Sekt-Händler Wolfgang Z. vor Gericht

Hoeneß-Richter Heindl schäumt vor Wut

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Richter Heindl fällt sein Urteil im Dezember.

München - Hoeneß-Richter Rupert Heindl kennt mit einem derzeit vor Gericht stehenden Tutzinger Unternehmer kein Erbarmen: Der Angeklagte soll 1,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben, das hat Heindl selber ausgerechnet.

Rupert Heindl (47) beugt sich vor, stützt den Oberkörper auf seine verschränkten Arme, dann wird er laut: „Ich lasse mich ungern mit Märchen abspeisen“, sagt der Richter zu Sekt-Händler Wolfgang Z. (79). „Irgendwann ist auch meine Geduld überstrapaziert.“

Wolfgang Z. (79, l.) vor Gericht.

Auf der Anklagebank sackt der Tutzinger Unternehmer immer weiter in sich zusammen. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, Steuern in Höhe von rund 800 000 Euro hinterzogen zu haben. Über Jahre soll er Sekt aus Italien eingeführt und an deutsche Supermärkte verkauft haben – einen Großteil der Ware verbuchte er aber als Lagerbestand, um weniger Steuern abführen zu müssen. Und verkaufte den Sekt wohl unter der Hand…

Bis zu 200 000 Flaschen wies Wolfgang Z. pro Jahr zusätzlich als Bestand aus – jeweils fein säuberlich aufgelistet im Steuerbuch. Obwohl sein Lager in der Kistlerhofstraße nur aus zwei kleinen Abteilen besteht, hegt das Finanzamt aber nie einen Verdacht. Zoll-Beamte staunen nicht schlecht, als sie ihm 2012 einen Besuch in Obersendling abstatten: Im Lager stehen nur alte Möbel. Dabei bunkerte Z. dort laut Steuerbuch zuletzt 1,6 Millionen Sektflaschen!

Rund 33 000 Kisten wären dafür nötig gewesen, rechnet Heindl vor – und wohl eine ganze Lagerhalle. „Sie haben das Finanzamt angelogen und sich selbst einen Kredit genehmigt“, wettert der Richter. „Was Sie gemacht haben, ist wirtschaftlicher Unsinn. Denn Sie hatten die Berechtigung, direkt zu liefern – da macht die Lagerbuchung gar keinen Sinn.“

Wolfgang Z. nickt bedröppelt. Aber Heindl lässt ihm keine Ruhe – er will eine Erklärung, wo die Sekt-Flaschen geblieben sind. „Sie wurden gestohlen. Bei mir im Lager wurde oft eingebrochen“, stammelt der Rentner. Da lächelt Heindl wissend: „Immerhin gab es den Bestand dann also. Nur haben Sie ihn nicht versteuert.“

Es ist ein ungleicher Kampf vor Gericht. Hier der greise Kaufmann: zwei Ehen in den Sand gesetzt, das Unternehmen hat er vom Vater, sein Anwalt spricht kaum ein Wort. Dort der dominante Richter – immer einen Gedanken voraus. Und Heindl lässt nicht locker: Er will, dass der Angeklagte seine Schuld eingesteht. „Unbewusst war mir der Fehler klar. Aber ich habe gehofft, dass ich meine Verluste aufholen kann“, sagt Z. Da schäumt Heindl vor Wut! „Wenn Sie jetzt sagen, Sie wussten nicht um Ihre Steuerpflicht, dann kriegen wir beide ein Problem miteinander“, raunzt er. Der Rentner zittert, wischt sich das Auge, bringt kaum ein Wort hervor. Da zitiert ihn Heindl vor das Richterpult und zeigt in seinem Ordner die genaue Auflistung der Steuer-Vergehen: „Hier stehen Ihre Einnahmen. Dort, was Sie hätten anmelden müssen. Und darunter der Steuerschaden.“

Typisch Heindl: Er rechnet jedes Detail selbst nach. Und sieht die Steuerschuld sogar noch höher als die Staatsanwaltschaft: Rund 1,2 Millionen Euro sollen es sein! Fatal für den Sekt-Händler: Denn für diese Summe muss Wolfgang Z. wahrscheinlich in den Knast – auch mit 79 Jahren.

Aber Heindl bleibt knallhart! Er fällt sein Urteil Mitte Dezember.

tz-Stichwort:

Schaumweinsteuer

Die Schaumweinsteuer zählt zu den Verbrauchsteuern. Neben Schaumwein gilt sie aber auch für andere Spirituosen wie Traubenmost, Apfelwein oder Met. Der Alkoholgehalt muss mindestens 1,2 und darf höchstens 15 Prozent betragen. Die Steuer wird durch die Bundeszollverwaltung bereits beim Hersteller, auf nachgelagerten Handelsstufen oder beim Einführer erhoben. Sie beträgt bei weniger als 6 Prozent Alkohol 0,38 Euro pro 0,75 Liter und darüber 1,02 Euro.

Andreas Thieme

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