Erpresser verbreitete Schrecken

Hoeneß: So groß war die Angst um seine Familie

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Uli Hoeneß.

München - Wie schwer die Zeit vor seinem Haftantritt für Uli Hoeneß (62) wirklich gewesen ist, konnte man bisher nur erahnen. Das Urteil wegen Steuerhinterziehung, seine niedergelegten Ämter beim FC Bayern, der drohende Knastantritt – und der Abschied von seiner Familie:

All das nagte an ihm. Umso härter traf Hoeneß, dass er im Mai auch von Thomas S. (51) erpresst wurde. Vor Gericht wurde erstmals klar, wie schlecht es der Familie Hoeneß wirklich ging!

Ehefrau Susi war es, die den Erpresser-Brief am Samstag, den 10. Mai, zuerst las. „Die Post wurde von Bruno Kovacevic, dem Fahrer meines Mannes, entgegen genommen und in die Küche gelegt. Ich habe eine Kopie gemacht und es gleich der Polizei in Bad Wiessee übergeben. Meinen Mann habe ich erst später informiert“, gab sie bei zu Protokoll. „Sie hat das Schreiben ernst genommen und sich sehr bedroht gefühlt“, sagte ein Beamter im Zeugenstand. Ihm berichtete Susi Hoeneß auch über gesundheitliche Probleme. „Ich war mir aber nicht sicher, ob sie mehr unter dem Brief oder wegen ihres Mannes leidet.“

Auch Uli Hoeneß ging es gesundheitlich schlecht, berichtet der Polizist. „Er litt an Schlafstörungen und fühlte sich sehr belastet durch die bevorstehende Haft.“ Denn auch Hoeneß nahm den Erpresserbrief ernst: „Das Schreiben hat mich sehr beunruhigt. Der Ersteller wusste im Detail, wie es im Gefängnis zugeht. Ich konnte nicht einschätzen, welchen Einfluss er hat und war ohnehin belastet durch meinen eigenen Haftantritt“, sagte Hoeneß.

Selbst in diesem Moment dachte er aber an seine Familie – denn Thomas S. drohte auch Frau und Kindern. „Ich habe Angst um meine Familie. Wenn ich nicht mehr da bin, kann ich für sie keinen Schutz gewährleisten. Ich kann nichts tun, wenn ihnen etwas zustößt“, sagte Hoeneß der Polizei. Der Beamte vor Gericht: „Wenn man Herrn Hoeneß aus den Medien als sehr dominante Person kannte, dann konnte man schon sehen, dass ihm diese Situation sehr nahe gegangen ist.“

Auch die Geldforderung wurde in der Vernehmung angesprochen. Hoeneß wollte nicht bezahlen und sagte: „Ich war finanziell durch meine Steuerschuld schwer belastet und konnte nicht sagen, ob ich in der Lage gewesen wäre, den Betrag zu bezahlen.“

Weil der Erpresser alles gestand, müssen weder Hoeneß noch seine Frau im Prozess aussagen. Seine Tage in der JVA Landsberg sind derweil gezählt. Weihnachten und Silvester darf er daheim verbringen, im Januar wechselt er ins Freigängerhaus Rothenfeld und arbeitet in der Jugendabteilung des FC Bayern.

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