„Das war ein enormes Projekt“

Hoeneß-Prozess: Er sorgte für Ulis Sicherheit

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Hier entlang, bitte: Wachtmeister Uwe Vater zeigt den Abgang zu den 30 Zellen im Strafjustizzentrum. 

Service und Sicherheit: Justizwachtmeister leisten mehr, als man denkt. Am Samstag hat der Landesverband 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Der Vorsitzende Uwe Vater (49) gibt Einblicke in seinen spannenden Beruf.

München - Tagelang hatte er sich um den Aufbau gekümmert, das Personal eingeteilt und wichtige Absprachen mit der Polizei getroffen. Danach schaute das ganze Land auf den Münchner Justizpalast, als der Steuer-Prozess gegen Uli Hoeneß (66) begann.

Ohne Uwe Vater (49) wäre das gar nicht möglich gewesen: Er hatte im Hintergrund für die Organisation und die Sicherheit gesorgt – teilweise bis nachts. „Das war ein enormes Projekt“, sagt Vater, der Erster Vorsitzender des Bayerischen Justizwachtmeister-Verbandes ist. Am Samstag feierte er mit seinen Kollegen das 40-jährige Verbands-Jubiläum.

Insgesamt 1200 Justiz-wachtmeister gibt es in Bayern, etwa 450 davon im Regierungsbezirk des Münchner Oberlandesgerichts, 260 sind es am Standort München – die Hälfte arbeitet am Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße. Es ist ein Job zwischen Service und Sicherheit. Während einige Wachtmeister mit Pistole und Schutzweste an der ­Sicherheitsschleuse stehen, verwalten andere die Post mit bis zu 500 Briefen am Tag (siehe Text unten).

Alltag heißt für Justizwachtmeister: Mörder, Vergewaltiger und Diebe zum Gerichtssaal bringen

Justizwachtmeister im Einsatz: Uwe Vater (49, Mitte) mit seinen Kollegen an der Sicherheitsschleuse im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße. 

„Uns ist stark dran gelegen, dass der Bürger merkt, dass er willkommen ist“, sagt Uwe Vater, der seit 13 Jahren Justizwachtmeister ist. An der Pforte sehen seine Kollegen oft abschreckend aus – damit niemand auf dumme Gedanken kommt. Tatsächlich sollen die Justizwachtmeister Besuchern aber helfen. „Die offene Haltung ist uns wichtig.“

Schlagstock und Handschellen kommen nur im Notfall zum Einsatz. Etwa, wenn Angeklagte in einem Strafprozess flüchten wollen. „Eine Frau hatte mal schwersten Widerstand geleistet, sechs Beamte mussten eingreifen“, erinnert sich Vater an seinen heftigsten Fall. Im Alltag komme das nur selten vor. Alltag heißt für Justizwachtmeister aber auch: Mörder, Vergewaltiger und Diebe zum Gerichtssaal bringen und sie im Strafprozess bewachen. Furchtlos und mit höchster Konzentration.

Uli Hoeneß: Die Anklageschrift im Wortlaut

Justizminister Bausback: „Ihre Leistungen verdienen größten Respekt und Anerkennung“

30 Verwahrzellen hat das Strafjustizzentrum. Hierhin werden Gefangene morgens aus der JVA Stadelheim gebracht, wenn ihr Prozess verhandelt wird oder sie dem Haftrichter vorgeführt werden. Das meiste Personal binden sogenannte Staatsschutz-Prozesse: „Acht bis 30 Beamte sind dann im Einsatz“, sagt Uwe Vater, der auch Kollegen für den Einsatz im NSU-Prozess schulte. „Diese Prozesse sind von der Sicherheit her sehr anspruchsvoll.“ Etwa, wenn das Gericht gegen Terroristen wie ehemalige IS-Kämpfer verhandelt – oder gegen Beate Zschäpe (43), die seit Mai 2013 am Oberlandesgericht angeklagt ist. Bis zu zehn Staatsschutzprozesse laufen parallel.

Am Samstag bedankte sich Justizminister Winfried Bausback: „Sie leisten jeden Tag für die bayerische Justiz hervorragende Arbeit. Für uns alle – Bürger, Richter, Staatsanwälte, Verfahrensbeteiligte, Bedienstete – ist es ein gutes und ein beruhigendes Gefühl, dass es Sie gibt. Ihre Leistungen verdienen größten Respekt und Anerkennung.“

Der Wachtmeister-Alltag

Auch Materialverwaltung und Post gehören zu den Aufgaben der Justizwachtmeister.

Sicherheit ist das eine, aber auch Materialverwaltung und Post gehören zu den Aufgaben der Justizwachtmeister. Am Münchner Strafjustizzentrum bearbeiten vier Beamte die rund 50 Pakete und 500 Briefe, die täglich ankommen. Zusätzlich bringen sie ganze ­Aktenberge mit Rollwägen zu den Gerichtssälen – ­etwa in aufwendigen Mordprozessen. 

Damit die ­Justizwachtmeister fit bleiben, schickt Leiter Alfred Schuster (56) sie regelmäßig zum dienstlichen Sport. „Es gibt ein festes Programm. Wir üben auch das Einsatztraining und waffenlosen Kampf“, sagt Verbandsvorsitzender Uwe Vater.

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