Zum Start der Automesse

Autobahn-Proteste vor IAA: Jetzt sprechen die Aktivisten - „Machen solche Aktionen nicht zum ersten Mal“

Gesperrte Autobahnen und lange Staus - aus Protest gegen die Automesse IAA Mobility haben Aktivistinnen und Aktivisten den Verkehr auf Autobahnen rund um München für längere Zeit lahmgelegt. Auf der A8, auf der A92, der A94 und der A96 entrollten sie nach Polizeiangaben am Dienstagmorgen Banner - teilweise seilten sich dafür mehrere Menschen von Autobahnbrücken ab.

München - Tom Ivanokovic (35) wusste, was er tat. Er seilte sich mit Mitstreiterin Hanna Waltermann am Dienstag gegen 8 Uhr von einer Brücke über der Autobahn A8 ab - nicht an der „großen“ Brücke weiter nördlich an der Anschlussstelle Hofoldinger Forst, sondern an einer kleinen Forstweg-Überführung.

Kleine Brücke, großer Effekt - so war das geplant. Über dem Banner „Stau-Rettungsgasse“ entrollten die beiden ihre Botschaft „Autolobby in Ketten - Klima retten“. Viele Autofahrer bekamen das mit. Und der Effekt wurde noch größer, als die Polizei gegen 8.30 Uhr die Autobahn in Richtung Norden komplett sperren musste, zur „Gefahrenabwehr“ angesichts von zwei Menschen an dünnem Seil über einer Autobahn.

Rettungsgasse für den Leiterwagen: Die A9 Richtung München war dicht.

Protestaktionen gegen IAA: Polizei ermittelt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr

„Wir sind gut gesichert und machen solche Aktionen nicht zum ersten Mal“, sagt Ivanokovic, der auch bei den Protesten gegen den Ausbau der A49 im Dannenröder Forst in den Bäumen hing.

Die Polizei ermittelt jetzt gegen die Beteiligten bei den Protestaktionen auf den Autobahnen* - unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung, wie eine Sprecherin sagte. Die Feuerwehr* rückte mit Drehleiterfahrzeugen an und stellte zur Sicherheit Sprungkissen unter den Brücken auf. Alpine Spezialisten der Polizei* kamen zum Einsatz. Hubschrauber beobachteten die Lage aus der Luft.

Protestaktionen gegen IAA: Autobahnen wurden erst gegen Mittag wieder freigegeben

Auf der A9 kletterten die Aktivisten auf eine Schilderbrücke und überklebten die Aufschrift. „Verkehrskollaps 2000 m“ stand nun dort geschrieben - statt „Kreuz Neufahrn 2000 m“.

Erst gegen Mittag konnte die Polizei die Autobahnen wieder freigeben, nachdem die Demonstrationen und Demonstranten die Brücken verlassen hatten und abgeführt werden konnten. Kurz darauf mussten die Beamten die A94 aber erneut sperren, weil mehrere Demonstranten kurz vor dem Messegelände ein Transparent an einer Brücke befestigten.

Proteste gegen die IAA: Aktivisten seilten sich ab und überklebten die Schilder - bis Polizei und Feuerwehr anrückten.

Protestaktionen gegen IAA: Messe-Gegner fordern „sofortigen Baustopp aller Autobahnprojekte“

Gegnerinnen und Gegner der Messe in München* wollen eigenen Angaben nach deren Ablauf stören, um für eine klimagerechte Mobilitätswende zu demonstrieren. „Wir fordern autofreie Städte, einen stark ausgebauten und kostenlosen ÖPNV - vor allem auf dem Land. Und den sofortigen Baustopp aller Autobahnprojekte“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann kritisierte die Proteste an den Autobahnbrücken. Selbstverständlich seien Demonstrationen, Proteste und Meinungsäußerungen immer möglich, aber auch für sie gebe es einen Rahmen der Gesetze, sagte der CSU-Politiker. Wenn andere Menschen durch die Aktionen gefährdet würden, sei dies nicht zu tolerieren.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich kritisch und verteidigte das Konzept der Messe. „Die IAA Mobility zeigt den Weg zur klimaneutralen Mobilität“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Und wir diskutieren auch mit denen, die anderer Meinung sind. Unser Angebot zum Dialog steht. Gewalt und Nötigung lehnen wir ab.“ (Sabine Dobel, Andreas Höger) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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