Schnauze am Volkstrauertag

Pico bellte bei Gedenkfeier: Besitzer muss zahlen

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Hund Pico: Sein Herrchen stritt vor Gericht gegen das Bußgeld.

München - Wau: Dieses Urteil trifft Hündchen Pico (6) hart. Der Pinscher-Terrier-Mischling muss künftig am Volkstrauertag die Schnauze halten, damit Herrchen Christian Scheider (32) nicht wieder 100 Euro Bußgeld zahlen muss.

Als am 17. November 2013 eine Abordnung der Bundeswehr, Veteranenvereine und studentische Burschenschaften in ihren Uniformen zur Kranzniederlegung im Hofgarten aufmarschierten, fühlten sich einige ältere Herrschaften wie Michael M. (66) durch Pico gestört. Während des Trommelwirbels habe der kleine Hund furchtbar zu kläffen begonnen, so der Zeuge: „Der hat gebellt wie eine Maschine.“

Michael M. zeigte Herrchen Christian Scheider an. Dieser bekam vom KVR einen Bußgeldbescheid über 100 Euro, wogegen der Gewerkschaftssekretär Einspruch einlegte.

Am dritten Prozesstag musste unter anderen eine Reporterin in den Zeugenstand, die während der Veranstaltung nur „zwischendurch ein Hundegebell“ wahrnahm. Umso lautstärker habe sich ein älterer Herr über das Gebell echauffiert: „Der hat gebrüllt und geschimpft.“ Und wie hat sich der Hund verhalten? „Der hat mit dem Schwanz gewedelt. Ich habe ihn gestreichelt“, sagt die Zeugin auf die Frage von Richter Jürgen Hanselmann.

Richter urteilt: Provokantes Verhalten

Während der Veranstaltung machte sich auch eine Welpengruppe im Hofgarten lautstark bemerkbar. Auch deren Besitzer wurden deshalb beschimpft, erinnert sich Organisator Jens T. (52): „Da waren einige ganz rüde Gesellen dabei. Wir haben die Veranstaltung deshalb abgebrochen.“

Scheider blieb – und sein kleiner Freund Pico auch. Deshalb gab’s Ärger. Claus Schwarz von der KVR-Bußgeldstelle forderte Dienstag eine Bestrafung über 100 Euro wegen „unzulässigen Lärms“. Schwarz: „Der Vorfall ist nicht von politischer Bedeutung.“

Scheider sieht das anders. Er stilisiert Pico zum „politischen Hund“ hoch, „der mit seinem Bellen Unruhe in eine militarisierte Welt, ein militarisiertes Deutschland bringt“.

Für Richter Hanselmann lieferte er damit das Argument zu einer Verurteilung zu 100 Euro Geldbuße. „Sie wollten mit ihrem Verhalten provozieren“, so Hanselmann zu Scheider. „Sie haben auch die Nationalhymne mit einem falschen Text gesungen.“

Beim nächsten Volkstrauertag sei Pico wieder dabei, so Scheider. Der Hund durfte übrigens nicht in den Zeugenstand.

E. Unfried

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