„Hohes Gericht, ich bin unschuldig. Das war’s“

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Rainer H.

München - Rainer H., der sich seit Dienstag wegen Mordes an dem Investment-Manager Dirk von Poschinger-Camphausen vor dem Schwurgericht verantworten muss, fasst sich kurz - und grinst.

Ab und zu huscht ihm ein Grinsen übers Gesicht. Rainer H., der sich seit Dienstag wegen Mordes an dem Investment-Manager Dirk von Poschinger-Camphausen vor dem Schwurgericht verantworten muss, fasst sich kurz: „Hohes Gericht, ich bin unschuldig.“ Einige Zuhörer lachen, dann herrscht Stille im Saal. Alle schauen den 40-jährigen Angeklagten fragend an. Der fügt noch rasch hinzu: „Das war’s!“

Kein Wort des Beileids gegenüber der Witwe des Mordopfers, die ihm als Nebenklägerin gegenübersitzt (siehe oben). Kein Wort zu der erdrückenden Beweislage. Etwa, dass er unter dem Ebay-Account „Der Oberboss“ Leichensäcke gekauft hatte. In einen dieser Säcke hatte der Mörder sein Opfer gesteckt.

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Ab und zu schielt Rainer H. zur Decke, dann senkt er für einige Sekunden wieder die Augen, während Staatsanwältin Nicole Selzam die 17 Seiten lange Anklage verliest. Er kennt die Akten, sie scheinen ihn zu langweilen. Auch als Nicole Selzam zu dem grausamen Mord an dem Vater von zwei kleinen Kindern kommt, bleibt der Angeklagte äußerlich gelassen. Er schüttelt nur leicht den Kopf, als es um die Fesselung des Opfers mit Handschellen geht.

Einen Satz aus der Anklage hört er wohl nicht gerne: „Sobald Dirk von Poschinger-Camphausen gefesselt war, schoss der Angeklagte in kurzer Folge und aus kurzer Distanz zunächst zehnmal auf den Körper von Dirk von Poschinger-Camp­hausen, um ihn – wie von Anfang an geplant – zu töten.“ Dass er „aus rücksichtslosem Gewinnstreben“ gehandelt habe, scheint er nicht gerne zu hören.

Schließlich stellte sich Rainer H. gerne als erfolgreicher Geschäftsmann dar. Auch gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen Prof. Henning Saß, von dem sich der Angeklagte begutachten ließ. Rainer H. legt Wert auf die Feststellung, dass er (als Einzelkind) in einem guten Haus aufgewachsen ist. Dass er gute Ausbildung unter anderem zum Elektrotechnik-Meister genossen habe. Dass er nicht Hausmeister, sondern Facility-Mangager – also technischer Manager in Gebäuden – sei. Und dass er als Kaufmann eine erfolgreiche Karriere hinter sich habe. Bis 2008, dann stand Rainer H. vor dem Ruin. Schuld daran war natürlich nicht er, wie Saß vortrug: „Ich setzte das Vertrauen in die falschen Leute.“ Der Angeklagte nickt zustimmend.

Auch privat ging es mit ihm bergab. Seine acht Jahre jüngere Ehefrau, eine Mutter von zwei Kindern, trennte sich von ihm. Nach dem Gewaltschutz-Gesetz setzte sie gerichtlich gegen ihn durch, dass er die Wohnung nicht mehr betreten durfte. Kurz darauf setzte ihn auch seine damalige Freundin vor die Tür…

Anfang 2010 sei es jedoch wieder aufwärts gegangen, erzählte der Angeklagte dem Gutachter. Ein dickes Geschäft habe gewinkt. Doch dann, jammert Rainer S., sei „durch seine Verhaftung alles kaputtgemacht worden“. Dem Angeklagten, dem zahlreiche weitere Straftaten wie Betrug vorgeworfen werden, droht die Sicherungsverwahrung. Der Prozess geht heute weiter.

Eberhard Unfried

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