Verzweifelter Vater schreibt an Köhler und Merkel:

Holt unsere Kinder aus der Südsee!

Kommunikationswirt Christian L. und seine große Liebe, die Eventmanagerin Diana G., hatten sich am 11. Oktober von ihren Freunden verabschiedet.

München - Sie haben gebangt und gewartet: Doch zwei Wochen nach dem Untergang der Fähre Princess Ashika im Pazifik vor Tonga haben die Münchner Familien von Christian L. (28) und seiner Freundin Diana G. (27) kaum noch Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Am Dienstag ist das Wrack in 110 Metern Tiefe von einem unbemannten U-Boot geortet worden. Daran, dass es jemals gehoben wird, glaubt Christians Vater Bernd L. (60) aus Waldtrudering kaum noch: „Ehrlich gesagt schwindet unsere Hoffnung, unsere Kinder noch in Deutschland beerdigen zu können“, sagte er der tz.

Unterwasserbilder der Fähre

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Kommunikationswirt Christian L. und seine große Liebe, die Eventmanagerin Diana G., hatten sich am 11. Oktober von ihren Freunden verabschiedet. Sie wollten die Welt umreisen, in Neuseeland jobben, eine Auszeit nehmen. In einem Internet-Tagebuch berichteten sie von den Erlebnissen. Am 4. März schrieben sie: „Wir wollen keinen Tag unserer Reise missen! Es ist sooo schön auf der anderen Seite der Erde!“ Es war ihr letzter Eintrag.

Kaum ein Tag ist seit der Nachricht vom Fährunglück am 7. August vergangen, ohne dass Christians Vater sich nicht an seinen PC setzte, nach Nachrichten aus Tonga suchte, Briefe und E-Mails ans Bundeskanzleramt, Bundespräsident Horst Köhler oder das Auswärtige Amt tippte. „Wir kämpfen an allen Fronten um Unterstützung, doch von der deutschen Botschaft in Wellington bekommen wir nur ausweichende Antworten. Wir sind nicht nur darüber betrübt, dass unsere Kinder umgekommen sind, sondern auch darüber, wie mit uns umgegangen wird.“

Das Auswärtige Amt schickte lediglich eine offizielle Note. Inhalt: Der deutsche Konsul auf Tonga habe bei der Regierung vorgesprochen, um Klarheit über das Schicksal von Diana und Chris zu erhalten. Dass sie die in der Südsee gekenterte Fähre benutzt hatten, war den Eltern schnell klar. Bernd L. zur tz: „Diana hatte noch eine E-Mail geschrieben, kurz bevor sie an Bord ging.“ Das war am Mittwoch, 5. August. In der Nacht auf Freitag sah Dianas Mutter wieder in ihrer Mailbox nach, ob neue E-Mails eingetroffen waren. Bernd L.: „Stattdessen entdeckte sie im Internet die Nachricht, dass eine Fähre verunglückt sei. Da gingen bei ihr alle Lampen an.“

Bernd L. war stolz auf seinen Sohn und dessen Freundin. Darauf, dass sie in der Fremde ihr Leben meisterten, dort arbeiteten, Steuern bezahlten. Nach dem Südsee-Trip wollten sie über Samoa und die USA am 17. Oktober nach München zurückkehren.

Nun erwägt Bernd L., selbst nach Tonga zu reisen. „Aber noch ist zu vieles unklar.“ So seien Christian und Diana nicht einmal auf der letzten offiziellen Passagierliste verzeichnet. 129 Namen stehen darauf. „Auf der ersten Liste standen aber eindeutig ein Chris und eine Diana“. Die Angehörigen haben inzwischen jeden Glauben an die Arbeit der dortigen Behörden verloren. „Die letzte Vermisstenliste wurde nach Zeugenaussagen zusammengestellt, wer wen an Bord gesehen hat. Aber unsere Kinder will niemand gesehen haben. Sie können sich vorstellen, was in uns vorgeht“, beschreibt Bernd L. seine Gefühle.

Wütend machen ihn auch die Gerüchte über den schlechten Zustand der Princess Ashika. Einmal hieß es, die Fähre habe bereits fünf Taifune überstanden, dann, dass der Kapitän trotz Sicherheitsbedenken zum Auslaufen von der Insel Tongatapu gezwungen worden sei. „Da ist eine ziemliche Schweinerei gelaufen.“

Fassungslos betrachtete Bernd L. am Mittwoch die ersten Fotos der versunkenen Fähre. Nach Angaben von Neuseelands Ministerpräsidenten John Key, dessen Land die Suche leitete, ist die Bergung der Fähre unwahrscheinlich. Das bitterarme Tonga kann die nötigen zehn Millionen Euro nicht aufbringen. Christians Vater ist verzweifelt: „Wir wollen doch nur unsere Kinder zurück.“ Er will sie einfach mit Würde beerdigen.

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