Ein Hoch auf Willy! Wirte-Original Heide wird 90

Willy Heide wird am Freitag 90 Jahre alt
+
Willy Heide wird am Freitag 90 Jahre alt

München - Jeden Tag geht Willy Heide in sein Büro, er sieht in Gaststube und Küche nach dem Rechten. Ans Aufhören denkt er auch mit 90 Jahren noch lange nicht. Seine Geschichte:

Das Licht der Welt, das Willy Heide am 30. Oktober 1919 erblickte, war die Lampe eines Wirtshauses: Im ersten Stock des Gasthauses Passauer Hof auf der Schwanthalerhöhe, einen Katzensprung von der Theresienwiese entfernt. Vater Georg fiel vor Schreck das Tablett mit den Tellern aus der Hand, als die Hebamme vor ihm stand und nur sagte: „A Bua is!“ Als er sich erholt hatte, spendierte er erst mal reichlich Freibier.

1931 kauften die Eltern, draußen vor der Stadt in Planegg, eine heruntergewirtschaftete Gaststätte und machten daraus mit schier unendlicher Schufterei die Heide Volm. Die Eltern waren fleißig, sie waren streng und sie schenkten Willy nichts. Als sie 1936 Wiesn-Wirte in der Bräurosl wurden, fing der Sohn vom Chef ganz unten an, als Tellerwäscher und Hendlsalzer. „So habe ich das Geschäft von der Pike auf gelernt“, erinnert er sich. Ebenso wie an die 30 Zentimeter Schnee, die es in der zweiten Woche seiner ersten Wiesn wegzuräumen galt.

Mit 20 Jahren wurde Willy Heide eingezogen, eine brutale Zeit begann. Russlandfeldzug, Flecktyphus, Ersatztruppenteil in Südfrankreich, vier Jahre Kriegsgefangenschaft in Libyen. Dort erreicht ihn über das Rote Kreuz eine Postkarte der Eltern: „Heide Volm in Trümmern, wir beide am Leben!“ Im Herbst 1948 kam er zurück, packte sofort an und noch im selben Jahr wurde die Heide Volm wiedereröffnet. 1949, bei der ersten Nachkriegswiesen, waren die Heides wieder dabei, allerdings noch mit einem improvisierten Zelt. Erst 1950 kam ein richtiges neues, das bis 2003 hielt. Seit 1952 als Ehefrau fest an Willys Seite: Seine Nachbarin Franziska, die er ausdauernd umworben hatte. „Ich bin ihr so lange nachgestiefelt, bis es geklappt hat“, erinnert er sich. Mit ihr und den Eltern macht er die Heide Volm zu einer Bühne für große Feste und zu einer Institution: Hier begeistern Hugo Strasser, Max Greger, Fred Bertelmann und Peter Kraus die Gäste.

Seit 1953 ist er auch offiziell Wiesn-Wirt, neben seinem Vater der 1971 stirbt und über den Heide voller Bewunderung spricht: „Er war immer mein Vorbild und immer mein Chef!“ Sprecher der Wiesn-Wirte wird er ebenso schnell wie überraschend, als 1984 Richard Süßmeier von der Wiesn fliegt. „Der Peter Gauweiler war sehr streng und mein Freund Richard war da nicht geschickt“, erklärt Heide den historischen Showdown zwischen Kreisverwaltungsreferent und Wirte-Napoleon.

1985 ereilt ihn „der schwerste Schicksalsschlag meines Lebens“: Seine Frau Fanny stirbt. „Beinah hätte ich alles hingeschmissen“, erzählt er und man spürt förmlich, wie sehr es ihn bewegt. Aber die Kleinen sind die Zähesten und so blieb Willy Heide („1,54 Meter – ohne Gamsbart“ – wie Richard Süßmeier, ebenfalls kein Riese, ihn beschreibt) seinem Wirtshaus und dem Oktoberfest treu und holt seinen Sohn Georg neben sich als Wiesn-Wirt.

Für seine Verdienste – auch außerhalb der Wiesn und der Gastronomiebranche erhält er zahlreiche und hohe Auszeichnungen: Das Bundesverdienstkreuz, den Bayerische Verdienstorden, die Plakette München leuchtet und die Ehrenbürgerschaft in seiner Heimatgemeinde Planegg. Sie erfüllen ihn mit berechtigtem Stolz. Zahlreich sind seine Ehrenämter, eines der wichtigsten ist die Präsidentschaft der Tierparkfreunde München, die er bis heute ausübt. „Viecherl liegen mir am Herzen“, sagt er. Zwei Giraffen, ein Orang-Utan, ein Schimpanse und ein Löwe sind in Hellabrunn seine Patenkinder. Und so wünscht er sich zum Geburtstag auch keine Geschenke, sondern Spenden an den Verein. Vor acht Jahren übergab er die Wiesn-Geschäfte an seinen Sohn Georg und Schwiegertochter Renate, der „Volm-Wirt“ ist er geblieben.

Jeden Tag geht er in sein Büro, er sieht in Gaststube und Küche nach dem Rechten. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. „Allein in der Wohnung würd ich doch narrisch werden“, sagt der „Mann ohne Alter“. Am Freitag ist in seinem Wirtshaus richtig viel los. Im großen Festsaal wird der 90. bei einem Frühschoppen gebührend gefeiert, mit 500 geladenen Gästen. So wie es sich für eine lebende Legende gehört. Auch die tz sagt: Herzlichen Glückwunsch Willy Heide!

Jossi Loibl

Auch interessant

Kommentare