Bayerns bärigster Exportschlager

So kommt das Hofbräu-Bier in die ganze Welt

+
Das Hofbräuhaus ist am Platzl daheim – doch es gibt es auch noch in acht weiteren Welt-Metropolen.

München - Nicht nur in München steht ein Hofbräuhaus, insgesamt gibt es neun Hofbräuhäuser auf der Welt. Aber wie kommt das Münchner Bier in die amerikanischen und chinesischen Krüge?

In München steht ein Hofbräuhaus – und eines in Shanghai, Dubai, Miami Beach, Las Vegas … Inklusive dem Original am Platzl in der Landeshauptstadt sind neun Hofbräuhäuser auf drei Kontinenten verteilt. In die Krüge kommt nur original HB-Bier, entweder als Import von der staatlichen Brauerei in München-Riem oder im Lizenzbrau-Verfahren vor Ort hergestellt. Die internationalen Hofbräuhäuser sind nicht so berühmt wie ihr Vorbild am Platzl, aber sehr beliebt. Wie geht’s zu in den Beer-Halls in Las Vegas, Dubai & Co.? Wie kommt das Münchner Bier in die amerikanischen und chinesischen Krüge?

Die tz erklärt’s:

Sogar ein extra Handbuch gibt es, in dem die Auflagen für Architektur und Einrichtung geschrieben stehen: Mindestens 900 Quadratmeter und 500 Plätze muss ein Hofbräuhaus groß sein. Die Stadt, in der es gebaut wird, muss eine Million Einwohner haben. Vom Boden bis zur Wandvertäfelung muss alles „echt bayerisch“ sein, auch Speisekarte und Musik sind vorgeschrieben.

Die Hofbräu-Brauerei ist stark ins Ausland orientiert. Fast die Hälfte des Gesamtabsatzes von 300 000 Hektolitern wird außerhalb Deutschlands getrunken. Tendenz steigend. Das erste internationale Hofbräuhaus stand 1902 in New York. Über 20 Jahre hielt es sich, bis es 1923 der Prohibition zum Opfer fiel. Wieder ein Hofbräuhaus in New York zu eröffnen, ist der Traum von Brauerei-Chef Michael Möller. Wären da nicht die horrenden Immobilien-Preise. „Derzeit haben wir nichts in Aussicht“, sagt Brauerei-Sprecher Stefan Hempl.

Das Lieblings-Bier der Deutschen

Das Lieblings-Bier der Deutschen
Bier ist der Deutschen liebstes alkoholisches Getränk. Aber welche Marke? Das Branchenmagazin INSIDE hat die meistgetrunkenen Biermarken Deutschlands 2008 (nach Verkäufen inkl. Mischgetränken) ermittelt. Auf Platz 1 ist dabei nicht etwa eine der bekannten Marke wie Beck's oder Bitburger gelandet. Die meistgetrunkene Marke verzichtet auf Werbeoffensiven. Sehen Sie hier die Top Ten. © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 10: Sternburg © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 1,64 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 9: Radeberger © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 1,79 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 8: Paulaner © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 2,17 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 7: Veltins © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 2,56 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 6: Hasseröder © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 2,63 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 5: Beck's © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 2,93 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 4: Warsteiner © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 2,98 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 3: Bitburger © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 3,86 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 2: Krombacher © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
(2008 verkauft: 5,45 Millionen Hektoliter Bier) © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Platz 1: Oettinger © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Das Billigbier ist auf Platz 1! Die bayerische Privatbrauerei Oettinger setzte 2008 nach Informationen des Branchenmagazins INSIDE 6,6 Millionen Hektoliter ihrer Stammmarke ab. © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Prost! © dpa
Das Lieblings-Bier der Deutschen
Das Lieblings-Bier der Deutschen © dpa

Als staatliche Brauerei darf HB kein Risiko eingehen: Sämtliche Kosten muss der Investor tragen – plus die Lizenzgebühr für das Verwenden des Markennamens.

