen laut Prognose noch höher. In München würde besonders das „eng bebaute“ Stadtgebiet betroffen sein. Auch Hitzetage (ab Temperaturen von 30 Grad) würden dann sehr viel öfter vorkommen. Doch was heißt das genau? Muss man in München in den kommenden Jahrzehnten regelmäßig mit Temperaturen um die 40 Grad im Sommer rechnen?

„Wir arbeiten in der Meteorologie mit Modellen. Man vergleicht Werte, Prognosen und berechnet dadurch einen Mittelwert,“ erklärt die DWD-Expertin weiter. 40 Grad seien in München in Zukunft „nicht unrealistisch“, man müsse „definitiv“ damit rechnen. Gerade für die schwächeren Gruppen in unserer Gesellschaft, wie Alte, Kranke oder Säuglinge, müsse man deshalb bereits jetzt Vorsorge unternehmen. Ganz allgemein müsse sich das Leben in der Stadt anpassen. „Frischluftschneisen“, wie sie in München bereits etwa durch den Perlacher Forst oder die Isar existieren, seien elementar bei der Kühlung einer Stadt.

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Klima in München: Mehr Tage mit Wärme und Hitze

Dicht bebaute, versiegelte Gegenden wie die Münchner Innenstadt seien dagegen für eine wärmere Zukunft ungeeignet, da sie sich bei ohnehin hohen Temperaturen verstärkt aufheizen. Auch körperlich anstrengende Arbeiten wie im Bau würden sich durch höhere Temperaturen anpassen müssen, so Mühlbacher. „Es wird mehr Tage mit Wärme und Hitzebelastung geben, das ist sicher“, so die Meteorologin weiter. In München profitiere man bereits vom sogenannten „Alpenpumpen“, also kühlerer Luft aus den Alpen, die in Richtung Norden die Landeshauptstadt durchquert und für einen kühlenden Effekt sorge. Neben natürlichen Komponenten, die zur Temperatur-Regulation beitragen, müsse jedoch der Mensch auch für einen angepassten Lebensstil sorgen.

Das Jahresmittel der Lufttemperatur im Münchner Stadtgebiet im Zeitraum von 1955-2018.
Das Jahresmittel der Lufttemperatur im Münchner Stadtgebiet im Zeitraum von 1955-2018. © Screenshot: Deutscher Wetterdienst

Denn schon jetzt sind in der Region historische Klimaereignisse zu beobachten. So war die Zugspitze Mitte Juni „schneefrei“ - so früh wie noch nie zuvor. Was machen derartige Fakten, Szenarien und Prognosen mit einer Expertin? „Ich bin Wissenschaftlerin, aber auch Mensch“, so Gudrun Mühlbacher. „Auf der einen Seite muss man mit Fakten arbeiten und informieren, auf der anderen Seite macht es durchaus etwas mit einem, zu sehen, wie der Planet sich in kürzester Zeit derartig erhitzt, und welche Konsequenzen das hat.“

Klimaveränderung in München: Schnee wird wohl zur Rarität

Nicht nur die Sommer werden in München also ohne jeden Zweifel dramatisch wärmer werden, auch der Schnee, der sonst so gerne im Winter vom Himmel auf die Frauenkirche fiel, dürfte in Zukunft zur Rarität werden. „Schneemodelle für die Langfrist sind schwer zu berechnen“, erklärt Mühlbacher, macht aber auch klar, dass etwa das Langlaufen an der Isar in diesem Jahrhundert wohl eher kein alltägliches Vergnügen werde.

Das Klima verändert sich. In rasendem Tempo, auch in München. Ob man seinen Urlaub also in Südwest-, Südosteuropa oder dem französischen Mittelmeer verbringt, es dürfte ein Vorgeschmack auf das sein, was in der Isar-Metropole meteorologisch noch in diesem Jahrhundert die Normalität sein könnte. Deshalb erklärt Mühlbacher: „Je schneller wir jetzt handeln, um die Klimaerwärmung zu bremsen, desto weniger werden wir in Zukunft unter ihr zu leiden haben.“

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