Tiercasting für Musical

Koreanischer Findelhund wird Bühnenstar

Mischling Peppi (1) ist einer der vier tierischen Gewinner

München - Das Staatstheater am Gärtnerplatz hat tierische neue Stars: Intendant Josef Köpplinger kürte in einem Hundecasting die vierbeinigen Darsteller für eine Musical-Rolle. Eine schwere Entscheidung.

Trixi hat hart trainiert für ihre Rolle. Sie kann auf den Hinterbeinen stehen und winken, sie übt, sich tot zu stellen, und sie hört schon auf ihren Rollennamen: Benjamin Franklin. Wie fast 30 andere Hunde ist die kleine Hündin am Mittwochabend ins Münchner Gärtnerplatztheater gekommen, um die begehrte Rolle zu ergattern. Das Theater hat mit einem großen Aufruf nach einem Schoßhündchen für die Inszenierung des Musicals „Anything Goes“, das am 28. Februar im Deutschen Theater Premiere feiert, gesucht. In dem Stück soll das auserwählte Tier ein „putziges Sportjäckchen“ tragen - und eben auf den Namen „Benjamin Franklin“ hören.

Die wichtigsten tierischen Talente, auf die Gärtnerplatz-Intendant und Regisseur Josef Köpplinger Wert legt, sind: Stressresistenz, Belastbarkeit, eine gewisse Musikalität - und Tragbarkeit. Das Hündchen soll nämlich vor allem in einer Tasche über die Bühne getragen werden. Hund Emma ist raus. Sie ist einfach zu schwer. Ein Hauch Menschenmodel-Alltag bei der Hundeschau. Dackel Fanny ist zu ängstlich. „Das möchte ich ihm nicht zumuten.“

Chihuahuas sind da, Yorkshire-Terrier, Zwergpinscher und französische Bulldoggen. Die Geräuschkulisse ist beachtlich, die Geruchskulisse auch. Mindestens zwei der potenziellen Bühnenstars scheinen Blähungen zu haben.

Auf die Bühne wollen auch Boxerdame Bischu und ihre zweijährige Tochter Cosima. Ihre Besitzer sind, samt 10 Monate alter Tochter Anna, extra aus Dingolfing angereist, um ihre Hunde auf die Bühne zu bringen. Die 29-jährige Steuerfachangestellte und Hundetrainerin Melanie hat große Hoffnungen für ihre beiden Boxer. Schließlich hat sie schon ihren Schäferhund zum Star der Bayerischen Staatsoper gemacht. Er durfte in „Macbeth“ mitspielen.

Doch Melanie ist nicht das einzige Frauchen, das hohe Erwartungen hat. Auch Trixis Besitzerin will ihr Hündchen zum Star machen. Als Köpplinger ihre Begeisterung nicht ganz teilt, gibt sie nicht so schnell klein bei. „Benjamin Franklin“ ruft sie, um zu beweisen, dass Trixi sich schon richtig eingearbeitet hat in ihre Rolle. Auch die Besitzerin von Baffy betont, als der Hund sich desinteressiert von Köpplinger abwendet und lieber wieder mit den anderen Hunden spielen will: „Eigentlich kann sie das.“ Doch alle Mühe ist vergebens. Baffy und Trixi gehören nicht zu den Auserwählten.

Bei 30 Hunden und - eigentlich - nur drei Plätzen müssen nun einmal die meisten Hunde - und vor allem deren Frauchen und Herrchen - leer ausgehen. Da scheint der Konkurrenzkampf auch an den kleinen Vierbeinern nicht ganz spurlos vorbei zu gehen. Hund Betty geht da gleich mal auf die Konkurrentinnen - die meisten Bewerberhunde sind weiblich - los. „Klassische Stutenbissigkeit“, attestiert Hundefreund Köpplinger und fügt freundlicher hinzu: „Ein sehr emanzipiertes Tier.“

Am Ende gibt es dann doch vier Gewinner, weil Köpplinger, dem das Casting sichtlich Spaß macht, sich einfach nicht entscheiden kann. Und schließlich könnten Hunde und ihre Besitzer, die sie zu den Aufführungen fahren müssen, auch immer mal ausfallen. Die Sieger sind: Yorkshire-Terrier Brutus (4), Peppi (1), eine Mischung aus französischer Bulldogge und Chihuahua, die französische Bulldogge Coco (fast 4) und der 5-jährige Chuseok. Der Hund der Rasse Chizu hat die wohl ungewöhnlichste Geschichte aller Bewerber. Seine Besitzerin Laura fand ihn vor viereinhalb Jahren im Korea-Urlaub am Strand. Jetzt wird der koreanische Findelhund Münchner Bühnenstar.

dpa/lby

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen

Kommentare