Am Sendlinger Tor

Trotz Schwächeanfall: Hungerstreik geht weiter

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Karim (22, links im Bild) spricht für die 25 Männer, die mit Decken und Schlafsäcken auf dem Boden nächtigen.

München - Flüchtlinge im Hungerstreik: Zwei von ihnen mussten mit einem Schwächeanfall in eine Klinik gebracht werden - doch am Dienstag stießen sie schon wieder zur Gruppe.

Sie wollen auf ihre Situation aufmerksam machen, auch wenn sie dabei ihre Gesundheit riskieren. Seit Samstag befinden sich rund 25 Flüchtlinge am Sendlinger Tor im Hungerstreik. Nun mussten sogar zwei von ihnen ins Krankenhaus gebracht werden. Zu geschwächt waren die unterkühlten Afrikaner.

Aber trotzdem betonte die Flüchtlingsgruppe am Dienstag gegenüber der tz nochmals: „Wir machen weiter. Bis uns endlich geholfen wird.“

Worum es den jungen Männern bei ihrem Hungerstreik geht, erklärt deren Sprecher Karim: „Wir wollen endlich voll und ganz als Asylbewerber, als Flüchtlinge anerkannt werden“, so der 22-Jährige. „Wir möchten uns in diesem Land frei bewegen können und nicht ständig von einem Lager in ein anderes gebracht werden.“

Sprecher: "Wollen erfahren, was unsere Zukunft ist"

Daher empfanden er und seine Mitstreiter das Angebot von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), man könne sie in der Bayernkaserne unterbringen, als Hohn. „Darum geht es uns nicht. Wir wollen, dass endlich jemand zuständig ist für uns, dass wir endlich erfahren, was unsere Zukunft ist.“

Den zwei Flüchtlingen, die am Dienstag ins Krankenhaus gebracht werden mussten, geht es wieder besser: „Einer ist schon wieder hier bei uns und setzt den Hungerstreik fort“, so Karim Dienstag-Vormittag. Zwei Stunden später stieß auch der zweite wieder zur Gruppe.

Seit vier Nächten schlafen die Männer nun in der Kälte auf dem Betonboden. Tatsache ist: Viele Münchner unterstützen die Männer aus Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan bei ihrer Forderung. Am Dienstag brachten Passanten beispielsweise Tee zu den Streikenden. Doch auch den lehnten sie freundlich ab: „Wir nehmen nur Wasser zu uns.“

Die Flüchtlinge haben ihre Forderungen in einem offenen Brief an Sozialministerin Emilia Müller und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) zusammengefasst. „Die müssen nun handeln.“

Neonazis drohen den Streikenden

Der Streik der Flüchtlinge am Sendlinger Tor lockt auch die Braunen aus ihren Löchern. Schon am Sonntag tauchte eine Handvoll zwielichtige Gestalten am Sendlinger Tor auf, beschimpfte die Hungerstreikenden. Angeblich sollen die Neonazis eine Gegendemo planen.

„Bei uns ist aber noch kein Antrag eingegangen“, so das KVR. Die Braunen scheinen derzeit wieder vermehrt aktiv zu sein: So sprengten rund 15 Neonazis auch eine Politikveranstaltung des Bündnis für Toleranz „Freising ist bunt“. Sie drohten den Anwesenden in einer Gaststätte in der Domstadt.

Als die Polizei kam, weigerte sich der Wirt, den Nazis Hausverbot zu erteilen – sondern warf die Teilnehmer des Bündnisses raus. Dann provozierten die Nazis lokale SPD-Politiker, die sich auch dort getroffen hatten. Diese verließen daraufhin den Ort.

Armin Geier

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