68er-Regisseur Franz Xaver Bogner über Filme, Frauen und freie Liebe

I war scho a wuida Hund

Der 1949 in der Nähe von München geborene Franz Xaver Bogner schuf für das Bayerische Fernsehen mit der legendären TV-Serie Irgendwie und Sowieso eine Kult-Serie zum Thema „1968 in der bayerischen Provinz“.

Schauspieler Ottfried Fischer schaffte als „Sir Quickly“ seinen Durchbruch zum Fernsehstar. Die tz sprach mit Franz Xaver Bogner über die Revolution – und was ihn daran stört.

Frage:Was fanden Sie gut – damals, 1968?

Franz Xaver Bogner:Ich bin als Sohn eines Eisenbahners zwischen Erding und Markt Schwaben groß geworden. Der Vater ein Sozi, ich ein Rebell – aber verstanden hat er die Revolte nicht. Ich bin durch die Musik dieser Zeit politisiert worden – die Stones, Jimi Hendrix, den schwarzen Soul. Das war was ganz anderes. Das fand ich gut.

Frage:Und politisch?

Bogner:Ich war nicht organisiert, habe aber an Demos in München teilgenommen. Gegen die Notstandsgesetze zum Beispiel. Aber was mich gestört hat – bis heute – das war die Konfrontationshaltung gegen die Eltern-Generation. So nach dem Motto: ihr Nazis, wir Gute. Das stimmte ja nicht. Ich habe der Radikalität der APO nur bedingt was zuerkennen können, zum Beispiel den Protest gegen den Vietnam-Krieg.

Frage:Waren Ihnen die 68er zu radikal?

Bogner:Es gab eine intolerante, manchmal sogar totalitäre Grundstimmung. Die fand ich beschissen. An meinem Gymnasium habe ich allerdings immer wieder rebelliert. I war scho a wuida Hund!

Frage:Wie muss man sich den Bogner von damals vorstellen?

Bogner:Ich hatte eine lange Matte, also sehr lange Haare, und ließ mir nix gefallen. Da konnte ich schon grob werden. Ich war scharf auf Mädels, obwohl es verboten war. Aber darin lag ja der Reiz. Durch die Anti-Babypille ist bei vielen Mädels jegliche Zurückhaltung abgefallen. Sie wollten – und wir auch. Entscheidend war: Du hast die Freiheit, also nutze sie!

Frage:Da werden sich Ihre Eltern aber gefreut haben …

Bogner:Die wussten doch von nix! Das war doch der Kick. Natürlich waren Sex und freie Liebe verboten, aber im neuen Zeitalter der Pille recht real. Da hab’ ich doch nicht zu Hause um Erlaubnis gefragt. Mach es oder lass es – das war die Devise. Es war damals eine wilde Zeit, weil die Mädels wollten und wir wollten auch. Wenn ich mir da die heutige Prüderie anschaue, da wird’s mir ganz anders.

Frage:Sie waren ein Rock ’n’ Roller, aber kein Polit-Rocker. Warum?

Bogner:Ich hab’ natürlich in München demonstriert. Nach dem Dutschke-Attentat an Ostern 1968 bin ich reingefahren nach Schwabing und hab’ demonstriert. Aber – ehrlich gesagt – ich stand mehr auf Rock-Musik als auf Klassenkampf. Die verbale Radikalität der APO fand ich nicht so gut.

Frage:Warum haben Sie dann den bayerischen 68er-Film mit Irgendwie und Sowieso gemacht?

Bogner:Das war einfach notwendig, aus meiner Biografie und von den ganzen Songs meiner Generation. Also: Rolling Stones, Beatles, Byrds, Jimi Hendrix, Spencer Davies Group, The Kinks, Petula Clark – es waren so viele Hits, die wir in der Serie gespielt haben, dafür reicht dieses Interview nicht aus. Nur: In meinem Film geht’s um ein neues Lebensgefühl einer ganzen Generation – und das war 1968. Es ging mir nicht um politische Theorien. Es geht um Menschen.

Frage:Sie haben die Serie erst 1986 realisiert. Warum?

Bogner:Ganz bewusst. 86 ist die Drehung von 68. Darum.

Quelle: tz

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