Rentner (79) muss in den Knast

Hoeneß-Richter fällt nächstes Gnadenlos-Urteil

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Richter Rupert Heindl hatte kein Mitleid mit dem Angeklagten: Sekt-Händler Wolfgang Z. (79) hinterzog 1,18 Millionen Euro an Steuern.

München - Richter Rupert Heindl (47) kennt kein Pardon! Im Steuerhinterziehungs-Prozess gegen Wolfgang Z. (Name geändert) fällte der Hoeneß-Richter am Montag ein knüppelhartes Urteil:

Der greise Sekthändler aus Tutzing muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Dass dieser bereits 79 Jahre alt ist, spielte für Heindl keine Rolle: Wer den Staat um die Steuern prellt, den schickt er in den Knast. Ohne Gnade!

Bitter für Wolfgang Z.: Er ist schuldig der Steuerhinterziehung in 31 mehrheitlichen Fällen - und wird die nächsten Jahre nun auf italienischen Sekt verzichten müssen. Der Tutzinger hatte Hunderttausende von Schaumwein-Flaschen über vier Jahre nicht ordnungsgemäß versteuert. Der Schaden belief sich auf 1,18 Millionen Euro.

Im Laufe des Prozesses vor dem Landgericht München II lieferte der Sekt-Händler etliche Ausreden. Die spektakulärste war ein angeblich steuerfreies Zwischenlager in der Kistlerhofstraße. Dort sollen - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - Paletten voller alkoholischer Prickelbrause gelagert worden sein. Die Größe der Lagerstätte reichte tatsächlich aber niemals für solch riesige Mengen aus. Im Übrigen hatte der Lager-Verwalter, der die Schlüssel-Hoheit besaß, dort weder eine Flasche gesehen, noch einen regen Lieferverkehr wahrgenommen. Den hätte es aber aufgrund der Warenmenge in den Steuerbüchern geben müssen! Der Vorsitzende Rupert Heindl ging deshalb davon aus, dass der 79-Jährige den Schaumwein nach der Einfuhr sofort wieder verkauft hatte. Weil Wolfgang Z. stets nah an der Pleite war, verschwieg er dem Fiskus die Steuern.

„Hätten Sie die Ware angemeldet, wären Sie schon vor fünf Jahren zahlungsunfähig gewesen“, sagte Heindl. Bereits zu Prozessbeginn war er den Angeklagten hart angegangen und bezeichnete dessen kriminelle Machenschaften als „wirtschaftlichen Unsinn“ und rechnete seine Steuerschuld sogar noch höher als die der Anklagebehörde. In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Dominik Kieninger sogar drei Jahre Haft für Wolfgang Z. - trotz des fortgeschrittenen Alters des Tutzingers: „Der Angeklagte hat sehr planmäßig und sehr bewusst den Staat und jeden Steuerzahler missbraucht, so dass nichts strafmildernd ins Gewicht fällt“, sagte er. Von dieser Forderung wich Heindl am Ende nur geringfügig ab - und schickte Wolfgang Z. ohne mit der Wimper zu zucken ins Gefängnis.

Angela Walser, Andreas Thieme

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