Besitzer lässt Bello fast verhungern und sagt:

"Es war doch nur ein Viech"

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Armes Tier: Abgemagert und vom Krebs und Maden zerfressen gab es für Bello keine Rettung mehr

München - Hat dieser Mann kein Herz? Sein Besitzer ließ den 13-jährigen Bello fast verhungern und sagte: "Es war doch nur ein Viech." Inzwischen musste der Hund erlöst werden - er war von Krebs und Maden zerfressen.

Am Ende seines langen, schrecklichen Lebens – da konnte er einfach nicht mehr. Nicht mehr fressen, nicht mehr trinken, kaum noch atmen, jeder Schritt eine unendliche Qual. Doch selbst in seinen letzten Stunden hatte der Besitzer kein gutes Wort für den alten Bello (13). Er band ihn los und jagte ihn davon. Hau ab und verlauf Dich, Du nichtsnutziges Viech. Mit allerletzter Kraft schleppte sich der sterbende Bello in die Kiesgrube von Neuching (Kreis Erding). Dort fand ihn am Abend des 1. August zufällig eine Polizistin, die mit ihrem eigenen Hund spazieren ging. Ganz vorsichtig hob sie das sterbende Tier auf und brachte es zum Gnadenhof des Tierschutzvereins München in Kirchasch. Tierärztin Melina Guenthner schossen die Tränen in die Augen. Der Körper durchsetzt von riesigen Tumoren, das Rückgrat verletzt, von Maden innerlich zerfressen – in den Augen dieses Hundes stand unendliche Qual. Der Karabiner am Halsband und die abgewetzten Krallen ließen darauf schließen, dass er lange Zeit als Kettenhund gehalten wurde. Ihm konnten die Tierärzte nur noch einen Dienst erweisen: Die rasche Erlösung.

Auf Facebook wurde der trostlose Fall veröffentlicht. Rasch meldeten sich Anwohner, die den Hund kannten. Ein Nachbar hatte sich bereits mit dem Besitzer wegen des armen Tieres angelegt.

Bello gehörte einem Handwerksmeister aus Niederneuching, der am Montag persönlich im Münchner Tierheim in Riem aufkreuzte. Er war sich nicht der geringsten Schuld bewusst und machte sich auch gleich mal unbeliebt. Warum die ganze Aufregung? Es sei „halt nur a Viech“ gewesen, ließ er die Mitarbeiter wissen. Als Bello drei Jahre alt war, wurde der Hund nach seinen Angaben von einem Auto schwer verletzt. Er hatte Bello damals zum Tierarzt gebracht und empört festgestellt, dass das Geld kostet.

Danach sah der Hund nie wieder einen Arzt. Auch nicht, als sich Bellos Rückgratverletzung verschlimmerte, der Krebs von seinem Körper Besitz ergriff und er abmagerte bis aufs Skelett. Befragt nach dem schlimmen Zustand des Hundes gab der Besitzer an, er habe Bello „ab und zu auch mal was zum Fressen“ gegeben und ihn ansonsten in der Garage oder an der Kette gehalten. Die Tierheim-Mitarbeiter unterdrückten mit Mühe ihre Wut. Schließlich beendete der Handwerksmeister das Gespräch mit einem – aus seiner Sicht großzügigen – Angebot: „Ich geb’ Euch jetzt da eine Spende. Und dann is‘ a Ruah!“

Da täuscht er sich. Und zwar gewaltig. Die Polizei ermittelt schon (siehe unten). Der Fall lässt den Tierschützern keine Ruhe. Denn der Handwerker hat offenbar noch einen zweiten Hund…

Dorita Plange

Strafbefehl oder Anklage: Das droht jetzt Bellos Besitzer

Im Fall des armen Bello haben die Münchner Tierschutzinspektoren bereits am ersten Tag Anzeige wegen Tierquälerei und wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Nachdem der Hundebesitzer nun bekannt ist, wird er in Kürze dazu von der Polizei befragt. Dann muss der Staatsanwalt entscheiden, ob der Fall mit einem Strafbefehl erledigt ist oder zur Anklage kommt. In diesem Fall droht dem Handwerksmeister zumindest eine satte Geldstrafe. Parallel dazu hat der Tierschutzverein das Veterinäramt eingeschaltet, um ein Tierhalteverbot zu erwirken und so den zweiten Hund zu retten.

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