Ed Meier erzählt Geschichte der Familie

Hoflieferanten: Die Lieblinge der Könige

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Ein Guss, der bis heute stolz macht: Peter Eduard Meier mit dem Königlichen Hoflieferanten-Wappen seiner Familie. 

Auch wenn die Zeiten der Monarchie lang, lang vorbei sind: Den Titel „Königlich Bayerischer Hoflieferant“ vermarkten noch heute manche Münchner Unternehmen mit Stolz. Wir haben einen besucht. 

München - Urgroßmutter Maria Meier springt im Kreis vor Freude, als sie die Nachricht erhält. Wobei, nein, das ist nicht ganz korrekt: Denn als Maria Meier eben jene weltbewegende Information bekommt, ist sie noch keine Urgroßmutter, sondern eine junge Frau. Aber heute erzählt ihr Urgroßenkel Peter Eduard Meier die Geschichte. Und er sagt: „Weil die Urgroßmutter im Kreis sprang, tanzen wir jedes Jahr an diesem Tag den Meier-Tanz – oft verbunden mit einem großen Familientreffen.“

Was aber reißt Maria Meier zu ihrem spontanen Freudentänzchen hin? „Das Beste, was einer Kauffrau passieren kann: Ihr Mann Eduard, ein Schuhmachermeister, erhielt den Titel des Königlich Bayerischen Hoflieferanten“, erzählt Peter Eduard Meier. Seit es das Königreich gibt, also seit 1806, gibt es auch den Titel. „Unserer ist aber erst nach dem Tod Ludwigs II. ausgestellt worden“, sagt Meier. „Das war für uns herrlich und das ist es auch heute noch. Es sagt zwar den wenigsten Kunden etwas, aber nach innen können wir so mit unseren Mitarbeitern sehr gut das Thema Qualität kommunizieren. Wir sagen immer: Stellen Sie sich vor, morgen gäbe es wieder die Monarchie in Bayern. Wir möchten auf einem Stand sein, dass wir übermorgen wieder den Titel als Königlich Bayerische Hoflieferanten haben können. Also strengt euch an.“

Erstmals erwähnt schon 1596

Das Münchner Schuhhaus hat selbst eine lange Geschichte. Erstmals erwähnt wird das vom Schuhmacher Hans Mayr gegründete Unternehmen im Stadtarchiv 1596. Anfang des 20. Jahrhunderts erweiterte Wilhelm Eduard Meier die Angebotspalette um Konfektionsschuhwerk. Heute kann man bei „Ed.Meier“ auch Kleidung kaufen. Aber das Herz ist noch immer die Schuhmacherei. Das Hauptgeschäft befindet sich in der Brienner Straße.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Firma von Eduard Meier II., der das Unternehmen von seinem Vater übernommen hatte, wieder aufgebaut. Jetzige geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens sind die Geschwister Peter Eduard und Brigitte Meier.

Die Königlich Bayerischen Hoflieferanten liefern alles, was man bei Hofe braucht: Lebensmittel, Kleidung, Lederwaren und vielerlei mehr. Was die Vorteile sind, wenn man Königlich Bayerischer Hoflieferant ist? Zum Beispiel darf man das königliche Wappen in der Firma führen. Das kennzeichnet eine besondere Qualität der Ware.

Das originale Wappen hat Peter Eduard Meier noch heute. Es ist recht schwer und aus Gusseisen. Und natürlich darf das Wappen dann zum Beispiel auch Briefköpfe zieren.

Die Voraussetzungen sind streng

Doch eine hervorragende Ware reicht für den Titel nicht aus: Prinzregent Luitpold (1821-1912) erlässt 1912 eine Verordnung, aus der hervorgeht, dass die Hoflieferanten bayerische Staatsbürger sein müssen. Außerdem sollen sie das 30. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens sechs Jahren Inhaber oder Leiter des Geschäfts sein. Um Königlich Bayerischer Hoflieferant zu sein, braucht man zudem einen tadellosen Leumund, einwandfreie Vermögens-, Kredit- und Familienverhältnisse, Erstklassigkeit und eine herausragende Stellung innerhalb der Konkurrenzanbieter. „Der Titel wurde nur persönlich und auf Lebenszeit verliehen“, sagt Peter Eduard Meier – und nach dem Ersten Weltkrieg war das vorbei. „Der Titel war einfach ein Gütesiegel und ein Ansporn: Die Kunden konnten davon ausgehen, dass die Ware erstklassig ist, wenn sogar der Hof sich beliefern lässt.“

Wie hochqualitativ in der Residenzstadt München gearbeitet wird und wie groß der Bedarf bei Hof ist, zeigen die Zahlen: 1918 gibt es 750 bis 800 Königlich Bayerische Hoflieferanten, ein Großteil der Ernannten ist in München ansässig, rund zehn Prozent im übrigen Bayern, etwas weniger im übrigen Deutschland und im Ausland.

Der Titel wirkt bis heute

Mit Kriegsende und dem damit einhergehenden Ende der Monarchie verlieren die Titel 1918 ihre Funktion und Bedeutung. In der Folge – man betrachtet nun die Monarchie als verstaubte Vergangenheit und bejubelt die Republik – schlägt der Ruhm der damaligen Hoflieferanten ins Gegenteil um, viele einstige Hoflieferanten, die ihre Wappen noch hängen haben, werden nun verspottet, gelten als Ewiggestrige.

Eduard Meier und zum Beispiel auch Dallmayr lassen sich davon nicht beeindrucken: Sie halten an der Tradition fest und nennen sich heute immer noch „vormals k. b. Hoflieferant“. Peter Eduard Meier ist stolz darauf und wird die Tradition fortführen. Bei seinen Kunden, sagt er, kommt das gut an.

Eva-Maria Bast

Dieser text ist ein Kapitel des Buches „Münchner Kalenderblätter“, bestellbar für 14,90 Euro unter www.heimatshop-bayern.de/kalenderblaetter. Auch im Handel erhältlich. ISBN 978-3-946581-116


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