Angeklagter vor Gericht

Hochstapler: Opfer der Finanzkrise

München - Ein 53-jähriger Mann hat Investoren an der Nase herumgeführt. Nun stand er wegen Betrugs und Hochstapelei vor einem Münchner Gericht - und verkaufte sich als Opfer der Finanzkrise.

Für den Staatsanwalt ist der Mann schlicht ein Hochstapler, der sich als Investor mit einem Jahresbudget von 500 Millionen Euro ausgab. nd bei Interessenten erst mal Vorkasse machte.

Der Angeklagte selbst präsentierte sich vor dem Münchner Landgericht am Donnerstag als Opfer der Finanzkrise. „Die Not war groß“, sagte der 55-Jährige und gestand Betrügereien mit einem Schaden von rund 130 000 Euro im Jahr 2010.

Der in der Anklage festgehaltene Sachverhalt „trifft objektiv und subjektiv zu“, erklärte die Verteidigung zum Auftakt des Prozesses. Der Angeklagte war im Raum München als Direktor eines Unternehmens für Projekt-Management mit Sitz in Wien aufgetreten und prahlte gegenüber Geschäftsleuten auf der Suche nach Investoren mit angeblichen Kontakten zum Eigentümer der Fluglinie Ryan Air und zu ukrainischen Oligarchen.

Auf diese Weise gewann er fünf Interessenten zum Abschluss von Investitionsvorverträgen für ihre Vorhaben, darunter ein Golf-Projekt für 116 Millionen Euro. In diesem Fall ließ er sich erst einmal angebliche Kosten für die Prüfung des Projekts ersetzen. In anderen Fällen kassierte er für Bankspesen, Anwalts- und Treuhänderkosten. Dann wieder erlangte er ein Darlehen mit dem Märchen, sein Privatvermögen sei vorübergehend gebunden. Rund 75 000 Euro bekam er als Einlage für eine angebliche Projektgesellschaft. Jetzt hofft der Angeklagte, „dass ich meine Probleme mit dem Staatsanwalt klären kann“. Der Prozess dauert an.

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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