"Ich war daran gewöhnt"

Ettaler Missbrauchsopfer schildert Übergriffe

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Der Angeklagt vor Gericht.

München - "Ich war daran gewöhnt": Im Missbrauchs-Prozess gegen einen Benediktiner und früheren Internatslehrer in Kloster Ettal hat ein früheres Opfer am Donnerstag erstmals öffentlich ausgesagt.

Der Pater habe ihn im Schuljahr 2004/2005 in seinem Präfektenzimmer etwa zweimal in der Woche auf den Schoß gezogen und ihm unter die Hose gegriffen. „Ich war daran gewöhnt“, sagte der heute 24-jährige Student vor dem Münchner Landgericht.

Er habe mit dem Pater „nie ein Problem“ gehabt, „ich hatte das beste Verhältnis zu ihm“, sagte der Zeuge. Er fühle sich durch die damaligen Vorkommnisse auch im Nachhinein nicht belastet. Als andere Schüler sich wegen des Religionslehrers an die Klosterleitung wandten, habe er sich „gewundert, warum sie das machen“.

Der 44-jährige Angeklagte bat auch diesen Zeugen um Vergebung: „Ich habe mich dir gegenüber nicht immer korrekt verhalten, dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen.“ Er war 2005 wegen Distanzlosigkeit gegenüber Schülern als Lehrer abgelöst worden. In den Fokus der Ermittlungen geriet er erst nach Untersuchungen eines Sonderermittlers in Kloster Ettal im Auftrag des Erzbistums München.

Bei einem Gespräch zwischen den Beteiligten war dem Angeklagten bei einem Geständnis des sexuellen Missbrauchs an Schülern bereits eine Bewährungsstrafe zugesagt worden. Am kommenden Mittwoch (11. März) will das Gericht die Plädoyers hören. Voraussichtlich verkündet es dann auch das Urteil.

dpa

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