Exportschlager Bavaria: „Jedes Kind in den USA kennt das Hofbräuhaus“, sagt HB-Export-Manager Rudolf Seider. Und die Amis verzehren Schmankerl gern in wilden Kombinationen: Weißwürste mit Sauerkraut – oder auch gerne vom Grill. Der Top-Seller sind „Pretzel“ (Brezn), die aus Deutschland importiert und vor Ort gebacken werden. Bayerisch ist „in“ – darum verkehren in den amerikanischen HB-Häusern auch viele junge Leute. Abends ist Party angesagt, wie auf einer „Mini-Wiesn“. Die Kapellen spielen alles von Blasmusik bis zu Hey Baby, und Country Roads. Fünf Hofbräuhäuser bzw. Beerhalls gibt es in den USA – und auch in China entdecken immer mehr Einheimische ihre Liebe zur bayerischen Lebensart.

Simone Herzner

Lizenzbrau

Die Braumeister in Amerika oder China werden von Hofbräu in München zirka vier Wochen geschult. Das Bier wird dann vor Ort nach HB-Rezept gebraut. Hefe und Hopfen werden aus Deutschland importiert, Malz kommt aus Deutschland oder Australien. Ein großer Aufwand – trotzdem ist der Direkt­import aus München vier bis fünf Mal so teuer wie der Lizenzbrau.

Direktimport

Das Bier wird in 30 oder 50 Liter großen Stahlfässern befördert. Der Transport eines Fässer-Containers nach Asien kostete 2009 teils unter 1000 Euro, im Moment liegt der Preis bei über 2000 Euro. Und: Der Rücktransport der leeren Fässer ist sogar teurer als der Import! Hofbräu verkauft das Bier ab Brauerei in München-Riem, der Importeur kümmert sich um alles andere und kommt für sämtliche Kosten auf. In manchen Ländern sind die Zölle extrem hoch, in Thailand zum Beispiel 240 Prozent.

Das Bier geht auf Reise

Die Fässer werden am Containerbahnhof in Feldkirchen in die Container geladen und zu den Häfen von Hamburg, Bremen oder Rotterdam gebracht. Von dort geht’s mit dem Schiff zum Zielhafen und weiter mit dem Lkw oder Zug zum Hofbräuhaus. Der Transport nach Dubai dauert zwei bis drei Wochen, nach China ist das Bier vier bis fünf Wochen und in die USA vier bis sechs Wochen unterwegs.

Neun Wirtshäuser auf drei Kontinenten

Hofbräuhaus Dubai: Eröffnung 1998, 120 Plätze in der Schwemme, 70 im Indoor-Biergarten, Bier: Direktimport, Mass: 16 Euro. Schlachtschüssel mit Schweinshaxe, Schweinebauch & Leberkäse (26,50 €) oder Königsberger Klopse für 20,50 €. Beschreibung: Dem Aussehen nach geht das Hofbräuhaus in Dubai als typisches Münchner Lokal durch. Es ist im Marriott-Hotel untergebracht. Schweinefleisch wird in einer speraten Küche zubereitet. Die Gäste sind großteils Einheimische. Viele Stammtische, Masskrug-Safe.

Hofbräuhaus Newport: Eröffnung 2003, 700 Plätze, davon 300 im Biergarten, Bier: Lizenzbrau vor Ort, Mass: rund 7 Euro. Beliebte Speisen: Oktoberfest-Schweinhaxe (14,50 €) oder „Sauerkraut Balls“ (frittierte Sauerkraut-Bällchen mit Corned Beef und süßem Senf; 6 €). Beschreibung: Das erste Hofbräuhaus in den USA. Eingerichtet mit langen Tischen und Bänken und kupfernem Sudkessel.

