Etliche Tote, riesige Verwüstung

Große Fragezeichen nach verheerenden Hochwassern: Wie zuverlässig ist Bayerns Katastrophen-Warnsystem?

Ein Baumstamm wird bei Unwetter und Hochwasser in Bayern im Berchtesgadener Land aus dem Wasser geholt.
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Ein Baumstamm wird bei Unwetter und Hochwasser in Bayern im Berchtesgadener Land aus dem Wasser geholt.

Die Fluten in Deutschland waren verheerend. Kritiker bemängeln nun, dass die Menschen zu wenig gewarnt worden seien. Doch wie zuverlässig warnen Bayerns Behörden bei Katastrophen?

München - Über hundert Tote, weggespülte Häuser, zerstörte Ortsteile. Die Sturzfluten hinterließen in Deutschland ein Bild der Verwüstung. Besonders wüteten die Sturzfluten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Doch auch in Bayern ist die Lage teilweise dramatisch. So zerstörten die Wassermassen etwa im Landkreis Berchtesgaden Häuser und Straßen, doch auch in Garmisch-Partenkirchen und Passau war die Lage bedrohlich. Selbst in München stieg der Isar-Pegel rasch an, die Wassermassen überfluteten teilweise die unmittelbare Umgebung des Flusses. Die verheerenden Ausmaße werfen nun die Frage auf, weshalb die Bürger in den betroffenen Regionen nicht eindringlicher gewarnt wurden. Doch wie alarmiert der Freistaat Bayern in einem solchen Fall und was sind die Probleme dabei?

Nach Sturzfluten in Deutschland: Wie zuverlässig warnt Bayern bei Katastrophen?

Um Informationen vor drohenden Gefahren an Menschen zu übermitteln, greift Bayern auf mehrere Standbeine zurück. Dazu gehören die klassischen Wege der Rundfunkwarnung und Sirenen. Bei der Warnung über Radio- und Fernsehsender könnten auch gleich Verhaltenshinweise übermittelt werden, informiert das Innenministerium in München über einen Vorteil des Systems. Die Sirenen sollen die Menschen insbesondere dazu animieren, sich aus den Medien über die Details zu informieren. Da mittlerweile in einigen Gegenden kein Sirenensystem mehr vorhanden ist, fahren dort dann die Feuerwehr und die Polizei durch die Straßen und warnen per Lautsprecher. Dazu kommen auch Smartphone-Apps, die in Gefährdungslagen Alarm schlagen.

Katastrophen-Alarm in Bayern: Wurden Menschen zu spät gewarnt?

Die App Nina wird dafür vom Bund betrieben, um über Katastrophen und andere bedrohliche Ereignisse wie Großbrände mit starker Rauchentwicklung zu informieren. Die App Katwarn der Fraunhofer-Gesellschaft funktioniert ähnlich, der Deutsche Wetterdienst bietet die App Warnwetter an. Ein Vorteil der Handy-Systeme ist, dass auch Gehörlose mittels Vibrationsalarm gewarnt werden können. Die klassischen Warnsignale wie über Sirenen sind jedoch nicht zuverlässig. Im vergangenen Jahr 2020 hatte der „Warntag“ viele Schwächen aufgezeigt. Aufgrund technischer Probleme wurden Warnungen nicht oder zu spät auf die mobilen Telefone übermittelt. Mancherorts warteten die Menschen vergeblich auf Sirenengeheul, mitunter weil viele Sirenen längst abgebaut sind, beispielsweise in München. Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm als „fehlgeschlagen“.

Flut-Drama in Deutschland: „Erhebliches Systemversagen“ - Geteilte Meinungen nach Tragödien

Doch hätten die Menschen in den von den jüngsten Naturkatastrophen betroffenen Gebieten früher gewarnt werden können? Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Theurer, sieht ein „erheblichen Systemversagen“ beim Bevölkerungsschutz. Doch andere sind zurückhaltender. So teilt der Bürgermeister vom niederbayerischen Simbach am Inn, das vor fünf Jahren von einer Flut verwüstet worden war, die harte Kritik nicht. „Ich denke nicht, dass der Katastrophenschutz versagt hat“, meint Rathauschef Klaus Schmid (CSU). „Es ist eine sehr, sehr schwierige Sache, die Warnungen zeitgerecht hinzubekommen.“ Solche unwetterbedingten Fluten kämen sehr kurzfristig, gibt Schmid zu bedenken. Allerdings will auch Simbach das Warnsystem weiter verbessern und setzt dabei auf die altbekannte Sirene. Die damals nach der Überschwemmung beantragten Geräte sollten nun bald zur Verfügung stehen, sagt der Bürgermeister. Auch der Katastrophenschutz und der DWD haben sich geäußert, wie Sie in unserem tz.de-Ticker zur Flut-Katastrophe nachlesen können.

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