Hofstatt: Neue Wege für Flaneure

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Der Neubau am Färbergraben: Wo einst das Schwarze Haus stand, lockt bald ein rot-grünes Geschäftshaus.

München - Im Herzen Münchens gibt es bald ein ganz neues Stadtquartier für Flaneure und Einkäufer - die "Hofstatt". Wir werfen einen Blick hinter die Zäune der Großbaustelle.

Selbst für gestandene Bauarbeiter dürfte dieses Projekt etwas Besonderes sein. Es kommt ja auf Großbaustellen nicht alle Tage vor, dass das Glockenspiel im Rathausturm zur Mittagspause läutet. Und wenn die Arbeiter bei der Brotzeit den Blick schweifen lassen, können sie um sich herum die Türme der Frauenkirche, des Alten Peters und des Rathauses bestaunen.

Bilder von der Großbaustelle

Hofstatt: Neue Wege für Flaneure

Es könnte zentraler nicht liegen: das Hofstatt-Areal, auf 11 000 Quadratmetern zwischen Sendlinger Straße, Hackenstraße, Hotterstraße und Färbergraben. Früher befand sich dort das Areal des Süddeutschen Verlags. Doch 2013 soll hier das neue Stadtquartier öffnen - mit Wohnungen, Büros, einem Restaurant und vielen schicken Geschäften. 100 Arbeiter schuften in diesen Tagen auf der Baustelle. Und immer deutlicher kristallisiert sich heraus, wie das neue Ensemble aussehen wird.

Das Tor zur Hofstatt

An der Sendlinger Straße entsteht das Entrée der Hofstatt. Die Fassade des alten SZ-Redaktionsgebäudes bleibt erhalten. Den Bau haben die Arbeiter entkernt, nun wird die Statik ertüchtigt. Ins Erdgeschoss mit dem herrlichen Kreuzgewölbe (dort befand sich das Café Streiflicht) werden Boutiquen einziehen, darüber Büros. Hinter dem Bau entsteht ein Innenhof mit Lokal. Die Sendlinger Straße wird vor der Hofstatt zur Fußgängerzone. Hier planen die Bauherren auch das Tor zum Herzen des Quartiers: zur Passage.

Die Passage

Sie beginnt gleich links neben dem SZ-Bau, dort wo einst die AZ residierte. Von hier schlängelt sich die Einkaufspassage durch die Hofstatt, bis sie einen zentralen Lichthof erreicht - in der alten Druckerei. Tageslicht fällt dort durch ein denkmalgeschütztes Stahl-Glas-Dach. In dem Hof gabelt sich die Passage, ein Arm führt weiter zur Hackenstraße, ein anderer zum Färbergraben.

Die Passage hat städtebaulich eine enorme Bedeutung - durch sie entstehen ganz neue Wege durch die Altstadt: Vom St.-Jakobs-Platz über die neue Fußgängerzone zur Hofstatt, dann durch die Passage und über den Färbergraben in die Kaufingerstraße. In der Passage sollen sich freilich noble Geschäfte ansiedeln. Die Investoren wollen vor allem Modeboutiquen gewinnen und auf Marken setzen, die es in München noch nicht gibt.

Die Wohnungen

69 Eigentumswohnungen entstehen in der Hofstatt. Und an der Hackenstraße haben sich die Bauherren etwas besonderes einfallen lassen. Hier sanieren sie ein über hundert Jahre altes Wohnhaus - samt Kassettendecken und Stuckrosetten. Direkt neben das Haus setzen sie einen modernen Anbau - eine Stahl-Glas-Konstruktion. Der Clou: Acht Wohnungen erstrecken sich über Alt- und Neubau, für Menschen, die Kontraste lieben. Billig wird das freilich nicht. Zwischen 6000 und gut 10 000 Euro pro Quadratmeter kosten Heime in der Hofstatt. Wer die größte Wohnung (250 Quadratmeter) erstehen will, sollte 1,8 Millionen im Sparstrumpf haben.

Der Färbergraben

Am Färbergraben, wo einst das „Schwarze Haus“ der SZ stand, ist heute nur eine Baugrube zu sehen - nun wird die Bodenplatte für den Neubau hergestellt, der Geschäfte und Büros beherbergen wird. Für das Gebäude entwarf Architekt Marcel Meili eine rot-grüne Keramik-Glas-Fassade.

Die alte Druckerei

Das alte Druckereigebäude befindet sich im Inneren des Areals - und war für die Passanten bislang unsichtbar. Die Bauherren wollen die schöne Backsteinfassade erhalten, im Inneren bleibt aber kaum ein Stein auf dem anderen. Sämtliche Decken werden bald herausgerissen. In dem Gebäude sollen Büros unterkommen.

Der Zeitplan

Bis Ende 2011 sollen die Rohbauarbeiten an der Hofstatt abgeschlossen sein. Dann, so hoffen die Bauherren, müsste die Lärm- und Staubbelastung für die Anwohner abnehmen. Der Bauzaun an der Sendlinger Straße wird aber mindestens bis Sommer 2012 bleiben. 2013 wollen die Bauherren die Eröffnung der Hofstatt feiern.

Johannes Patzig

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