Horst Jüssen: Bewegendes Vermächtnis

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Sie standen ihm bis zum letzten Atemzug bei: Ehefrau Lena Valaitis und die Söhne Don (li.) und Marco

Grünwald - Er liebte das Leben über alles, seine Familie, seinen Beruf. Er war Schauspieler, Regisseur, Komödiant. Horst Jüssen (67) blieb es – bis in den Tod.

Selbst seine Trauerfeier hat er minutiös geplant. Der Mann, der bis zuletzt gegen seine Krebs-Erkrankung kämpfte, hat dafür sogar seinen Nachruf verfasst. Auf einem schlichten Blatt Papier. Sein Lebens-Fazit, das um die Worte kreist: „Ich habe geliebt und ich bin geliebt worden.“ Das ist „das Wichtigste überhaupt“.

Es ist Freitag, 11.15 Uhr, in der kleinen, schmucken Aussegnungshalle des Grünwalder Waldfriedhofs. Jüssens Ehefrau Lena Valaitis (65) verbirgt ihre Trauer hinter einem schwarzen Schleier, greift immer wieder zum Taschentuch. Ihre Söhne Marco (35) und Don (25) stehen ihr bei. Ein Freund der Familie, der Moderator Enrico de Paruta, schreitet zum Rednerpult, neben Kränzen, einem Porträt Jüssens und dem Sarg voller weißer Lilien.

Paruta spricht davon, dass sich der TV-Star keine Trauerfeier wünschte, „wie wir sie alle kennen“. Er wollte eine Feuerbestattung und eine kurze Zeremonie, ohne Pfarrer, Weihrauch und Gebete. Jüssen wollte vor allem sein Vermächtnis hinterlassen, das sein Freund jetzt vorliest. Es beginnt mit den Sätzen: „Ich kann eure Trauer verstehen. Aber denkt bitte daran, dass ich ein schönes Leben hatte.“

Jüssen, gelernter Bankkaufmann, Nordlicht aus Husum, hatte schon in den 60ern zur Bühne gefunden. Erst zur Münchner Lach- und Schießgesellschaft, später kam der Durchbruch mit der Kultserie Klimbim. Beim Dreh lernte er auch die Schlagersängerin Lena Valaitis kennen. „Wenn Sie sich mal scheiden lassen – Sie heirate ich“, sagte er damals zu ihr.

Im nächsten Jahr hätten sie 30. Hochzeitstag gefeiert. Sie war bis zum letzten Atemzug bei ihm. Der Liebe seines Lebens und den Söhnen widmete er auch die Zeilen: „Pilgert nicht zum Friedhof, wenn ihr mit mir reden wollt. Ich bin überall für euch da.“Viele Freunde und Weggefährten kämpfen spätestens jetzt mit den Tränen, von den Klimbim-Kollegen Ingrid Steeger, Wichart von Roell und dem vom Schlaganfall gezeichneten Peer Augustinski, von Rainer Basedow bis Patrick Lindner und dessen Ex-Partner Michael Link. Insgesamt rund 150 Trauergäste geben Jüssen das letzte Geleit. Darunter: Schauspieler Bernd Helfrich (Chiemgauer Volkstheater), Gerhard Lippert, Arthur Brauss, Horst Jansons Ehefrau Hella Janson und Wiesn-Wirt Peter Pongratz. Nur knapp eine Viertelstunde dauert die Feier. Dann ertönt Frank Sinatras My Way. Als die Melodie verklungen ist, verlässt niemand den Raum. Lena Valaitis bewegt sich, geht wie in Trance zum Sarg. Sie legt den Kopf darauf, schluchzt. Ihre beiden Söhne müssen sie stützen. Dann eilt sie aus der Trauerhalle, als möchte sie fliehen. Von diesem endgültigen Augenblick. Vom Leichnam ihres Mannes.

Der versuchte übrigens selbst dem Tod noch ein Lächeln abzuringen. Zum Abschied schrieb er: „Und nun trinkt einen auf mich! In Liebe, Papa.“

C. Detsch

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Geliebte Lena, geliebter Marco, geliebter Don, liebe Freunde, liebe Bekannte,

ich kann eure Trauer verstehen. Aber denkt in dieser Stunde bitte daran, dass ich ein schönes Leben hatte.

Ich durfte einen Beruf ausüben, der es mir ermöglichte, Menschen zum Lachen zu bringen. Dies ist eine der schönsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann.

Wir haben auch als Familie unglaublich viele gemeinsame Dinge erlebt. Bewahrt die Fröhlichen in eurem Gedächtnis auf.

Voller Dankbarkeit bin ich, dass wir Freunde hatten, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Das ist ein Geschenk, das man nicht hoch genug einschätzen kann. Ich habe Not und Entsagung im Leben kennen lernen dürfen, aber auch Zeiten, in denen wir aus dem Vollen schöpfen konnten. Ein wichtiger Prozess für die Einstellung zu materiellen Dingen und für den Blick für Hilfsbedürftige.

Sicher habe ich auch Enttäuschungen erleben müssen. Aber ich bin mir auch sicher, dass ich einige Menschen enttäuscht habe. Vergessen wir es!

Das Wichtigste aber überhaupt: Ich habe geliebt und ich bin geliebt worden. Und dafür danke ich euch, Lena, Marco und Don. Pilgert nicht zum Friedhof, wenn ihr mit mir reden wollt. Ich bin überall für euch da! Im Maxpark und in der Straßenbahn.

Und nun trinkt einen auf mich!In Liebe, Papa

Roberto Blanco kam spät, aber nicht zu spät …

Die letzten Takte von Frank Sinatras My Way sind längst verklungen, die meisten Trauergäste bereits enteilt – da taucht Roberto Blanco mit seiner neuen Liebe Luzandra Strassburg auf. Dabei kam es mit Jüssen-Freund und Klimbim-Kollege Peer Augustinski vor der Aussegnungshalle zu folgendem Dialog:

Augustinski: „Du bist wie immer zu spät, mein Lieber.“

Blanco: „Unser Flug wurde gestrichen.“

Augustinski: „Ich musste auch umbuchen und hab’s trotzdem geschafft.“

Blanco: „Ich will mich noch von ihm verabschieden.“

Augustinski: „Er ist noch drin. Geh’ nur rein!“

Quelle: tz

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