Auf dem Weg von München nach Budapest

Horrorfahrt! ÖBB setzt Fahrgäste an diesem Bahnsteig aus

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Im beschaulichen Örtchen Bruck an der Leitha fand die Zugfahrt von Marta und Ivstan ein plötzliches Ende.

München - Tausende Flüchtlinge wollen derzeit von Budapest nach München. Marta und Ivstan wollten von München nach Budapest. Was hat das miteinander zu tun? Und warum wurde die Fahrt der Rentner zum Horror-Trip?

Marta Eöry (67) und Istvan Hatala (75) sind Rentner, sie wohnen in Budapest. Ab und zu besuchen sie ihre Tochter Linda in München. So auch vergangenes Wochenende. Seit Jahren nimmt das Ehepaar den Zug für diese Strecke. Doch in der vergangenen Woche war alles anders: Ihre Heimfahrt endete nicht in Budapest. Sie endete in einem kleinen Dörfchen in Österreich, kurz vor der ungarischen Grenze. 

Marta und Istvan hatten gegen Mittag mit ihrer Nichte Sara den Railjet 63 genommen. Doch kurz vor der Grenze zu Ungarn hielt der Zug plötzlich in Bruck an der Leitha. Die Wagen wurden geleert, es hieß, es gebe einen technischen Defekt. Die Leute stiegen aus, es wurden ihnen Busse zur Weiterfahrt versprochen. Doch am Bahnhof standen keine Busse. Es gab nur einen Kiosk, der wenig später schloss, zwei verdreckte Toiletten und Taxen für 300 Euro. 

Dubiose Rechtfertigungen der Bahngesellschaft

Jetzt standen hunderte Fahrgäste ratlos am Bahngleis. Marta suchte nach einem Bahnhofsmitarbeiter, doch das Gebäude war wie ausgestorben. Sie rief verzweifelt ihre Tochter in München an. Linda kontaktierte die österreichische Bahngesellschaft ÖBB. "Die Dame am Telefon sagte mir, der Zug werde mit einer dreiviertel Stunde Verspätung in Budapest erwartet", erzählt sie. Als sie erklärte, dass die Fahrgäste nicht im Zug säßen, sondern am Bahnhof in Bruck stünden, sei sie in die Warteschleife gestellt worden. Der nächste Mitarbeiter legte nach Schilderung der Ereignisse einfach auf. 

Linda versuchte es erneut: "Diesmal wurde mir erzählt, es sei Entscheidung des Ministeriums und der ÖBB, den Zug anzuhalten". Es hieß, der Zug sei überfüllt gewesen. Doch das kann ihre Mutter Marta nicht bestätigen. Wenig später kam ein zweiter Railjet, der anhielt, die Fahrgäste aussteigen ließ und zurück Richtung Wien fuhr. "Zwei Züge, die an der selben Stelle einen technischen Defekt haben und überfüllt sind? Das kam mir seltsam vor", sagt Linda. 

Kampf ums Überleben

Marta und Istvan warteten drei Stunden am Bahngleis. Dann kam ein kleiner Regionalzug. "Es war wie ein Kampf ums Überleben", erzählt Marta. "Jeder wollte da rein". Sie hatten Glück und bekamen einen Platz. Der Zug fuhr bis nach Hegyeshalom in Ungarn. Dort stiegen die drei um und fuhren bis Györ, wo sie von Lindas Schwager abgeholt wurden. Normalerweise brauchten sie sieben Stunden von München nach Budapest. An diesem Tag waren es zwölf. "Ich musste erstmal weinen", erzählt Marta. 

Tochter Linda ist immer noch außer sich vor Wut: "Man sieht täglich schreckliche Bilder von Flüchtlingen in überfüllten Zügen", sagt sie. "Aber es gibt auch noch eine andere Seite". Sie hat einen Verdacht, wie es zu dem außerplanmäßigen Stopp des Zuges gekommen sein könnte: "Österreich hat Angst, dass Flüchtlinge in Budapest in den Zug einsteigen könnten. Weil sie das nicht wollen, lassen sie in Ungarn weder Züge rein noch raus". 

Was sagt die ÖBB zu dem Vorfall?

Die ÖBB hat sich zu den Anschuldigungen von Linda Büchner-Uhder verständnisvoll geäußert. Pressesprecher Michael Braun sagte, die Strecke von und nach Budapest stehe derzeit im Zeichen der aktuellen Flüchtlingsbewegungen in Europa. Es komme daher immer wieder zu Unregelmäßigkeiten im Zugverkehr. "Aktuell fahren unsere ÖBB Railjets zum Beispiel nur von Wien zum Grenzbahnhof Hegyeshalom und zurück", so Braun. Das Verkehrsunternehmen müsse flexibel auf die aktuelle Situation reagieren, viele Dinge seien nicht planbar. "Wir tun unser Bestes", versicherte Braun. 

Auch den außerplanmäßigen Stopp des Railjet 63 in Bruck an der Leitha rechtfertigte der Pressesprecher: "Diese Maßnahme war aus Sicherheitsgründen notwendig, um den großen Ansturm von Reisenden aus Ungarn zu bewältigen und die von dort kommenden Railjets zu entlasten". Die Entscheidung zu dieser Maßnahme sei autonom von der ÖBB in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden getroffen worden. "Aktuell raten die ÖBB von Reisen nach Ungarn ab", sagt Braun. Fahrgäste, die nach Ungarn reisen möchten, würden gebeten, sich vorab auf der Website der ÖBB über die aktuelle Lage zu informieren. Ein schönes Zeichen der Verkehrsgesellschaft: Marta und Ivstan sollen für ihre Horrorfahrt entschädigt werden. 

sb

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