Filiale wird 2016 geschlossen

Handy statt Buch: Das kommt nach Hugendubel

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Die Hugendubel-Filiale am Marienplatz muss 2016 ausziehen.

München - Hugendubel muss seine Filiale am Marienplatz aufgeben. Die Bayerische Hausbau hat den Mietvertrag mit der Buchhandelskette nicht verlängert. Im Frühjahr 2016 soll Schluss sein. 87 Mitarbeiter bangen nun um ihren Arbeitsplatz. Stattdessen wird von 2017 an die Telekom einziehen.

Mobilfunk statt Buchhandel – es klingt wie der Lauf der Zeit. Im Umkreis des Marienplatzes prägen bereits viele Mobilfunkanbieter das Bild. Nun hat sich auch die Telekom eine attraktive Immobilie für einen „Flagship Store“ gesichert und das Traditionsunternehmen Hugendubel verdrängt. Maximilian Hugendubel, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, beteuert: „Wir wollten den Marienplatz unbedingt halten.“ Gleichzeitig räumte er aber ein: „Die Zeit der großen Buchtempel ist vorbei. Das größte Regal steht heute im Internet.“

Das Haus am Marienplatz ist das Gesicht von Hugendubel, oder wie es der geschäftsführende Gesellschafter sagt: „Die DNA.“ 1979 hatte sich Hugendubel mit der Eröffnung des mehrstöckigen Geschäfts am Marienplatz den Weg zu einer der umsatzstärksten Buchhandlungen in Europa geebnet. Der Mietvertrag mit der Bayerischen Hausbau, die zur Schörghuber-Gruppe gehört, läuft indes zum 31. Dezember 2015 aus. Der Eigentümer plant von 2016 an eine Neugestaltung der Fassade und will in diesem Zuge auch das Innenleben des Gebäudes neu strukturieren. Hugendubel und andere Bewerber legten ein Nutzungskonzept vor. „Letztlich kam das viel attraktivere Gesamtkonzept der Telekom zum Zuge“, sagt Sabine Hagn, Sprecherin der Bayerischen Hausbau.

Der Mietbeginn ist nach der Umgestaltung des Gebäudes für 2017 vorgesehen. Die Telekom plant laut Sprecher Markus Jodl auf vier Etagen einen modernen „Flagship Store“. Nach Frankfurt und Köln wäre es der dritte Standort in Deutschland. Jodl: „Wir wollen das Verkaufserlebnis inszenieren.“ Handys, Tablets, E-Book-Reader und viele technische Geräte mehr können getestet werden.

Im fünften und sechsten Stock werden künftig Büros untergebracht. Der Internationale Presse-Club bleibt Mieter im vierten Obergeschoss, ebenso die Traditionswirtschaft im Erd- und Untergeschoss. Auch im Hugendubel-Konzept war vorgesehen, das fünfte und sechste Stockwerk aufzugeben. „Wir hätten uns die restlichen Flächen mit einem anderen Mieter geteilt“, erklärt Max Hugendubel.

Die finanziellen Möglichkeiten haben bei dem Vertragspoker offenbar eine Rolle gespielt: „Wir haben uns bei der Miete wirklich nach der Decke gestreckt“, so Hugendubel. Dass der Vertrag nicht verlängert werde, habe man vergangene Woche erfahren und nun am Dienstagabend die Mitarbeiter informiert. Hugendubel: „Der Schock war groß. Es herrscht tiefe Betroffenheit und Trauer.“

Wirtschaftlich, so sagt der geschäftsführende Gesellschafter, sei die Schließung der Zentrale kein Problem. „Wir sind für den digitalen Trend gewappnet.“ Hugendubel ist bereits in den Online-Handel eingestiegen und vertreibt etwa das neue E-Book-Lesegerät Tolino. Außerdem werde man in die beiden anderen Innenstadt-Filialen am Stachus – deren Vermieter ebenfalls die Bayerische Hausbau ist – und in den Fünf Höfen investieren und versuchen, dort so viele Mitarbeiter vom Marienplatz wie möglich unterzubringen. Hugendubel: „Wenn überhaupt, dann wird es nur eine Handvoll Kündigungen geben.“

Hugendubel beschäftigt in acht Münchner Filialen 260 Mitarbeiter, davon allein 87 am Marienplatz, deutschlandweit sind es 2000. Die Verkaufsfläche am Marienplatz beträgt 3600 Quadratmeter, am Stachus 2000 und in den Fünf Höfen 1250 Quadratmeter. Hugendubel zufolge begibt sich das Unternehmen auf die Suche nach einer Ersatz-Immobilie. Allerdings nicht in dieser Größenordnung. „Für die nächste Generation muss man andere Buchhandlungen bauen. Die Branche wandelt sich.“ Die Turbulenzen um die Insolvenz des ehemaligen Hugendubel-Unternehmenspartners Weltbild haben laut Sabine Hagn bei den Verhandlungen keine Rolle gespielt.

Klaus Vick

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