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Wie Sie sich gegen Lärm und Dreck wehren

Horror-Sanierung in der Blumenau

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Haben die Baustelle satt: der zehnjährige Aziz H. (vorne) sowie Birgit und Ludwig König (v.l.), Ines Hamidache, Walter Reichenberger und Sylvie Dozauer

München - Ein Mieter aus der Willibaldstraße hat sich an die tz gewandt: Ihm macht, wie anderen Bewohnern, der Lärm und Dreck bei einer Sanierung zu schaffen. Wie kann man sich gegen so etwas wehren?

Yasmin Hamidache (16) zeigt auf die Schimmelflecken an der Decke ihres Kinderzimmers

Angekündigt war eine energetische Sanierung, doch was folgte, ist für die Mieter in der Willibaldstraße ein Horror. Seit dem Frühjahr werden die Häuser in der Blumenau saniert: „Die benehmen sich so, als würde es sich um unbewohnte Anwesen handeln“, ärgert sich Walter Reichenberger (40), der im Anwesen Nummer 154 wohnt. Zusammen mit einigen Nachbarn hat er sich an die tz gewandt. „Was hier passiert, ist unfassbar.“ Undichte Dächer verursachen Wasserschäden, der Fluchtweg im Keller ist ein enger Bretterverschlag, Kinderzimmer sind vom Schimmel befallen.

Reichenberger klagt über das kaputte Dach

Die Vermieterin, die Heimag München, bot den Mietern in einer Mietvereinbarung eine Mietminderung in Höhe von zehn Prozent an. „Viel zu niedrig angesichts der katastrophalen Zustände“, sagt Anja Franz, Rechtsexpertin des Mietervereins München. Die tz erstellte mit dem Mieterverein eine Liste, was Mieter bei Renovierungen nicht dulden müssen, wie sie sich wehren können und welche Fehler sie dabei auf keinen Fall machen dürfen:

Können Mieter und Vermieter sich nicht vorab auf eine angemessene Mietminderung einigen, rät Franz dazu, die Mietminderung am Ende der Baumaßnahme rückwirkend geltend zu machen. „Schlimmstenfalls fordert man die zu viel gezahlte Miete per Klage zurück.“ Finanziell schlecht Gestellte können dafür Gerichtskostenhilfe beantragen.

Auf keinen Fall dürfen die Mieter auf eigene Faust die Mietzahlungen länger als einen Monat einstellen, wie es Bäckereifachverkäuferin Ines Hamidache tat. „Wir haben überall Schimmel, besonders an der Decke im Kinderzimmer. Auch die Heizung ist kalt – für mich und meine drei Kinder eine Zumutung!“ Weil Hausmeister und Bauleitung ihr das rieten, zahlte sie zwei Monate keine Miete. „Ein schlechter Rat“, sagt Anja Franz. Wer zwei Monate keine Miete bezahlt, kann vom Vermieter fristlos gekündigt werden. Auf Anraten des Mietervereins zahlt Ines Hamidache nun und wird auf den Überweisungsträger schreiben, dass sie sich Rückforderungen wegen Minderungsansprüchen vorbehält. „Gut so. Jetzt kann der Vermieter auch nicht mehr fristlos kündigen“, sagt Franz.

Wird das Dach im Winter abgedeckt, wie das beim Anwesen in der Willibaldstraße 152 passiert ist, müssen die Mieter das nicht dulden. Anja Franz rät den tz-Lesern Birgit und Andreas Dotzauer: „Informieren Sie die Bauaufsichtsbehörden, klagen Sie notfalls auf einen Baustopp!“ Auch bei Wasserschäden und Schimmelbefall können die Mieter auf die Barrikaden gehen: „Wehren Sie sich: Fotografieren Sie, sammeln Sie so viel Beweise wie möglich!“ Vom Vermieter sollten die Mieter schriftlich sofortige Abhilfe fordern und darauf hinweisen, dass er für Schäden haftet.

