Prozess-Auftakt in München

Hoeneß-Erpresser: Das stand im Brief von Mister X

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Erpresser Thomas S. (51) gestern vor dem Landgericht: Er räumte alle Vorwürfe ein.

München - Prozessauftakt gegen den Erpresser von Uli Hoeneß (62)! Am Montag räumte Thomas S. (51) ein, den Ex-Bayern-Boss im Mai mit einem Brief bedroht zu haben.

  „Ich war persönlich und finanziell angeschlagen und in einem desolaten Zustand“, sagte er. Die tz erklärt, was in dem Schreiben stand und wie die Erpressung ablief. Heute fällt das Urteil – Thomas S. muss wohl für fünf Jahre in den Knast.

Andreas Thieme

Seine Erklärung ist kaum zu glauben. „Ich hatte mich über das Urteil im Steuerprozess gehen Uli Hoeneß geärgert“, sagt Thomas S. (51). „Dreieinhalb Jahre? Das war nicht gerecht. Ich saß sechs Jahre wegen eines Betrugs über 220 000 Euro. Und Hoeneß hatte Millionen hinterzogen.“ Deshalb versuchte S. den Ex-Bayern-Boss mit einem Drohbrief zu erpressen! Der gelernte Maschinenbauer forderte 215 000 Euro und unterschrieb mit Mister X. Am Montag sein spektakuläres Geständnis vor Gericht!

„Ich hatte 300.000 Euro Schulden und war verzweifelt“, sagt Thomas S., der elf Vorstrafen auf dem Kerbholz hat. Für einen Lottoladen nimmt er im Februar 2013 hohe Kredite auf, verdiente aber kaum etwas. Ein Jahr später ist er pleite. „Eine Pfändung brach mir geschäftlich das Genick.“ Selbst seine Krankenversicherung kann der Diabetiker nicht mehr bezahlen – und braucht dringend Geld.

Die Idee mit dem Brief an Hoeneß sei ihm spontan gekommen. „Die Summe war willkürlich gewählt“, sagt er. „Ich habe nie damit gerechnet, tatsächlich Geld zu erhalten. Für mich war die ganze Aktion wie die Abgabe eines Lottoscheins.“ An seinem Schreibtisch habe er den Drohbrief in zwei Stunden am Computer geschrieben. Den Drucker entsorgt er danach im Keller.

„Ich wollte Hoeneß unter Druck setzen. Er sollte denken, dass ich großen Einfluss habe.“ Tatsächlich räumt S. ein, dass er gar keine Kontakte in den Knast hat. Im Gegenteil: Er wurde fertig gemacht. „Mir wurden Drogen untergejubelt.“

Erpressungsopfer Uli Hoeneß.

Bei der Geld-Übergabe am 10. Mai 2013 stellt sich Mister X dann saublöd an. Mit dem Radl fährt er abends zur Bushaltestelle Leutstettener Straße – dort sollte Hoeneß, der der Polizei seinen schwarzen Audi A8 für die fingierte Übergabe lieh, das Geld in Bündeln im Mülleimer deponieren. „Nur aus Neugier habe ich tatsächlich nachgesehen, ob etwas drin liegt.“ Laut Polizei nimmt S. eine rote Plastiktüte mit und flieht – darin war aber kein echtes Geld. Beamte überwältigen ihn in der Aidenbachstraße. Beim Sturz bricht sich S. das Schlüsselbein. Er muss in die Klinik, gesteht später die Erpressung im Streifenwagen.

Per Brief hat sich Thomas S. entschuldigt. „Ich war unfair und verantwortungslos. Ich habe Ihnen großes Leid angetan“, schrieb er an die Familie Hoeneß. Er erhielt keine Antwort. Der Polizei sagte Uli Hoeneß: „Ich kann diese Entschuldigung nicht annehmen.“

Das stand im Erpresserbrief

Sehr geehrter Herr Hoeneß,

es ist langsam so weit, Sie werden sehr bald den Ladungsantritt erhalten (…). In den ersten Tagen werden Sie in ein Loch fallen. (…) Sie werden sich sehr oft alleine fühlen. Sie werden Geschichten erzählt bekommen, die lustig sind. Oder solche, die sich in Ihr Gemüt einbrennen werden. (…) Ich empfehle Ihnen, von zu Hause einen Fernseher mitzubringen. (…) Sie sind sehr ungeduldig, das sollten Sie dringlichst in den Griff bekommen. Es wird Ihnen an die Substanz gehen, so viel warten zu müssen. Ihr Promibonus wird es Ihnen ermöglichen, das ein oder andere Telefonat führen zu dürfen. Sie sehen, dass ich leider eine gewisse Erfahrung habe. (…) Es fällt Ihnen sicherlich nicht schwer, sich von 215 000 Euro zu trennen. Das ist eine einmalige Zahlung. Ich denke, Sie wollen Schaden von Ihrer Familie abwenden. Ich muss einen kranken Menschen pflegen und bin selbst bedürftig. Ich wünsche Ihnen und mir alles Gute. Vernichten Sie diesen Brief. Mister X.

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