Franz N. wäre fast verbrannt und warnt jetzt die tz-Leser

„Ich nehme nie mehr Spiritus beim Grillen“

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Niemals Spiritus beim Grillen verwenden!

Dachau - Sobald es das Wetter erlaubt, verabredet sich Franz N. mit seinen Freunden in seinem Garten, dann wird die Kohle zum Glühen gebracht, die Steaks werden auf dem Rost gebrutzelt. So auch an dem Tag, an dem er zum letzten Mal Spiritus in die Glut geschüttet hat.

Denn da wäre der Sachbearbeiter um ein Haar verbrannt.

Der 5. Juli ist N.'s 56. Geburtstag – heuer ein richtig schöner Sommertag. Seine Frau hat Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, zehn Freunde sitzen um den Gartentisch auf der Terrasse in Dachau. Gegen Abend machen sich die Männer daran, den Grill anzuheizen. „Ich hatte schon zwei Briketts mit Spiritus getränkt und in die Kohlen gelegt“, erzählt N. Aber irgendwie bekommt er keine richtige Glut in den Grill. Die Frauen sitzen beim Ratschen am Tisch, warten darauf, dass es mit dem Grillen losgeht. Zwei Freunde stehen neben dem Hausherrn am Grill im Rasen. N. wird ungeduldig: „Mir ist das zu langsam gegangen“, gibt er zu. Deshalb macht er einen fatalen Fehler. Er greift zur Spiritusflasche – und kippt einen Schuss auf die Kohlen.

Eine Explosion, eine Stichflamme schießt in die Höhe. N. reagiert sofort und schleudert die Flasche von sich weg. Ein paar Tropfen spritzen auf seine Hand, auf seinen Unterarm. In Sekundenbruchteilen züngeln die Flammen an seiner Hand, an N.'s Unterarm entlang.

Der 56-Jährige ist geschockt. „Im ersten Moment dachte ich noch, ,Zum Glück hat es meine Gäste nicht erwischt‘.“ Denn die standen links neben ihm. Wären sie rechts gestanden, wären sie von der brennenden Spiritusflasche oder von der Stichflamme getroffen worden. Die Freunde bringen N. ins Krankenhaus. Erst dort wird ihm das Ausmaß seiner Verletzung bewusst. Verbrannte, weiße Hautlappen hängen von seiner Hand und von seinem Arm.

14 Tage musste er in der Klinik bleiben. Die Ärzte verpflanzten Haut aus seinem Oberschenkel an den Unterarm und an die Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger. Ein Jahr lang muss er einen Kompressionshandschuh tragen, damit die Narben gut verheilen und kein Sonnenlicht an die Haut kommt. Die Narben bleiben.

Die Narben sind vor allem für junge Brandopfer ein großes Problem. Das weiß auch Professor Stuart Hosie, Chefarzt der Kinderchirurgie im Krankenhaus München-Schwabing. Er hat fast täglich mit Brandverletzungen zu tun, in ganz Deutschland werden jährlich 4.000 Grillunfälle in Kliniken behandelt. Hosie muss jedes Jahr im Schnitt fünf Kinder behandeln, weil sie sich beim Grillen schwer verletzt haben. Die therapeutische Aufarbeitung sei genauso wichtig wie die medizinische Behandlung. „Problematisch ist, dass Kinder aufgrund ihrer Körpergröße oft im Gesicht verbrannt werden“, sagt Hosie gestern im Münchner Westpark, wo Umweltminister Otmar Bernhard Ratschläge zum richtigen Grillen gab. „Auf Spiritus verzichten“, lautete einer davon. Das wird sich auch Franz N. merken.

Quelle: tz

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