In der Wohnung von Walter Reichenberger sollten zum Winteranfang die Fenster ausgewechselt werden. „Ich werde mich weigern!“ Das darf der Mieter, bestätigt ihm Anja Franz: „Zwischen Dezember und April muss man nicht dulden, dass alte Fenster herausgerissen werden.“

Lärm von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends ohne Mittagspause: „Das muss niemand aushalten müssen“, sagt Franz. tz-Leser Walter Reichenberger hält es auch nicht mehr aus und sucht jetzt psychologische Hilfe. Franz rät ihm und seinen Leidensgenossen: „Auch wenn es zusätzliche Arbeit macht, führen Sie Tagebuch über den Krach.“ Das hilft, später vor Gericht beweisen zu können, dass eine erhebliche Beeinträchtigung der Wohnverhältnisse vorlag, die Voraussetzung für eine Mietminderung.

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Monatelang Dreck und Staub und Handwerker, die das Hab und Gut der Mieter nicht ordentlich abdecken: „Alles fotografieren, Tagebuch führen und den Handwerkern auf die Finger klopfen“, sagt Franz. „Notieren Sie sich die Namen der Handwerker.“ Notfalls sollte man selbst dafür sorgen, dass alles richtig abgedeckt ist.

Selbst beseitigen sollten Mieter Schäden nur, wenn sie dazu schriftlich die Einwilligung des Vermieters haben. „Sonst kann es sein, dass Sie auf Ihren Auslagen sitzen bleiben, weil sich Vermieter im Zweifel nicht mehr an mündliche Zusagen erinnern“, sagt Franz.

Weil in den Häusern noch vieles mehr im Argen liegt — der Notausgang ist ein Bretterverschlag im Keller, die Sachen aus den Kellerabteilen der Mieter sind seit Frühjahr in für sie unzugänglichen Containern eingelagert –, rät Franz, Rechtsrat einzuholen und alle Unterlagen einem Fachmann zu übergeben. „Versuchen Sie nicht, alles alleine durchzukämpfen, sondern konsultieren Sie den Mieterverein oder gehen Sie zum Wohnungsamt. Dort gibt es kostenlose Rechtsberatung.“

Susanne Sasse

Zahlen wir zu viel Heizkosten?

Frage: Wir wohnen in einem älteren Haus mit Gasheizung. Über diese Heizung läuft aber kein Heißwasser. Wir haben im Sommer an vielleicht sieben Tagen geheizt, aber der Verbrauch in den Sommermonaten betrug für unsere 50-Quadratmeterwohnung 3796 kWh. Dieser Verbrauch bezieht sich auf den Zeitraum 26. April bis 25. Juli. Das kann unserer Meinung nach gar nicht stimmern, weil wir das nie verbraucht haben. Wir haben den Verdacht, dass auch das Obergeschoss, das nicht zu unserer Wohnung gehört, auf unsere Kosten mitgeheizt wird. Hier im Haus laufen durch unsere Wohnung ins Obergeschoss noch weitere Heizrohre, an denen hängt auch ein Heizkörper von uns dran. Ich habe das schon angesprochen, aber angeblich weiß niemand, was das für Rohre sind. Diese sind aber auch warm. Wir sind nun auf monatlich 190 Euro gestuft worden. Und das geht vom Sommerverbrauch aus. Wie soll das erst im Winter werden? Was sollen wir tun?

Thorsten Wessel, München

Antwort: Grundsätzlich muss der Mieter nur das bezahlen, was er verbraucht, sagt Anja Franz, Rechtsexpertin des Mietervereins München. Fraglich ist immer nur, wie viel er tatsächlich verbraucht hat, und dafür ist er beweispflichtig. Wenn auf dem Ableseprotokoll ein bestimmter Verbrauch vermerkt ist, dann gilt das! Wichtig wäre für diese Mieter vor Beginn der Heizsaison zu klären, wie das mit den Rohren und der Rohrwärmeabgabe ist. Wie wird der Verbrauch denn ermittelt? Natürlich haben die Mieter den Anspruch, dass ihnen genau dargelegt wird, wie ihre Heizkosten ermittelt werden beziehungsweise wie und wo der Verbrauch abgelesen wird. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie noch für andere mitbezahlen, muss der Vermieter Ihnen darlegen, dass das nicht der Fall ist.

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