Zu Fuß auf dem Ditmar-Jakobsweg

HSV-Fan pilgert von München nach Hamburg

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München - Vier anstrengende Wochen liegen vor Volker Keidel (44). Er will knapp 800 Kilometer vom Marienplatz nach Hamburg pilgern - ganz im Zeichen des Fußballgotts Ditmar Jakobs. Die tz hat ihn bis zur Stadtgrenze begleitet.

Warum tut sich Keidel das an und läuft zu Fuß in die Stadt, in der Ditmar Jakobs so was wie ein Heiliger ist? „Ich will noch einmal erleben, dass der HSV Deutscher Meister wird!“ Marschieren für den Titel, eine Pilgerreise ganz im dem Zeichen des Fußballgotts.

Es ist 10.30 Uhr, als wir am Marienplatz starten. Der Ort, an dem der FC Bayern beinahe jährlich die Meisterfeier zelebriert. Wird ausgerechnet der Marienplatz der Ausgangspunkt für die erste Meisterschaft des HSV seit 1983? Freunde von Keidel sind gekommen, auch seine Frau verabschiedet sich. Sein Marschgepäck ist übersichtlich. Einen Schlafsack hat er dabei und zehn HSV- Trikots! „In Würzburg liefert meine Frau zehn neue“, sagt er. Das wichtigste Gepäckstück ist die Meisterschale – zumindest in Hosentaschen-Größe.

Auf der Leopoldstraße wird er von einem Freund angerufen. „Ich kann nicht mehr!“, stöhnt er zu ihm ins Telefon. Sein Trainingsplan für die Reise: „Ich bin mit meiner Familie von Herrsching zum Kloster Andechs gewandert. Ich war fix und fertig danach!“ Das sind übrigens knapp vier Kilometer, nach Hamburg 200 Mal länger!

Wir gehen weiter, immer Richtung Norden. „Sightseeing ist zweitrangig auf dem Weg, ich möchte mir nur ein paar Fußballspiele anschauen“, sagt der gebürtige Würzburger.

Keidel wünscht sich Empfang durch Ditmar Jakobs

Puffer hat er auf seinem Weg keinen. Am 29. August will er in Hamburg ankommen, am 30. August hat der HSV ein Heimspiel gegen Paderborn. Wenn alles klappt, wird er vor dem Spiel im Stadion empfangen. „Ich hoffe von Ditmar Jakobs“, sagt er. Nach dem Fußmarsch geht es direkt mit dem Flieger nach Kroatien zu der Familie. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Vor einem Jahr fasste er den Entschluss zu dieser Tour. „Ich habe meine Frau in einer schwachen Minute erwischt“, sagt er lachend. Im Oktober fand er einen Verlag, der sich für den Reisebericht interessierte. Neben seiner Arbeit bei Hugendubel schreibt Volker Keidel nämlich Bücher (Bierquälerei, Das Wunder von Bernd). Die Kosten für den Trip belaufen sich insgesamt auf ungefähr 4500 Euro. Das Buch soll diese decken.

Den Weg, den das Navi vorschlägt, haben wir nicht gefunden. Uns bleibt nichts anderes übrig als querfeldein über das Feld zu gehen. Endlich erreichen wir wieder die Straße. Am Ortsschild Neuherberg trennen sich unsere Wege.

Für mich geht es zurück, für Volker Keidel weiter. Noch 788 Kilometer bis Hamburg.

Florian Fussek

Das sagen die Passanten

Florian Speicher (25), Student aus München.

„Ich finde, dass es keine schlechte Idee ist. Ich kann es auch verstehen, dass das jemand für seinen Verein macht. Da ich Bayern-Fan bin, brauche ich so was nicht zu machen. Da läuft es sowieso! Wenn er wirklich dahinter ist, packt er das. Und mit dem inneren Schweinehund überwindet er sicher seine Tiefs!“

Koni Rübesam (77), tätig in der Immobilienverwaltung aus Starnberg.

„Ich finde die Aktion nicht schlecht, wenn man Zeit hat und nix Besseres zu tun hat. Ich würde das aber nicht zu Fuß machen, sondern lieber mit dem Radl. Aber als Bayern-Fan muss ich das ja nicht machen. Der HSV hat aber so oder so keine Chance auf den Gewinn der Meisterschaft.“

Stella Scherer (22), Studentin aus München

„Ich bin ehrlich gesagt kein Fußball-Anhänger und ich kann daher seine Beweggründe nicht wirklich nachvollziehen. Aber wenn es ihm Spaß macht, dann soll er das machen. Ich würde jetzt nicht unbedingt 800 Kilometer wandern, damit ein Fußballverein vielleicht Meister wird. So etwas käme nur in Frage, wenn es um etwas anderes geht.“

Die Karriere des Ditmar Jakobs

Horst Hrubesch (l) und Ditmar Jakobs stemmen 1983 nach ihrem Sieg im Endspiel zwischen dem HSV und Juventus Turin den Pokal der Landesmeister in die Höhe.

Ditmar Jakobs war ein Verteidiger des Hamburger SV. Von 1979 bis 1989 machte er 323 Spiele und erzielte dabei 27 Tore. Für die deutsche Nationalmannschaft machte er 20 Spiele (1 Tor). Mit ihm wurde der HSV 1982 und 1983 Deutscher Meister, er gewann auch den Europapokal der Landesmeister.

Die Laufbahn des heute 61-Jährigen endete tragisch: Beim Spiel gegen Bremen am 20. September 1989 rutschte er nach einer Abwehraktion ins Tor und verfing sich in einem Haken. Dabei wurden einige Nervenbahnen an der Wirbelsäule durchtrennt. Für Jakobs bedeute dies das Karriereende.

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