Auseinandersetzungen an Theresienwiese

IAA-Proteste: Klimaaktivisten geraten mit Polizei aneinander - „Ich weiß, dass es wichtig ist“

Die IAA in München ruft Demonstranten auf den Plan. Dabei kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Eine protestierende Aktivistin ist trotzdem zufrieden.

München – Der Schlagstock ist erhoben, Pfefferspray spritzt in die Menschenmenge. Die Demonstrationen gegen die IAA Mobility* haben am Freitag zu unschönen Bildern geführt. Die Internationale Automobil-Ausstellung spaltet München*. Während auf der einen Seite Zehntausende fasziniert die Neuheiten bestaunen, haben andere ein großes Problem mit der Messe. Vom Mobilitätswendecamp auf der Theresienwiese ging gestern ein Massenprotest aus. Ziel des zivilen Ungehorsams: Den Ablauf der IAA* stören.

„Die IAA ist das Symbol des deutschen Autokapitalismus“, sagt Liv, Pressesprecherin von „...ums Ganze!“. Das Aktionsbündnis schloss sich genau wie „no future for IAA“ der Aktion von „Sand im Getriebe“ an. „Wir kämpfen für eine radikale Mobilitätswende von unten – weg vom Autobahnausbau, alles auf die Schiene“, stellt Liv klar.

IAA in München: Proteste durch Klimaaktivisten – „Ein bisschen nervös und voller Vorfreude“

Um 9.30 Uhr versammeln sich die Demonstranten im Camp. „Ich bin ein bisschen nervös und voller Vorfreude“, sagt Liv. Schon vor offiziellem Demobeginn setzt sich plötzlich eine Personengruppe in Gang – geradewegs auf eine Polizeiabsperrung zu. Andreas Franken, Pressesprecher der Polizei München*, berichtet: „Hier war keine Kommunikation möglich.“ Der Versuch der Demonstranten, die Absperrung zu überwinden, wird durch den Einsatz von Pfefferspray- und Schlagstock unterbunden. Nach und nach versammeln sich die Demonstranten wieder im Camp und es kehrt Ruhe ein – fürs Erste.

„Ich bin nicht überrascht, dass so viel Polizei hier ist. Aber es ist jedes Mal aufs Neue krass, wie massiv Knüppel und Pfefferspray gegen zivilen Ungehorsam eingesetzt werden“, erzählt Liv. Geschätzt 4500 Beamte sind im Einsatz, ein Hubschrauber kreist den ganzen Tag über der Stadt.

IAA in München: Demo-Zug setzt sich in Bewegung Richtung Innenstadt – Polizei muss eingreifen

Nach langem Warten macht sich dann eine genehmigte Demo auf den Weg Richtung Innenstadt. Laut Polizei mit rund 450 Teilnehmern. Gleichzeitig kommen Meldungen von weiteren Aktionen. Ein paar Aktivisten stören den Open Space der IAA auf dem Königsplatz* und verletzen dabei einen Ordner, andere blockieren die sogenannte Blue Lane, also die Umweltspur auf der A 94. Erneut ist die ganze Autobahn dicht.

Die Präventivhaft gegen fünf Aktivisten, die sich am Dienstag von Autobahnbrücken abgeseilt haben (die Polizei sucht nach Zeugen, Telefon: 08122/9680), wurde aufgehoben. Der Grund: keine Wiederholungsgefahr. Und doch wurde ein bereits am Dienstag Festgenommener bei der Blockade der A 94 erneut erwischt. Insgesamt wurden am Freitag 16 Personen festgenommen.

Zurück zum Demo-Zug: Der kommt schließlich in der Karlstraße an – ein unbewohntes Haus wurden im Vorfeld besetzt, Banner werden aus den Fenstern gehängt, Rauchtöpfe gezündet. Das Motto: „Die Straßen gehören uns, wir holen uns die Stadt zurück.“ Als die Demo in Richtung der besetzten Häuser ausbricht werden die Einsatzkräfte bedrängt – wieder Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz. Nach einigen Gesprächen mit Leitern des Demo-Zugs wurde er zurück auf die Theresienwiese geführt. Die Hausbesetzer, darunter auch ein Journalist, ließen sich widerstandslos abführen.

Passend zum Motto der Aktivisten errichten Demonstranten am Mercedes-Stand vor der Feldherrnhalle eine Sitzblockade – die erste während der IAA. Die Klimaschützer sind fest entschlossen – auch nach mehreren Stunden des Wartens und gescheiterten Anläufen ist ihre Motivation ungebrochen. „Es ist anstrengend, aber ich weiß, dass es wichtig ist“, sagt Liv. Ihrer Meinung nach sollte kein Tag vergehen, an dem man sich nicht fürs Klima einsetzt.

Ihr Fazit: „Wir haben uns von der Polizei nicht einschüchtern lassen und unser Versprechen eingelöst, einen reibungslosen Ablauf der IAA zu verhindern. “ Zu der Besetzung sagte sie: Die Aktion mache deutlich, dass der Kampf um klimagerechte Mobilität und der Kampf um eine Stadt für alle zusammengehören.

IAA in München: Mercedes muss seinen Stand am Odeonsplatz vorübergehend dicht machen

Derweil dauern die Aktionen weiter an – Rabatz bis in den frühen Abend. Als eine weitere Gruppe auf den Odeonsplatz* strömt, muss der Mercedes-Stand temporär geschlossen werden. Die Aktivisten haben auch hier ihr Ziel erreicht, den Ablauf der Messe zu stören.

Schluss mit Demos ist für’s Wochenende noch nicht: Am Samstag (11. September) soll es eine große Sternfahrt geben – von mehreren Startorten aus dem Umland radeln Aktivisten Richtung München. Die Polizei rechnet mit massiven Verkehrsbehinderungen.   *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (P. Plesch, M. Hubert, A. Wunderlich, G. Antonelli, P. Schlingensief)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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