tz-Report aus Berlin

Hoffnung: Es gibt Geld für die zweite Stammstrecke

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So könnte die zweite Stammstrecke verlaufen, wenn sie tatsächlich gebaut wird. Die rote Linie zeigt die mögliche neue Röhre, die grüne ist die bereits bestehende Stammstrecke.

München - Grünes Licht aus Berlin für München: Es gibt weiterhin Bundeszuschüsse für Nahverkehrsprojekte. Lesen Sie hier vier starke Plädoyers für die zweite S-Bahn-Röhre.

Busse nach Berlin: Unter diesem Motto ist am Dienstag eine Abordnung der Metropolregion München nach Berlin gefahren – um dort mit einem parlamentarischen Abend im Haus der deutschen Wirtschaft Druck zu machen für wichtige Infrastrukturprojekte. Dabei bekamen Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), die Bürgermeister anderer Gemeinden sowie Landräte und Wirtschaftsvertreter sogar mehr, als sie zu träumen wagten: das Versprechen von Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU), dass sich der Bund am Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke finanziell beteiligen werde – auch falls die Kosten nochmals steigen würden! Sein bayerischer Kollege Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich sicher, dass die Verträge für das derzeit auf 3,1 Milliarden Euro Baukosten geschätzte Projekt nächstes Jahr unterzeichnet werden. Und: Das so genannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wird über 2019 hinaus verlängert. Bedeutet: Es gibt grundsätzlich weiterhin Bundeszuschüsse für Nahverkehrsprojekte. Das Ergebnis der Reise: hoch zufriedene Verantwortliche aus dem Großraum München. Lesen Sie hier vier starke Plädoyers für die zweite Röhre.

Es wird nicht scheitern

Oberbürgermeister Dieter Reiter (57, SPD): "Ich freue mich ausgesprochen, dass die beiden zuständigen Verkehrsminister unisono gesagt haben, dass sie die zweite S-Bahn-Stammstrecke wollen, dass sie kommen wird und dass sie sie finanzieren. Wir brauchen die neue Stammstrecke dringend. Die alte Stammstrecke wurde für 250 000 Fahrgäste täglich konzipiert, sie wird jetzt täglich von 800 000 Menschen genutzt. Die Prognosen gehen von bald einer Million Nutzer täglich aus. Ich kann mir aus meiner Sicht nicht mehr vorstellen, dass dieses Projekt platzen könnte. Ich denke, es wird auch nicht am Kosten-Nutzen-Verhältnis scheitern. Es wurde noch keine einzige Vergabe geprüft, niemand weiß, was die zweite Stammstrecke kosten wird. Das sind Unkenrufe aus dem Off. Auch die Zusage, dass es weiterhin ein Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz geben wird, freut mich sehr. Wir brauchen die Planungssicherheit, damit wir in der Stadt neue, langfristige Verkehrsprojekte angehen können."

Die Passagiere sind am Limit

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (45, CSU): "Wenn die Kostenermittlung der Bahn bei der zweiten Stammstrecke im Frühjahr ergibt, dass sie teurer wird, dann wird sich der Bund an den Mehrkosten mit mehr Mitteln beteiligen. Da hoffe ich dann aber, dass es die anderen Partner auch tun werden. Die zweite Stammstrecke ist eines der wichtigsten Projekte: Ich stehe dazu. Ich kenne kein Limit bei der zweiten Stammstrecke. Denn: Die Leute, die jeden Tag mit der Münchner ­S-Bahn fahren müssen, sind jetzt schon am Limit. Die zweite Stammstrecke ist also verkehrspolitisch geboten. Die Gruppe der Widerständler gibt es auch noch. Die vergiften das Klima – ich halte das für verantwortungslos. Beim Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz habe wir gesagt: Wir verlängern es. Die Vereinbarung heißt: mindestens auf dem jetzigen Niveau.

Pendler und Gewerbe

Peter Driessen (63), Hauptgeschäftsführer IHK: "Die Münchner S-Bahn ist im Wesentlichen auf dem Stand der Zeit der Olympischen Spiele 1972 – eine zweite Stammstrecke ist dringend nötig. Da sind Pendler, da sind junge Menschen, die zu ihren Ausbildungsplätzen müssen. Da sind aber auch viele Gewerbetreibende, die auf funktionierenden Güterverkehr angewiesen sind. München hat einen enormen Industriebesatz. Wie können wir diese Verkehrsbelastung künftig stemmen? Es gibt Gutachten, die besagen, der Güterverkehr werde in den nächsten zehn Jahren um 32 Prozent steigen. An der A 9 ist viel geschehen, im Osten zu wenig. Wir brauchen den Weiterbau der B 15. Wir müssen die A 8 Richtung Salzburg dringend ausbauen. Dort sind Zustände, die können sich die Menschen in anderen Bundesländern nicht vorstellen. Hier werden die Steuern aufgebracht – dann wäre es nur fair, dass sie auch hier ausgegeben werden."

Wir packen es gemeinsam an

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (59, CSU): "Ich freue mich, dass wir das Projekt Zweite Stammstrecke gemeinsam anpacken. Wir können es schaffen, im nächsten Jahr die Verträge dafür zu schließen. Alle vier Beteiligten wollen sie. Ihr Vorgänger war, lieber Herr Reiter, in Sachen zweite Stammstrecke nicht immer so klar, wie Sie es sind. Was den weiteren Ausbau des S-Bahn-Netzes betrifft: Es gibt keine Entweder-oder-Situation, sondern ein Sowohl-als-auch. Wir werden nach Abschluss der Stammstrecke über weitere Projekte wie den Nord­ring diskutieren."

Johannes Welte

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