Wenn die Lieblinge zur Last werden

Hochbetrieb im Tierheim: die traurigen Ferienopfer

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Judith Brettmeister vom Tierheim München päppelt mit ihren Kollegen die ausgesetzten Tiere wieder auf. Das Haus platzt zur Ferienzeit aus allen Nähten.

München - Was anfangs noch süß und knuffig unter dem Weihnachtsbaum saß, wird spätestens bei der Urlaubsplanung zum Problem. Immer mehr Vierbeiner werden am Straßenrand ausgesetzt, wer Glück hat, kommt immerhin ins Tierheim.

Wenn Herrchen und Frauchen in den Urlaub fahren, dann ist’s oft aus mit der Tierliebe: So mancher Vierbeiner wird am Straßenrand ausgesetzt - und die Tiere haben noch Glück, wenn sich Tierhalter die Zeit nehmen, ihre lästig gewordenen Lieblinge ins Tierheim zu bringen.

Wie jedes Jahr platzen in den Sommermonaten die bayerischen Tierauffangstationen aus allen Nähten. Das Münchner Tierheim hat in den Ferien mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 30 Prozent zu kämpfen. Laut Pressesprecherin Judith Brettmeister ist Entspannung so schnell nicht in Sicht: „Problematisch sind nicht nur die zahlreichen Neuankömmlinge. Hinzu kommt nämlich noch, dass während der Ferien so schlecht vermittelt werden kann. Alle sind im Urlaub, und kaum jemand holt sich jetzt ein Tier nach Hause“, erläutert Brettmeister.

Die Schicksale der verstoßenen Tiere ähneln sich. Was anfangs noch süß und knuffig unter dem Weihnachtsbaum saß, wird spätestens bei der Urlaubsplanung zum Problem. Wohin mit Miezi, wenn der Nachbar keine Lust hat, das Katzenklo zu säubern? Was tun, wenn Bello nicht mit ins Hotel darf? Die bequemste Lösung: das Tierheim.

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, dass man sein Tier abgeben  muss, rät Brettmeister : „Bevor man ein Tier kauft oder verschenkt, sollte man am besten eine Liste abarbeiten, auf der Punkte wie die Versorgung während des Urlaubs verzeichnet sind. Man muss bei der Anschaffung eines Tieres in die Zukunft planen. Tiere kann man nicht einfach wegwerfen, wenn sie stören.

Ergreifende Schicksale aus dem Münchner Tierheim (Tel. 089/921000-36) - SIE wurden einfach ausgesetzt:

Max: Wenn der kleine Max einen mit seinen traurigen Kulleraugen anschaut, dann bringt er Herzen zum Schmelzen: Der Rüde, der eine Mischung aus Pekinese und Thibet-Spaniel ist, wurde auf dem Margharetenplatz mitten in Sendling ausgesetzt. An einer Bank festgebunden wartete der kleine Mann brav auf die Rückkehr seines Besitzers - vergeblich. Jetzt muss er weiter warten - im Tierheim.

Boris: Da stand er stundenlang an einem Baum in Daglfing angebunden - bis er endlich von einemaufmerksamen Passanten befreit und ins Tierheim München gebracht wurde. Man kann sagen, dass Boris ein Mischling aus Husky und Hütehund, Glück im Unglück hatte. Wer aber ist so kaltherzig und setzt den süßen Kerl mit seinen eisblauen Augen einfach aus? Das kann und will man nicht verstehen.

Chicco: Wo bin ich nur? Die Angst ist Chicco an den Augen abzulesen. Der verschüchterte Kater saß mit Kater Pauli in einer Box, die vor ein paar Tagen vor dem Tierheim stand. Chicco ist sechs Jahre alt und kastriert und für ihn wäre es toll, wenn er Katzenfreunde fände, die ihn gemeinsam mit Pauli aufnehmen würden. Damit wenigstens der starke Kumpel an seiner Seite bleibt.

Pauli: Wie kann man nur so einen prächtigen Kater wie Pauli aussetzen? Der arme Kerl saß gemeinsam mit Chicco in einerTransportbox, die Unbekannte vor ein paar Tagen einfach vor dem Tierheim abstellten. Immerhin hing ein Zettel dran: So weiß man, dass der schwarz-weiß-gefleckte Pauli sechs Jahre alt und kastriert ist.

jim

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