Hygiene! Behörden machen Segls Backstube dicht

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Thomas Segl in seiner Backstube in der Löwengrube. Das KVR hat ihm am 7. März verboten, dass er weiter produzieren darf.

München - Was ist nur in unserem Backstuben los? Nach dem Müller-Brot-Skandal jetzt die nächste Schockmeldung: Das KVR macht Segls Backstube wegen gravierender Hygienemängel dicht.

Nach dem Skandal bei Müller Brot in Neufahrn jetzt schockierende Nachrichten mitten aus München: Die Traditionsbäckerei von Thomas Segl (43) in der Löwengrube ist von den Behörden gesperrt worden. Ekel-Alarm in einem der ältesten Meisterbetriebe der Stadt!

Die Familie Segl bäckt dort schon seit fünf Generationen, 1891 eröffnete Johann Baptist Segl die Bäckerei. Rund 2000 Semmeln, 400 Brezn und 250 Brote werden heute pro Tag gemacht. Verkauft sie im eigenen Café, aber einen Großteil liefert er aus: An Restaurants und Hotels, der größte Kunde ist der Bayerische Rundfunk.

Aber seit dem 7. März sind Segls Öfen aus. Weil die Bezirksinspektion einen Betriebsstopp verhängt hat. „Wir haben starke Verunreinigungen und erhebliche Hygienemängel festgestellt“, bestätigt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats auf tz-Anfrage. Das KVR verfügte sogar, dass Segl ausgelieferte Backwaren sofort zurückrufen musste.

„Er rief bei den Kunden an und erzählte von einem Wasserschaden“, sagt Reiner V., der zehn Jahre als Bäcker dort angestellt war. Selbst wenn es Segl gelingt, alle Mängel zu beseitigen, ist für die Behörden die Sache nicht aus der Welt. Denn das KVR ermittele wegen lebensmittelrechtlicher Verstöße und werde nach Abschluss der Anhörungsverfahren bis voraussichtlich Mitte April eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen, erklärt Schlegel vom KVR.

Auch bei der Justiz ist der Bäckermeister-Betrieb kein unbeschriebenes Blatt: Bereits 2010 erging ein Strafbefehl wegen Verstößen gegen Lebensmittelgesetze und Segl bezahlte mehrere tausend Euro Strafe, bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Der Auslöser waren damals mit Mäusekot verunreinigte Semmelknödel. „Schon 2009 war die Bäckerei kurze Zeit zugesperrt wegen katastrophaler hygienischer Zustände“, sagt Bäcker Reiner V. und erzählt Unfassbares: „Dort herrschten bis vor kurzem unglaublich eklige Umstände, es gab sogar eine Prämie von 20 Euro pro erlegter Ratte!“ Die habe er „oft genug kassiert“.

Ob er sich geekelt habe bei der Arbeit? „Ja und wie!“ V. berichtet von von Mäusen, Ratten in den Betriebsräumen und sogar von Kakerlaken auf den Backwaren. „Das war wirklich unglaublich anzusehen!“

Reiner V. sprach nach eigener Aussage Segl mehrmals darauf an, er möge den Kammerjäger rufen: „Seine Antwort war nur: ,Zahlst Du den?‘, und damit war die Sache gegessen“, behauptet Reiner V. Was ihm zudem übel aufstoße, sei der „unvorstellbare Umgang“ mit langjährigen Mitarbeitern. „Die zwölf Bäcker und Konditoren sind seit 11. März freigestellt und wurden gedrängt, Aufhebungsverträge zu unterschreiben.“ Nur zwei Mitarbeiter hätten dem Druck widerstanden – und zwar Reiner V. und ein Bäckerkollege, der seit 40 Jahren bei Segl arbeitet. Inzwischen hat Reiner V. die Kündigung erhalten. Bäckermeister Thomas Segl erklärte auf tz-Anfrage, dass er seine Bäckerei freiwillig geschlossen habe. „Wir sind derzeit dabei zu renovieren!“ Doch das sei „alles ein bisserl schwierig, weil die Bausubstanz aus dem Jahr 1956 stammt“.

Segls Kunden bekommen von der Sperre übrigens nichts mit. Beim Bäcker in der Löwengrube gehen zugekaufte Waren über die Theke.

Susanne Sasse

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