Notlösung mit Dauer-Potenzial

Wegen Corona im Hotel daheim: Studenten & Co. Dauermieter im Blauen Bock München

Manuel Mensing im Hotel
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Manuela Mensing, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchte, fühlt sich im Hotel Blauer Bock wohl.

Gastronomen und Hoteliers trifft die Corona-Krise. Wann es wieder losgeht? Unklar. Stefan Grosse vom Hotel Blauer Bock hat sich etwas einfallen lassen: Er vermietet an Studenten oder frisch Getrennte.

München - „Ich bin einfach nur froh“, sagt Manuela Mensing (38). Die Floristin zog nach ihrer Trennung Ende Oktober direkt ins Hotel. „So schwierig meine Situation war, desto wohler habe ich mich gefühlt, dass ich so schnell und so unkompliziert die Möglichkeit hatte, irgendwo unterzukommen.“ Den Hotel-Komfort am Sebastiansplatz genießt Manuela, denn sie weiß: „So schnell hätte ich auf dem Münchner Wohnungsmarkt niemals was gefunden.“ Zumal Besichtigungen in der Corona-Zeit* schwierig sind.

Hotel Blauer Bock in München als Studenten-Wohnheim - Mit Zimmer und Mahlzeit

Stefan Grosse dagegen hat durch die neue Vermietungsart zumindest ein paar Einnahmen. „Not macht erfinderisch“, sagt er. „Aus dem Jahr 2020 fehlen uns rund 800.000 Euro. Ist doch klar, dass wir über jeden Euro froh sind.“ Die Hygieneauflagen* habe er entsprechend geplant: Auf einer der vier Etagen wohnen zum Beispiel nur Studenten. „Aktuell haben wir drei im Haus“, sagt Grosse. Sie kriegen neben Wlan unter der Woche auch eine warme Mahlzeit aus der Hotelküche. Der Preis: 750 bis 1250 Euro pro Monat – je nach Größe des Zimmers. „Wir können das Angebot bis Ende des Sommersemesters zusagen“, sagt Grosse. Danach hofft er wieder regulär öffnen zu dürfen.

Manuela Mensing will am liebsten bleiben. „Das Gefühl, im Hotel zu wohnen, ist ein Seelenschmeichler“, sagt sie. „Die Atmosphäre hier ist so familiär, dass ich mich sofort wohlgefühlt habe. Verrückt ist auch, dass ich für eine Ein- bis Zweizimmerwohnung nicht weniger zahlen würde. Falls ich überhaupt eine finde.“ Die Floristin arbeitet gegenüber am Viktualienmarkt. „Ich habe aktuell Münchens kürzesten Arbeitsweg“, sagt sie und lacht.

München: Corona-Hilfen für Gastronomie häppchenweise - „Sehr belastende Situation“

Vor dem Hotel hat Stefan Grosse Schilder aufgestellt, um auf sein Angebot hinzuweisen. „Darüber kriegen wir auch die meisten Anfragen“, sagt er. 99 Euro pro Tag kostet sein Angebot, das Hotelzimmer tagsüber als Büro zu nutzen. Wer fünf Tage bucht, zahlt nur vier. Der ganze Monat kostet 1499 Euro.

Für die nächsten Monate hofft Grosse auf scheibchenweise Lockerungen – und eine Wiedereröffnung, wenn es wärmer wird. „Aktuell haben wir eine sehr belastende Situation.“ Die 40 Mitarbeiter in Hotel und Restaurant sind alle in Kurzarbeit, „entlassen musste ich zum Glück niemanden“. Aber die staatlichen Hilfen seien bislang nur teilweise eingetroffen. „Das ist für mich unerklärlich“, sagt Grosse. Einmal pro Woche ruft er seine Mitarbeiter zur Konferenz. „Da planen wir eigentlich nur ins Leere. Aber Hauptsache, man sitzt mal zusammen und tauscht sich aus.“

So wie mit den neuen Gästen, von denen immer mehr ankommen: Im Hotel Blauer Bock, das jetzt neue Wege geht. Jedoch sind in München „besorgniserregende Virusvarianten“ auf dem Vormarsch - die Stadt nennt maßgebliche Zahlen*.*tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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