"Ich kniete neben meinem toten Freund!"

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Lorenzo aus München wurde nur 17 Jahre alt

Fulda - Als Alin C. (20) die letzten Sekunden im Leben seines Freundes Lorenzo schilderte, reagiert seine Familie im Gericht mit Schmerzensschreien und Tränen. Der Prozess um den Fuldaer Automord:

„Ich kniete neben ihm, doch er konnte nichts mehr sagen. Nur ein ‚Hilfe‘ war zu hören.“

Die bewegende Aussage im Fuldaer Prozess: Am Freitag berichtete Autohändler Alin C., wie der Angeklagte Oliver P. (39) ihn und seinen Freund Lorenzo in die Falle lockte. „Lorenzo hatte im Internet einen VW-Transporter entdeckt. Er sollte 17 500 Euro kosten. Doch Lorenzo kam stolz zu mir und meinte, er habe ihn auf 15 000 runtergehandelt.“ Gemeinsam fuhren die Freunde mit dem ICE von München nach Fulda. „Am Bahnhof telefonierte Lorenzo wieder mit dem Verkäufer. Er meinte, er könne nicht selbst kommen. Aber er werde jemanden zum Abholen schicken.“

Kurz darauf fuhr Oliver P. in einem BMW vor. „Er sagte, er bringe uns dorthin, wo der Wagen steht. Unterwegs fragte er, wie wir den Wagen bezahlen wollten und ob wir das Geld dabei hätten. Ich hatte 16 200 Euro einstecken, doch das habe ich ihm nicht gesagt.“

Vielleicht hielt Oliver P. den jüngeren Lorenzo für den Boss, mutmaßte Alin C. als Zeuge: „Er konnte besser Deutsch als ich.“ In einer dunklen Seitenstraße hielten sie an – und warteten 90 Minuten, dann kippte auf einmal die bis dahin noch entspannte Stimmung. Alin: „Lorenzo und ich gingen auf einem schmalen Fußweg nebeneinander, der Täter zwei Meter hinter uns. Auf einmal fielen Schüsse, schnell hintereinander. Tack-Tack-Tack.“

Alin begann zu rennen. Von einer nahen Tankstelle alarmierte er die Polizei. Erst im Polizeiauto bemerkte er, dass eine Kugel beinahe auch ihn getroffen hätte: Sie hat sein Hosenbein durchschlagen. Für seinen von sieben Kugeln durchsiebten Freund kam jede Rettung zu spät: „Er war so ein feiner Kerl.“

Empört reagierte Alin auf die Aussage von Oliver P.’s Freundin Mareen S. (30), die den Auto-Deal eingefädelt haben soll: „Oliver kam danach zu mir und meinte, da sei was schief gelaufen. Die hätten ein Messer gezogen.“ Alin dazu: „Warum hat der nicht einfach das Geld genommen? Ich bin nicht so aggressiv wie er.“

Noch immer leide er unter Schlafstörungen, fühle sich verfolgt. Dass er sich dafür an Oliver P. rächen will, daran ließ Alin keinen Zweifel: „Wenn du in 30 Jahren rauskommst, werde ich dich finden.“

tz

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