Für "Das können Sie alles senden"

Horst Seehofer bekommt Valentin-Orden

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Narrhalla-Vizepräsident Günter Malescha (l.) und Horst Seehofer mit Orden

München - Für seinen seinen Ausspruch „Das können Sie alles senden“ im Nachgang eines Interviews im Heute Journal des ZDF hat Ministerpräsident Horst Seehofer den Valentin-Orden erhalten.

Eine narrische Überraschung war das am Montag im Bayerischen Hof: Ministerpräsident Horst Seehofer (64, CSU) erhält den Karl-Valentin-Orden 2014 der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla – für seinen Ausspruch „Das können Sie alles senden“ im Nachgang eines Interviews im Heute Journal des ZDF. Ungewohnt ehrlich hatte Seehofer seinem Ärger über die verlorene Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Luft gemacht – und dann nichts gegen die Ausstrahlung gehabt (siehe unten).

Die Narrhalla kürt den Ministerpräsidenten bei ihrer „Narrhalla Soirée“ am 31. Januar im Deutschen Theater. „Seehofer war unser Wunschkandidat“, sagt Narr-halla-Präsident Günther Grauer. Der Spruch sei einmalig und passe in die heutige Zeit. „Wir haben nur gezittert, ob er den Orden auch annehmen wird.“ Keine Frage für Seehofer: „Ich bin sehr stolz auf diese Auszeichnung“, sagt der 64-Jährige. Sein umstrittenes Zugeständnis bereut er auch heute nicht. „Es war ein spontaner Ausbruch, aber es war nicht falsch. Ich würde es wieder so sagen.“

Seit 1973 geht der Karl-Valentin-Orden aus vergoldetem Sterlingsilber an eine Persönlichkeit aus Politik, Kunst, Wissenschaft oder Sport. Geehrt wird die „humorvollste beziehungsweise hintergründigste Bemerkung im Sinne von Karl Valentin“. Ein gutes Stück des Komikers stecke schon in ihm, sagt Seehofer. „Mir gefällt sein hintersinniger Humor. Das gehört zur Politik – auch wenn nicht jeder meinen Humor versteht.“ Zeitlos seien Valentins Zitate ohnehin. Beispiel: die Kritik an Sigmar Gabriel und dem SPD-Mitgliederentscheid zum Koalitionsvertrag. „Karl Valentin würde heute sagen: Die größte Gefahr für die Demokratie ist das Volk“, sagt Seehofer mit einem Augenzwinkern.

Die Laudatio auf Seehofer wird CSU-Urgestein Peter Gauweiler halten.

Die Wutrede und die Folgen

Die CSU verkauft Shirts mit Seehofers Spruch

Die katastrophale Niederlage von Norbert Röttgen (CDU) bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2012 war der Auslöser für Horst Seehofers Wutrede im Heute Journal des ZDF. Nach Aufzeichnung des offiziellen Interviews mit Moderator Claus Kleber legte der Ministerpräsident erst richtig los. „Der Röttgen hat gegen die Frau Kraft mit einem Verhältnis von 37 zu 34 begonnen, und innerhalb von sechs Wochen ist das weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht. Das ärgert mich.“ Ob das daran liege, dass der damalige Umweltminister Röttgen sich den Notausgang nach Berlin offengelassen habe, wollte Kleber wissen. „Ja, das war ein Fehler, ein ganz großer Fehler“, sagte Seehofer. Dass ein Kandidat wie Röttgen komme, der sich nicht entscheiden könne, das würden die Leute einem Politiker nicht mehr abnehmen. Seehofers Wutrede endete mit dem entscheidenden Satz: „Das können Sie alles senden.“

Ein Satz mit Folgen: Auf T-Shirts mit dem Seehofer-Spruch gibt sich die CSU offen. Doch fünf Monate später, im Oktober 2012, gerät die Partei in die Kritik: Sprecher Michael Strepp hat laut ZDF versucht, einen Beitrag über den Parteitag der Bayern-SPD zu verhindern. Kurz darauf wirft Strepp das Handtuch, Seehofer spricht von einem „richtigen Schritt“.

Isabel Steffens

 

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