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Horror-Pfleger darf wieder in Heimen arbeiten

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Die Behauptung, ein Mensch habe in seinem Beruf nichts verloren, ist zweifelsohne schwerwiegend. Aber was sich Altenpfleger Nils S. (40) seit Jahren an Aussetzern leistete, verschlägt jedem die Sprache.

Einmal verbrühte er eine Seniorin beim Duschen dermaßen mit kochendem Wasser, dass ihr später mehrere Zehen amputiert werden mussten. Ein anderes Mal schlug er einen Heimbewohner brutal nieder (tz berichtete). Seitdem versuchen Behörden, den Münchner aus seinem Job zu klagen. Vergebens! Jetzt entschied das Gericht endgültig: Nils S. darf weiter Senioren versorgen.

Über den Fall des brutalen Altenpflegers schüttelt mittlerweile die gesamte Münchner Pflegeszene den Kopf. „Es ist nicht akzeptabel, dass so ein Mann weiter diese verantwortungsvolle Aufgabe ausüben darf“, sagt Sebastian Groth von der Heimaufsicht.

Seine Behörde deckte unter anderem den ersten Ausraster auf. Der passierte im BRK-Heim am Kieferngarten – vor vier Jahren: Nils S. bringt eine 84-Jährige zum Duschen. Dort dreht er das Wasser so heiß auf, dass die demenzkranke Frau Verbrennungen dritten Grades erleidet. In drei aufwendigen Operationen muss der alten Dame Haut von Fußsohlen und Oberschenkel auf die verbrannten Regionen verpflanzt werden. Vier Zehen müssen die Ärzte amputieren. Das Heim feuert Nils S. – aber der klagt, und das mit Erfolg. Das Arbeitsgericht entscheidet, dass man einer Person nicht nach „einem Fehler“ kündigen könne. Nils S. darf wieder als Altenpfleger arbeiten.

Es dauert nur zwei Jahre, bis der nächste große Vorfall passiert: Im Jahre 2006 arbeitet Nils S. im Heim Pasing-Westkreuz. Dort versorgt er den 70-jährigen Günther P., der im Rollstuhl sitzt. Eines Tages geht Nils S. bei der täglichen Pflege auf den Senior los, schlägt auf ihn ein. Wenig später findet eine Besucherin den Rollstuhlfahrer nur mit einer Unterhose bekleidet auf dem Boden liegen. Günther P. hat Striemen und rote Flecken im Gesicht, er weint. Als Nils S. zur Rede gestellt wir, gibt er die Tat zu. Er habe aber „den Mann nur gewatscht“.

Nach diesem Vorfall reicht es auch der Regierung von Oberbayern. Sie entscheidet, dass der 40-Jährige die Berufsbezeichnung des examinierten Altenpflegers nicht mehr führen darf. Eine Art Berufsverbot. Um das rechtskräftig zu machen, stellt die Behörde einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht. Nur: Der wird abgeschmettert. Die Begründung: Durch die Arbeit von Nils S. sei eine „konkrete Gefahr für die körperliche Unversehrtheit der Heimbewohner“ nicht ersichtlich. Heißt: Der Mann ist harmlos. Zudem sei der Fall genau zu analysieren. Das ist nun – zwei Jahre später – abgeschlossen. Das Gericht entschied endgültig: Nils S. darf weiterarbeiten.

Bei der Regierung von Oberbayern ist man baff – und überlegt nun, was geschehen soll: „Wir werden die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann entscheiden, ob wir in die nächste Instanz gehen“, so eine Sprecherin.

Dass Nils S. weiterhin in Heimen arbeitet, ist auch der Heimaufsicht ein Dorn im Auge. Sebastian Groth: „Was muss noch alles passieren, dass hier endlich gehandelt wird?“ Der Münchner Pflegeexperte Claus Fussek spricht aus, was viele denken: „Was soll so eine Entscheidung? Das karikiert die Arbeit aller Kontrollinstanzen, wenn so jemand weitermachen darf. Und es schadet dem Ruf aller Pflegekräfte, die ihren Beruf vorbildlich ausüben. Eine Schande!“

Armin Geier

Quelle: tz

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