Hofbräuhaus Las Vegas: Eröffnung 2004, 500 Plätze in der Schwemme, 300 im Indoor-Biergarten, Bier: Direktimport, Mass: rund 9,50 Euro. Beliebte Speisen: Grillhendl mit Kartoffelsalat (12 €), Schweinebraten mit Knödel für rund 13,50 €. Beschreibung: Nachbildung des Original-Hofbräuhauses – alles vom Dachziegel bis zum Stuhl ist alles aus Deutschland importiert. Im Indoor-Biergarten steht ein Löwenbrunnen wie in München. Wirt Stefan Gastager ist ein Urbayer, Küchenchef ist Franz Krondorfer, der früher in der Kantine im Bayerischen Landtag gekocht hat. Promis wie Pam Anderson, Siegfried & Roy oder David Hasselhoff zapfen einmal im Monat ein Fass an. Motto: Every day is Oktoberfest!

Hofbräuhaus Pittsburgh: Eröffnung 2009, 900 Plätze, davon 300 im Biergarten, Bier: Mischung aus Direktimport und Lizenbrau vor Ort, Mass: 7 Euro. Beliebte Speisen: Münchner Mettwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree (8,50 €) oder Schmankerlplatte mit Schweinebraten, Kotelette, drei Sorten „Wursts“ für 22 € (zwei Personen) Beschreibung: Das Hofbräuhaus Pittsburgh wurde im April 2009 in einer umgebauten Stahlfabrik eröffnet. Am Premierentag haben die Gäste drei Stunden auf Einlass gewartet.

Hofbräuhaus Jiangyin: Eröffnung 2003, 500 Plätze, davon 100 auf der Terrasse, Bier: Lizenzbrau. Mass: 10 Euro. Schweinshaxe für 25 Euro! Beschreibung: Jiangyin liegt 180 Kilometer von Shanhai entfernt. Hier reservieren viele internationale Firmen für Geschäftsessen.

Hofbräu Beerhall Miami: Eröffnung 2007, 300 Plätze, Bier kommt aus München, Mass: rund 11,50 Euro. Münchner Käsespätzle mit Röstzwiebeln (rund 6,60 €) oder Obatzter (8 €). Beschreibung: Die Beerhall liegt am Miami Beach, mündet in den Ocean Drive. Motto: Sehen und Gesehen werden.

Hofbräuhaus Shanghai: Eröffnung 2007, 780 Plätze, davon 80 im Biergarten und 200 auf der Dachterrasse, Bier: Lizenzbrau vor Ort, Mass: 12 Euro. Beliebte Speise: Gemischte Würstel (rund 14 €). Beschreibung: Von der Dachterrasse aus toller Blick auf die Skyline von Shanghai! Das Gebäude war ursprünglich als Entertainment-Center geplant – daher die futuristische Fassade. Da das Hofbräuhaus nur 500 Meter von der Expo-Ausstellung 2010 entfernt ist, erhofft sich der Wirt Rekord-Umsätze.

Hofbräu Beergarden Panama City Beach: Eröffnung 2008, 150 Plätze im Biergarten, Bier kommt direkt aus München, Mass: rund 9,60 Euro, Beliebte Speise: zwei Weißwürste mit „Pretzel“, süßem Senf (9,50 €). Beschreibung: Hier verkehren viele junge Leute und feiern (fast) wie auf der Wiesn!

Hofbräuhaus München: seit 1607, 3000 Innenplätze, davon 1000 in der Schwemme, Biergarten im Innenhof für 500 Personen, Mass: 6,90 Euro.

Auch interessant

Meistgelesen

Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Obdachloser Müllmann Max war verzweifelt auf Wohnungssuche - nun gibt es eine Wende
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord und verrät gruseliges Detail - jetzt ist Urteil gefallen
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord und verrät gruseliges Detail - jetzt ist Urteil gefallen
Mehrere Kurzschlüsse legten Stammstrecke der S-Bahn lahm - Zug evakuiert: Grund steht wohl fest
Mehrere Kurzschlüsse legten Stammstrecke der S-Bahn lahm - Zug evakuiert: Grund steht wohl fest
Reiter speckt ordentlich ab - mit diesem Trick
Reiter speckt ordentlich ab - mit diesem Trick

Kommentare