Die Hölle nach der Vergewaltigung

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Engagierte Kämpfer (v.l.n.r.): Luisa Francia (Frauenrechtlerin), Ingrid Reich (Initiatorin), Orith Gahtan-Ertl (Frauennotruf), Ignaz Raab (Polizei), Simone Ortner (Frauennotruf), Christine Schäfer (Oberstaatsanwältin), Elisabeht Mützel (Ärztin), Claudia Meng (Anwältin)

München - Auf dem Nachhauseweg wurde Sonja M. (Name geändert) von einem Fremden von hinten angegriffen, mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Nun will sie anderen Opfern Mut machen.

„Hätte ich es verhindern können?“ Diese Frage stellt sich Sonja M. (Name geändert) immer wieder. Auf ihrem Nachhauseweg wurde sie vor vier Jahren im Münchner Westen von einem Fremden von hinten angegriffen, mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Mit dieser schlimmen Erfahrung ist sie nicht alleine: Jede siebte Frau erlebt mindestens einmal eine Vergewaltigung oder schwere sexuelle Nötigung. Doch Sonja M. hatte Mut. Sie hat ihren Peiniger angezeigt. Zusammen mit dem Frauennotruf sprach sie am Dienstag zum Thema „Vergewaltigt – was kommt dann?“. Sie will helfen. Zeigen, welche Möglichkeiten Frauen haben, die Opfer eines Übergriffs wurden. Sonja macht Mut: „Ich würde immer wieder die Polizei alamieren.“

In München liegt die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen pro Jahr bei 200. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 7724 Fälle gemeldet. Doch das ist die Minderheit. Die Dunkelziffer sexueller Übergriffe liegt weit höher, wohl bei 80 000 Fällen.

Zahlen, nur Zahlen. Aber jeder einzelne Fall ist ein Drama. So wie bei Sonja, als sie 2007 auf dem Nachhauseweg von einer Feier ist. Es sind nur noch 100 Meter zur Haustür, als sie ein Messer am Hals spürt. Ein Fremder zieht sie ins Gebüsch und vergewaltigt sie. Geschockt schleppt sie sich nach Hause. Ruft eine Freundin an. Später wählt sie die Nummer der Polizei. „Sie haben mich in dieser Nacht sehr unterstützt.“ Trotzdem sagt sie: „Ich hätte aber gleich die Polizei alarmieren sollen.“ Vielleicht hätten sie den Täter dann in der selben Nacht geschnappt. Oberstaatsanwältin Christine Schäfer erklärt, dass auch der Vertraute später als Zeuge im Prozess wichtig sei.

Wer Opfer eines Verbrechens wird, ist laut Frauennotruf nicht allein. Beratungsstellen wie der Frauennotruf, die Polizei oder ein Arzt können helfen. Dies will auch die Notambulanz in der Nußbaumstraße 26 tun. Hier können Frauen untersucht und Beweise für eine spätere Gerichtsverhandlung gesichert werden – und das kostenlos. Dr. Elisabeth Mützel, die die Not­ambulanz für Gewaltopfer am Institut für Rechtsmedizin der Uni München iniitierte, erklärt: „Auch wenn die Frauen nicht wissen, ob sie Anzeige erstatten, ist es wichtig, Spuren zu sichern.“ Kriminalhauptkommissar Ignaz Raab betont, es sei wichtig, über das Geschehene zu sprechen.Der Frauennotruf sei eine Anlaufstelle für die Opfer. Rund um die Uhr kann man sich unter der Nummer 0 89/76 37 37 melden.

Sonja M.s Peiniger wurde ein Jahr nach der Tat zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. „Seitdem ist die Angst weg“, sagt Sonja M.

Andrea Guggenberger

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