Vermieter im Waschkeller bedroht

Horror-Ende eines Mieterkriegs

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Ein Sondereinsatzkommando der Polizei musste anrücken, um den Mieter abzuholen.

Hohenbrunn - Zum ersten Mal in seinem Leben blickte Peter Sch. (36) in eine Pistolenmündung und spürte Todesangst. Passiert ist das in seinem eigenen Haus.

Sein Mieter Peter H. (68) bedrohte ihn mit der Waffe. „Ich schieß dich nieder, hat er mich angebrüllt“, erzählt der gelernte Schreiner schockiert. Es war der Tag, an dem der 68-Jährige erfahren hatte, dass ihn das Amtsgericht nach zwei Jahren Mieterkrieg zur Räumung der Wohnung verurteilt hat. Das Sondereinsatzkommando der Polizei rückte aus und nahm Peter H. fest. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. „Wir stehen immer noch unter Schock“, sagt Peter Sch.

Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung nach weiteren Waffen stießen die Polizeibeamten auf brisante Details über Peter H.: Der Mieter hatte sich eine Sammlung von Kinderpornos zugelegt! Peter Sch. ist entsetzt, er selbst ist Vater von Nina (1) und Lea (3 Monate) und lebt mit seiner Familie im selben Haus wie Peter H.

Mit dem SEK-Einsatz haben die Streitigkeiten zwischen Familie Sch. und Peter H. ihren traurigen Höhepunkt erreicht: Schon seit August 2006 schwelt in der kleinen Ortschaft Hohenbrunn bei München ein Miet-Krieg. Rückblick: Peter Sch. und seine Lebensgefährtin Marlene B. kaufen sich ein kleines Häuschen am Stadtrand, denn sie erwarten Nachwuchs. Die zwei Wohnungen im Gebäude sind vermietet, einer der Mieter ist Peter H.

Es beginnt ein zermürbender Kampf, der sich knappe zwei Jahre hinzieht (tz berichtete). Immer neue Schikanen treffen die inzwischen vierköpfige Familie. Peter Sch. bekommt abstruse Geldforderungen von 30 000 Euro – zur Wohnungsräumung.

Das ist nicht alles: Peter H. mindert die Miete wegen angeblicher Mängel, lässt aber Peter Sch. keine Besichtigung durchführen. Zudem fordert er den 36-Jährigen auf, gefällte Bäume wieder im Garten zu pflanzen. Eine verschwundene Klingelanlage und ein umgestoßener Eisenzaun sorgen zudem für jede Menge Ärger.

Seit Dezember 2007 wohnt die junge Familie im Dachboden des Hauses. Als es kürzlich endlich zur herbeigesehnten Gerichtsverhandlung am Münchner Amtsgericht kommt, macht sich Erleichterung breit. Urteil von Richter Florian Gliwitzky: Peter H. muss die Wohnung räumen, die ausstehende Miete nachzahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. Zusätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen räuberischer Erpressung.

„Endlich geht was voran“, meinte Peter Sch. zu diesem Zeitpunkt. Doch dann das Unfassbare: „Ich wollte Wäsche in den Keller bringen, weil sich meine Mädels nicht mehr runter trauen,“ erzählt der 36-Jährige. Als er am Kellerraum von Peter H. vorbei geht, hört er schon die Stimme seines Mieters: „Wann krieg ich mein Geld, Decksbande?!“

Peter Sch. reagiert nicht, die Pöbeleien kennt er schon. Doch als er sich wieder auf den Rückweg macht, stürmt Peter H. aus der Tür, hält laut Aussage des 36-Jährigen eine Pistole auf Beckenhöhe. „Dich schieß ich nieder!“, schreit er seinem Vermieter entgegen. Der dreht sich um und geht die Treppen hoch, reagiert ruhig in diesem Augenblick.

Er bespricht sich mit seiner Lebensgefährtin Marlene, ruft dann die Polizei. „Es waren etwa zehn SEK-Beamte, die in das Haus gestürmt sind“, berichtet Sch. Sie finden diverse Waffen und Kinderpornos – nur die Pistole, die Peter H. auf seinen Vermieter gerichtet haben soll, haben sie bis dato noch nicht gefunden.

Peter H.s Münchner Anwalt Hans-Joachim Bido will die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten gegenüber der tz nicht kommentieren. Er sagt nur: „Mein Mandant hat an jenem Tag die Familie überhaupt nicht gesehen.“

Quelle: tz

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